MĂ€nner, Nationalmannschaft

Handballern droht Debakel: Gislason nimmt Schuld auf sich

18.01.2026 - 12:17:07

Vor dem Endspiel gegen Spanien ist der Druck auf das DHB-Team immens. Warum der Bundestrainer volle Verantwortung fĂŒr die Situation ĂŒbernimmt und wie er auf die Kritik von Juri Knorr reagiert.

  • KapitĂ€n Johannes Golla glaubt weiterhin fest an das Weiterkommen. - Foto: Sina Schuldt/dpa

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  • Bundestrainer Alfred Gislason leistet sich in der Schlussphase einen Fauxpas. - Foto: Sina Schuldt/dpa

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KapitÀn Johannes Golla glaubt weiterhin fest an das Weiterkommen. - Foto: Sina Schuldt/dpaBundestrainer Alfred Gislason leistet sich in der Schlussphase einen Fauxpas. - Foto: Sina Schuldt/dpa

Nach nur wenigen Stunden Schlaf und sichtlich gezeichnet von den Nachwehen der bitteren EM-Niederlage begann Alfred Gislason seinen Monolog mit einem SchuldeingestĂ€ndnis. «Mein Auszeit-Fehler hat die Mannschaft mindestens einen Punkt gekostet. Ich habe den Fehler gemacht, nach oben zu gucken. Dieses Tor hĂ€tte uns extrem gutgetan. Das war ein Schock fĂŒr die Mannschaft», befand der IslĂ€nder einen halben Tag nach dem 27:30 gegen Serbien.

Was war passiert? In der 58. Minute hatte Juri Knorr eigentlich den Ausgleich zum 26:26 erzielt, doch Gislason hatte an der Seitenlinie auf den roten Buzzer gedrĂŒckt, um eine Auszeit zu nehmen. Weil der Ball zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Torlinie passiert hatte, zĂ€hlte der Treffer nicht. «Das ist natĂŒrlich fatal aus meiner Sicht und geht völlig auf mich», sagte Gislason.

Handballer droht erstmaliges Vorrunden-Aus

Ihm und den deutschen Handballern droht nun ein EM-Fiasko. Seit der EinfĂŒhrung des Vor- und Hauptrundenformats 2002 ist die DHB-Auswahl noch nie in der ersten Turnierphase gescheitert – doch genau das könnte am Montag geschehen. Und ausgerechnet vor dem Endspiel gegen Spanien (20.30 Uhr/ZDF/Dyn) brodelt es gewaltig.

Routinier Lukas Mertens wollte von Unruhe im Team hingegen nichts wissen. «Ich habe gestern Abend schon gemerkt, dass da trotz des jungen Alters der Mannschaft eine Einstellung da ist, die ich so noch nicht erlebt habe. Wir saßen mit 13, 14 Mann zusammen und haben uns zusammengerauft. Wir sind ein verschworener Haufen», betonte der Linksaußen.

So reagiert Gislason auf Knorr-Kritik

Dass Knorr seinen Trainer ungewohnt offen kritisierte, hatte nichts mit der unglĂŒcklichen Schlussphase zu tun. Auslöser war vielmehr die Personalpolitik, die der deutsche Spielmacher nicht nachvollziehen konnte. «Wir haben die Serben in der ersten Halbzeit ĂŒberrannt – und dann Ă€ndern wir alles. Das verstehe ich nicht. Ich stand in der zweiten Halbzeit nicht mehr viel auf der Platte. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll», sagte der 25-JĂ€hrige und warnte: «Wir werden es nicht schaffen, wenn Spieler 60 Minuten durchspielen».

Mit diesen Worten konfrontiert, versuchte Alfred Gislason zunĂ€chst, die Brisanz herauszunehmen. «Wir sprechen intern sehr viel, aber was er in der Presse gesagt hat, weiß ich nicht», erklĂ€rte der 66-JĂ€hrige. Erst auf erneute Nachfrage rĂ€umte der IslĂ€nder VersĂ€umnisse ein: KapitĂ€n Johannes Golla hĂ€tte mehr Pausen gebraucht, Justus Fischer kommen mĂŒssen.

Mertens nahm seinen Trainer in Schutz. «Wenn wir Spieler anfangen, darĂŒber zu sprechen, ich will da spielen oder dort, macht das alles keinen Sinn. Der Trainer entscheidet, wer wann und wo auf der Platte steht», befand der 29-JĂ€hrige.

Kretzschmar: Da hÀtte auch der Busfahrer stehen können

Der Bundestrainer musste nicht nur Knorrs Kritik aushalten. Auch die Dyn-Experten um Handball-Ikone Stefan Kretzschmar schossen sich verbal auf Gislason und seine SchĂŒtzlinge ein. «Alfred, scheiße gecoacht. Vercoacht», kritisierte etwa Ex-Weltmeister Michael Kraus und schimpfte: «Das war einfach Kacke im Angriff. Man muss es auch einmal beim Namen nennen.» 

Kretzschmar ging ebenfalls mit dem deutschen Offensivauftritt hart ins Gericht. Besonders die Außenpositionen seien praktisch nicht eingebunden gewesen. «Da hĂ€tten auch der Busfahrer und der Physiotherapeut stehen können – da kam ja gar kein Ball hin», sagte Kretzschmar. Mit Blick auf den zweiten Durchgang wurde er noch deutlicher: «Heute war sie eine Katastrophe».

So kommt Deutschland noch in die Hauptrunde

Die Lage vor dem Vorrunden-Abschluss ist schwierig, aber nicht aussichtslos. Spanien fĂŒhrt die Tabelle mit 4:0 Punkten an, dahinter folgen Serbien und Deutschland (beide 2:2). Österreich ist mit 0:4 ZĂ€hlern Letzter. Die ersten beiden Teams kommen weiter. 

Will sich die DHB-Auswahl nicht auf die SchĂŒtzenhilfe der Österreicher verlassen, muss gegen Spanien ein Sieg mit mindestens drei Toren Unterschied her. Dann wĂ€re der Olympia-Zweite im Falle eines Sieges von Serbien beim Dreiervergleich definitiv Gruppenzweiter vor Spanien. 

Optimal wĂ€re, wenn die DHB-Auswahl gegen Spanien gewinnt und Serbien zuvor gegen Österreich maximal unentschieden spielt. Nur dann wĂŒrde das deutsche Team mit 2:0 Punkten in die Hauptrunde starten. Selbst eine Niederlage könnte bei einer bestimmten Konstellation zum Weiterkommen reichen.

Wolff: Wir hatten selten solch einen Druck

Nach der desaströsen Chancenverwertung gegen Serbien erscheint ein Topauftritt des Olympia-Zweiten keine 48 Stunden spĂ€ter kaum vorstellbar. «Wir hatten selten solch einen Druck und mĂŒssen schauen, dass wir gegen Spanien ein anderes Gesicht zeigen. Es gilt, sich gegenseitig Mut zu machen», appellierte TorhĂŒter Andreas Wolff an seine Mitspieler. 

Knorr forderte, Frust und EnttĂ€uschung in Energie umzuwandeln. «Wir können das nur gemeinsam hinbekommen. DafĂŒr muss jeder bereit sein», erklĂ€rte der RĂŒckraumspieler. KapitĂ€n Golla versicherte: «Wir werden uns aufrichten und es gegen Spanien besser machen. Wir haben ein klares Ziel, das wir erreichen mĂŒssen». Das Ziel hieß einmal Halbfinale. Doch daran denkt bei Deutschlands Handballern aktuell wohl niemand.

@ dpa.de

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