«Nur traurig»: Mexiko-Crash bringt Pérez noch mehr in Not
30.10.2023 - 11:21:20Mit einem goldbestickten Sombrero auf dem Kopf nahm Formel-1-Alleinherrscher Max Verstappen die Ovationen entgegen. Als der Rekordpilot in Mexikos Abendsonne seinen 16. Saisonsieg geschĂ€ftsmĂ€Ăig bejubelte, kĂ€mpfte Red-Bull-Teamkollege Sergio PĂ©rez im Fahrerlager mit seinen seelischen Wunden.
«Das ist ein harter Moment fĂŒr ihn, ein schwerer RĂŒckschlag», sagte Teamchef Christian Horner ĂŒber den tieftraurigen 33-JĂ€hrigen. Der kapitale Startunfall von PĂ©rez bei seinem so mit Emotionen aufgeladenen Heimspiel warf neuerlich die Fragen nach seiner Zukunft im Weltmeister-Team auf.
Mit schwerem Herzen hatte PĂ©rez schon wĂ€hrend des Rennens in der Garage seinen Mechanikern die bittere Szene erklĂ€rt, sich dann am Kommandostand von Boss Horner trösten lassen und seinen enttĂ€uschten Fans von der Boxenmauer gewinkt. «Ich habe zu viel riskiert, aber ich wollte diesen Sieg», sagte der Mexikaner. Nach 16 Sekunden war er ĂŒbermotiviert in Charles Leclercs Ferrari gerumpelt, hob kurz mit seinem Red Bull ab - dann war sein Rennen vorbei.
Desaster fĂŒr PĂ©rez
«Manchmal reichen ein paar Sekunden, um Tausende Menschen zu enttĂ€uschen», schrieb der Schweizer «Tages-Anzeiger». Der Gegenschnitt machte das Desaster fĂŒr PĂ©rez umso heftiger. Zum einen wirkt die Red-Bull-Zweitbesetzung im Schatten von Verstappens Dominanz verlorener denn je. Weniger als die HĂ€lfte der Punkte hat PĂ©rez in 19 Rennen gesammelt, nach Siegen steht es in diesem Jahr 2:16.
Zum anderen muss PĂ©rez nach dem Crash von Mexiko selbst im so ĂŒberlegenen Red Bull immer mehr um die Vize-Weltmeisterschaft bangen. «Jammerschade, wir haben 19 Punkte auf Hamilton verloren», fasste Red-Bull-Berater Helmut Marko das Dilemma zusammen. Durch Lewis Hamiltons zweiten Platz nebst schnellster Rennrunde hat PĂ©rez vor den verbleibenden drei SaisonlĂ€ufen in der Gesamtwertung nur noch 20 Punkte Vorsprung auf den Mercedes-Piloten.
WĂ€re Hamilton nicht eine Woche zuvor als Zweiter in Texas umstritten disqualifiziert worden, wĂ€ren beide schon jetzt fast gleichauf. «Ich hĂ€tte nicht gedacht, dass ich nochmal in Schlagdistanz kommen wĂŒrde. Es hĂ€ngt aber vor allem von Checos Wochenenden ab», sagte Hamilton und schob subtil noch etwas mehr Druck in Richtung PĂ©rez. «FĂŒr mein Leben wird es keinen groĂen Unterschied machen, ob ich Zweiter oder Dritter werde», sagte der Brite.
HartnĂ€ckiges GerĂŒcht
FĂŒr PĂ©rez aber womöglich schon. HartnĂ€ckig hĂ€lt sich das GerĂŒcht, dass der Mexikaner seinen Job bei Red Bull verlieren wĂŒrde, wenn er in der WM noch Rang zwei einbĂŒĂt. «So einfach ist das nicht. Man muss auf die UmstĂ€nde schauen und so weiter», sagte Teamchef Horner. «Er hat mit uns eine Vereinbarung fĂŒr nĂ€chstes Jahr. Und unsere Absicht ist es, dass er 2024 im Auto sitzt», beteuerte der 49-JĂ€hrige.
Zugleich schwĂ€rmte Horner allerdings in höchsten Tönen von Daniel Ricciardo, der als möglicher Nachfolger von PĂ©rez gehandelt wird. Im Alpha Tauri war der Australier bravourös auf Platz sieben gefahren und hatte das Red-Bull-Schwesterteam so um zwei PlĂ€tze in der fĂŒr die Geldverteilung wichtigen Konstrukteurswertung nach vorn gebracht. «Er hat komplett unterstrichen, warum wir ihn zurĂŒckgebracht haben. Er sah wieder aus wie der alte Daniel», sagte Horner.
PĂ©rez blieb nichts anderes ĂŒbrig, als um Zuversicht zu ringen. «Die Ergebnisse werden kommen. Ich bin nicht besorgt, ich bin nur etwas traurig», sagte PĂ©rez nach diesem UnglĂŒckstag auf dem AutĂłdromo Hermanos Rodriguez.


