Florian Lipowitz vor 2027: Giro, Tour oder Alpen-WM?
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 07:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFlorian Lipowitz hat die Straßenrad-WM in Montréal auf Rang 47 beendet und steht nach seinem Comeback vor wichtigen Entscheidungen für die Saison 2027.
WM als erster Härtetest
Beim Außenseiter-Sieg des US-Amerikaners Brandon McNulty fehlte Lipowitz nach eigener Einschätzung der nötige Punch. Wegen seines vor zwei Monaten erlittenen Schlüsselbeinbruchs war ein Spitzenresultat nicht erwartet worden.
Nach einigen Tagen Ruhe will der 26-Jährige noch das Giro dell’Emilia, die Tre Valli Varesine und die Lombardei-Rundfahrt bestreiten. Gerade bei Eintagesrennen tue er sich schwer, sagte Lipowitz, deshalb seien diese Starts für ihn besonders wertvoll.
Alpen-WM mit besseren Aussichten
Die Straßen-WM 2027 in den französischen Alpen könnte Lipowitz entgegenkommen. Das Rennen soll mit rund 5.700 Höhenmetern das schwerste seit 47 Jahren werden. Für den Rundfahrer wäre das möglicherweise die größere Medaillenchance als ein hügeliger Kurs mit vielen explosiven Antritten.
Lipowitz bezeichnete sich grundsätzlich als Rundfahrer. Seine Werte in der dritten Tour-Woche seien mit denen eines Eintagesrennens vergleichbar, erklärte der 26-Jährige. Bei Klassikern entschieden dagegen häufig der Punch und die Erfahrung.
Tour-Podium als Maßstab
Seine Saison wird weiterhin an der Tour de France gemessen. Lipowitz war 2025 Dritter geworden und verpasste in diesem Jahr nach einem Sturz im Einzelzeitfahren und der anschließenden Aufgabe das angestrebte Podium. Zugleich erreichte er zweite Plätze bei der Tour de Romandie und der Baskenland-Rundfahrt sowie Rang drei bei der Katalonien-Rundfahrt.
Lipowitz sagte, er könne grundsätzlich zufrieden sein und habe bei der Tour auf einem guten Kurs Richtung Podium gelegen. Schwieriger sei es, sich nach einem starken Jahr erneut zu beweisen.
Offene Rollenverteilung im Team
Bei Red Bull-Bora-hansgrohe ist die Planung für 2027 noch offen. Neben Lipowitz beansprucht auch der Olympiasieger Remco Evenepoel eine führende Rolle bei der Tour. Evenepoel wurde in diesem Jahr Zweiter hinter Tadej Pogacar, nachdem Lipowitz und der zweimalige Tour-Sieger Jonas Vingegaard ausgeschieden waren.
Ob das Team erneut mit einer Doppelspitze antritt, ist daher ungeklärt. Während der Tour hatte Evenepoel öffentlich kritisiert, von Lipowitz zu wenig Unterstützung erhalten zu haben.
Giro als mögliche Alternative
Ein Wechsel ist derzeit keine konkrete Option: Lipowitz ist noch bis 2029 an Red Bull gebunden. Gerüchte über einen möglichen Wechsel zum Lidl-Team gab es bereits im vergangenen Jahr, doch dort stehen mit Juan Ayuso, Mattias Skjelmose, Felix Gall und Giulio Ciccone bereits mehrere Klassement-Fahrer unter Vertrag.
Als Alternative zur Tour könnte Lipowitz zum zweiten Mal den Giro d’Italia fahren. 2024 musste er die Rundfahrt nach fünf Etappen krankheitsbedingt aufgeben. 2027 könnte er dort als Kapitän starten und die Tour anschließend in einer freien Rolle als Vorbereitung auf die Ende August stattfindende WM nutzen.
Härtetest nach dem Schlüsselbeinbruch
Florian Lipowitz’ 47. Platz in Montréal ist vor allem vor dem Hintergrund seiner Verletzung zu bewerten. Der 26-Jährige kehrte rund zwei Monate nach dem Schlüsselbeinbruch in ein extrem anspruchsvolles WM-Rennen zurück. Die Strecke über 273,4 Kilometer und zahlreiche Anstiege verlangte jene Ausdauer und Explosivität, die nach einer längeren Pause nur schrittweise zurückkehren.
Sein Saisonverlauf zeigt zugleich, dass Lipowitz zu den stärksten deutschen Rundfahrern gehört. Zweite Plätze bei der Tour de Romandie und der Baskenland-Rundfahrt sowie Rang drei bei der Katalonien-Rundfahrt belegen sein Potenzial über mehrere Etappen. Der dritte Platz bei der Tour de France 2025 hat zudem die Erwartungen an ihn deutlich erhöht.
Teamplanung als Schlüsselfrage
Für 2027 wird entscheidend sein, welche Rolle Red Bull-Bora-hansgrohe ihm bei den großen Rundfahrten zuweist. Mit Remco Evenepoel verfügt das Team ebenfalls über einen Fahrer mit Podiumsambitionen bei der Tour. Eine erneute Doppelspitze könnte sportlich reizvoll, taktisch aber anspruchsvoll sein, wenn beide Kapitänsrollen beanspruchen.
Giro und Alpen-WM
Ein Start beim Giro d’Italia könnte Lipowitz eine klarere Führungsrolle ermöglichen und zugleich die Vorbereitung auf die Straßen-WM in den französischen Alpen strukturieren. Das dort erwartete Bergprofil mit rund 5.700 Höhenmetern passt stärker zu seinen Stärken als ein hügeliges Eintagesrennen mit vielen kurzen Beschleunigungen.
n-tv: „Sensation bei Rad-WM: McNulty düpiert alle Stars“ (27.09.2026)
Der Bericht hebt den überraschenden WM-Sieg von Brandon McNulty hervor und ordnet ein, Lipowitz habe nach seiner langen Verletzungspause couragiert gefahren, aber erwartungsgemäß nicht in die Entscheidung eingreifen können. Als Schwerpunkt beschreibt der Artikel das dramatische WM-Finale und die schwierigen Bedingungen des Rennens; Lipowitz’ konkrete Optionen für 2027 behandelt er nicht.
