Vingegaard und die Unruhe vor der letzten Tour-Woche
15.07.2024 - 13:04:28 | dpa.deFĂŒr Jonas Vingegaard war an Ruhe am Pausentag der Tour de France zunĂ€chst nicht zu denken. Rund um das Team-Hotel in den Weinbergen SĂŒdfrankreichs brĂŒllten die Zikaden um die Wette und Arbeiter bereiteten mit viel Krach ein Jazz-Festival auf dem Hof der Luxusanlage vor. Umso mehr schĂ€tzte der aktuell zurĂŒckliegende Titelverteidiger die gemeinsame Zeit mit seiner Familie. Kraft tanken vor der letzten Tour-Woche, um Rivale Tadej Pogacar doch noch zu besiegen.
«Es ist so schön, dass sie hier sind und ich Zeit mit ihnen verbringen kann», sagte Vingegaard ĂŒber den Besuch seiner schwangeren Ehefrau Trine und Tochter Frida. «Meine Familie bedeutet mir alles», schob der 27-JĂ€hrige hinterher. Vor allem nach seinem schweren Sturz im April fand der Ausnahmefahrer Trost bei seinen Liebsten. «Es war nicht nur fĂŒr mich eine harte Zeit, sondern auch fĂŒr meine Familie.»
Corona-Angst bei Tour zurĂŒck
Aus VorsichtgrĂŒnden stellte er sich am Montag mit Corona-Maske den Fragen internationaler Journalisten. Bei der Frankreich-Rundfahrt ist die Corona-Angst zurĂŒck. Die Organisatoren hatten zuletzt wieder die Maskenpflicht fĂŒr Journalisten im Umgang mit den Sportlern eingefĂŒhrt. Einige infizierte Radprofis mussten die Tour verlassen. Viele Rennfahrer sollen trotz Corona weitermachen.Â
Nach der Pressekonferenz posierte Vingegaard dann wieder ohne Maske mit Fans und machte einige Selfies. Die Sorgen vor dem Virus sind aktuell bei ihm eher untergeordnet. Vielmehr will der Athlet noch einmal alle KrĂ€fte bĂŒndeln, um den Doppel-Erfolg aus Giro- und Tour-Sieg des enteilten Widersachers Pogacar doch noch zu verhindern.Â
Nach den dramatischen Verletzungen durch den Sturz im FrĂŒhjahr hĂ€tte sein Team den derzeit zweiten Rang in der Gesamtwertung wohl gerne genommen. SpĂ€testens seit Vingegaards emotionalem Tagessieg gegen Pogacar in der vergangenen Woche war der dritte Tour-Triumph zumindest realistisch geworden - auch wenn der Slowene weiter vor ihm stand.Â
Vingegaard: «MĂŒssen auf schlechten Tag hoffen»
Doch spĂ€testens mit den Erkenntnissen der Königsetappe und den beiden schmerzhaften Pleiten gegen Pogacar in den PyrenĂ€en rĂŒckte die Titelverteidigung in weite Ferne. Vingegaard kam knapp eine Minute nach Pogacar auf dem Plateau de Beille an, liegt in der Gesamtwertung etwas mehr als drei Minuten hinter seinem Kontrahenten im Gelben Trikot.Â
Der Tour-Champion und sein minuziös planendes Visma-Team wirken aktuell etwas ratlos. Ihnen scheinen die Gegenmittel im Schlagabtausch mit Pogacar auszugehen. Die PlÀne scheinen aktuell auf einem «Vielleicht» und «Möglicherweise» zu beruhen. «Er wirkt sehr stark, aber wir haben gesehen, dass er in der Vergangenheit schwache Tage hatte. Vielleicht hat er das in der dritten Woche. Das weià man nie», sagte Vingegaard.
«Wir mĂŒssen also darauf hoffen, dass er einen schlechten Tag hat. Wenn er natĂŒrlich auf diesem Level bleibt, dann wird es hart», fĂŒgte er hinzu. Das Hoffen auf einen Leistungseinbruch wie im vergangenen Jahr scheint aktuell nur schwer vorstellbar. Damals war der entkrĂ€ftete Pogacar in der dritten Tour-Woche eingebrochen.Â
Niermann: Pogacar im Moment «unschlagbar»
Vingegaard und sein Team erlebten nach der Königsetappe auch eine gewisse Ohnmacht. Denn er selbst war stark aufgelegt. «Ich habe wahrscheinlich eine der besten Leistungen meines Lebens abgeliefert. Aber Tadej war einfach stÀrker», haderte der 27-JÀhrige. Diese EinschÀtzung teilte auch sein sportlicher Leiter Grischa Niermann. «Im Moment scheint Tadej Pogacar unschlagbar zu sein, aber die finale letzte Woche steht uns noch bevor.»
Pogacar zeigte sich derweil entspannt. «Wir kommen zum Rennen mit einem groĂen LĂ€cheln und hoffen, es in den nĂ€chsten Tagen zu einem guten Ende zu fĂŒhren.» Aktuell sieht es gut aus. Vingegaard bleiben nur noch zwei harte Etappen in den Alpen und das finale Einzelzeitfahren in Nizza am Sonntag, um den Slowenen von seinem dritten Gesamtsieg bei der Frankreich-Rundfahrt abzuhalten.Â
Was die Anzahl der Tour-Siege angeht, könnte Pogacar an der CÎte d'Azur auf 3:2 stellen. Noch hat Vingegaard die Hoffnung, das zu verhindern. «Ich breche mental nie zusammen», stellte er klar. Er habe seine Hoffnung noch nicht verloren. «Ich bin nicht hier, um Platz zwei zu erreichen. Ich werde alles tun, um den Sieg noch zu erreichen», sagte Vingegaard.
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