Dopingfall, Sinner

Dopingfall Sinner: ATP-Chef mahnt bessere Kommunikation an

15.11.2024 - 07:25:35

Italiens Tennisstar Jannik Sinner wird im MĂ€rz zweimal positiv getestet, aber freigesprochen. In Turin beim Saisonfinale Ă€ußert sich der ATP-Chef zu diesem Fall.

In der Doping-AffĂ€re um Jannik Sinner hat ATP-Chef Andrea Gaudenzi eine bessere Kommunikation angemahnt und zugleich eine bevorzugte Behandlung des Weltranglisten-Ersten zurĂŒckgewiesen. Wenn jemand andeute, dass mit zweierlei Maß gemessen werde, halte er das fĂŒr «unfair», wie er beim Jahresabschlussturnier der Profiorganisation ATP in Turin sagte. «Die Regeln waren dieselben. Die UmstĂ€nde sind anders», sagte der frĂŒhere Profi und italienische Landsmann von Sinner. 

Sinner wurde im MĂ€rz zweimal positiv auf das verbotene anabole Steroid Clostebol getestet. Eine Sperre bekam der 23-JĂ€hrige nicht. Die verantwortliche Tennis-Agentur ITIA begrĂŒndete den Freispruch damit, dass dem zweimaligen Grand-Slam-Turniergewinner kein vorsĂ€tzliches Verschulden und keine FahrlĂ€ssigkeit nachgewiesen werden konnte. 

Tennisstar ist fĂŒr Sportgerichtshof-Entscheidung positiv gestimmt

Sinner hatte erklĂ€rt, dass die verbotene Substanz bei einer Massage ĂŒber die HĂ€nde seines Physiotherapeuten in seinen Körper gelangt seien. Der Fall liegt mittlerweile beim Internationalen Sportgerichtshof Cas in Lausanne. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada erhob Einspruch gegen den Freispruch und fordert eine Sperre von ein bis zwei Jahre.

Sinner zeigte sich nach seinem abschließenden Vorrundenspiel bei den ATP Finals weiterhin optimistisch, um eine Sperre herumzukommen. «Ich bin sehr zuversichtlich», bekrĂ€ftigte er. «Dreimal hatten wir die Anhörung. Dreimal wurde mir Recht gegeben», sagte der 23-JĂ€hrige. NatĂŒrlich sei er nicht gern in der Position. Er werde mit allen zusammenarbeiten, wie er es bisher auch getan habe.

ATP spricht von einem «fairen Prozess»

Gaudenzi vertrat die Meinung, dass es generell ein «fairer Prozess» war. «Es wurde wirklich nach Vorschrift und Regeln gehandelt. Vielleicht hÀtte die Kommunikation bei der ErlÀuterung dieser Regeln besser sein können», sagte er.

Dass sich das Verfahren zu sehr ziehe, wies der ATP-Boss zurĂŒck. In einer idealen Welt wĂŒrde sicher sehr schnell Recht gesprochen, so Gaudenzi: «Aber die RealitĂ€t ist, dass es manchmal Zeit braucht.» Ansonsten wĂŒrde die Wahrscheinlichkeit von Fehlern steigen. 

Erst im August und damit Monate nach den positiven Dopingproben waren diese öffentlich geworden. Er habe es erst einen Tag vor der Öffentlichkeit erfahren, sagte Gaudenzi. Es sei richtig gewesen, dass die ATP im Dunklen gelassen worden sei. «Es sollte völlig unabhĂ€ngig sein», sagte Gaudenzi. Der Fall sei «natĂŒrlich ein Schock» gewesen. Aber die Beweise danach seien tröstend gewesen.

Sinner spielt erstmals wieder in Italien

Erstmals in diesem Jahr und damit auch erstmals seit der Bekanntgabe des Freispruchs nach den zwei positiven Dopingproben tritt Sinner derzeit in seiner Heimat in Italien an. Beim Saisonfinale der acht erfolgreichsten Spieler des Jahres ist der Australian-Open- und US-Champion Topfavorit und zog als Erster seiner Gruppe ins Halbfinale ein. Die beiden Halbfinals werden am Samstag ausgetragen.

@ dpa.de