Tennis: Sinner beendet Saison – Zverev greift nach Nummer 1
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 17:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWSJannik Sinner kehrt wegen anhaltender Knieprobleme in diesem Jahr nicht mehr auf die Tennis-Tour zurück und eröffnet Alexander Zverev damit eine große Chance auf Platz eins der Weltrangliste.
Sinner verliert zu verteidigende Punkte
Der aktuell führende Italiener teilte seine Entscheidung in einer Videobotschaft über soziale Medien mit. Er habe sie nach Rücksprache mit seinen Ärzten getroffen, weil sein Knie weitere Behandlungen benötige und er an seine langfristige Karriere denken müsse.
In den verbleibenden Turnieren kann Sinner seine zahlreichen Punkte aus der erfolgreichen Vorsaison nicht verteidigen. Zverev hat deutlich weniger Zähler zu verlieren und wird den Südtiroler deshalb unabhängig von seinen eigenen Ergebnissen in den kommenden Wochen einholen.
Thron spätestens in Turin möglich
Aktuell trennen Sinner und Zverev 1.280 Punkte. Spätestens bei den ATP-Finals in Turin ab dem 15. November kann der Hamburger die Führung übernehmen.
Dass Carlos Alcaraz Zverev noch abfängt, gilt als praktisch ausgeschlossen. Der Spanier gewann am Dienstag das Finale von Tokio gegen den Tschechen Jiri Lehecka. Ebenso unwahrscheinlich ist eine Rückkehr Sinners in diesem Jahr.
Zweiter Deutscher nach Boris Becker
Zverev wäre bei den Männern erst der zweite Deutsche auf dem Tennis-Thron. Boris Becker stand insgesamt zwölf Wochen an der Spitze. Das deutsche Tennis-Idol gratulierte Zverev bereits vorab mit den Worten: «Herzlichen Glückwunsch, Sascha!!!».
Die Führung würde Zverevs bislang bestes Karrierejahr krönen. Im Frühjahr gewann er bei den French Open in Paris seinen ersten Grand-Slam-Titel, im September folgte der Triumph bei den US Open.
RĂĽckstand binnen Monaten aufgeholt
Anfang Februar hatte Zverev nach den Australian Open noch mehr als 9.000 Punkte RĂĽckstand auf den damals fĂĽhrenden Alcaraz und knapp 5.700 Punkte auf Sinner. Er profitierte in der Folge auch von Verletzungspausen seiner beiden groĂźen Rivalen.
Zverev blieb nach der dpa-Meldung durchgängig fit und spielte konstant. Beim Rasen-Klassiker Wimbledon erreichte er das Finale gegen Sinner. Zuletzt verlor er in Peking im Viertelfinale gegen Novak Djokovic.
Davis Cup als drittes Saisonziel
FĂĽr Zverev steht in diesem Jahr neben der Weltranglistenspitze noch ein weiteres groĂźes Ziel an: der erstmalige Gewinn des Davis Cups. Der Olympiasieger von 2021 hatte im Duell mit Kroatien maĂźgeblichen Anteil an der Qualifikation des deutschen Teams fĂĽr die Finalrunde in Bologna vom 24. bis 29. November.
Weltrangliste wird zum Rechenspiel
Im Tennis-Ranking zählen nicht nur aktuelle Siege, sondern auch die Ergebnisse aus dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Weil Sinner bei mehreren Saisonhöhepunkten viele Punkte zu verteidigen hat, verliert er durch seinen Ausfall schrittweise Zähler. Zverev muss dagegen deutlich weniger Vorjahrespunkte behaupten. Der Abstand von 1.280 Punkten kann dadurch auch ohne einen direkten Erfolg gegen Sinner schrumpfen.
Für Zverev ist die Ausgangslage zugleich Folge einer außergewöhnlichen Saison. Der Hamburger hat mit seinen Siegen bei den French Open und den US Open zwei Grand-Slam-Titel gewonnen und blieb nach der dpa-Meldung über weite Strecken fit. Seine Niederlage gegen Novak Djokovic in Peking verschiebt den möglichen Führungswechsel, beseitigt ihn aber nicht.
Historische Chance und dichter Kalender
Mit einem Sprung an die Spitze wäre Zverev nach Boris Becker erst der zweite deutsche Spitzenreiter im Männer-Ranking. Die verbleibenden Turniere haben deshalb doppelte Bedeutung: Sie entscheiden über Punkte und markieren zugleich den Abschluss eines Jahres, in dem Verletzungen von Sinner und Carlos Alcaraz die Kräfteverhältnisse verändert haben.
Für Sinner steht die langfristige Gesundheit im Vordergrund. Seine Entscheidung reduziert zwar den sportlichen Wettbewerb um Platz eins, verhindert aber keine reguläre Wertung: Entscheidend bleibt, welche Punkte die Spieler bei den kommenden Turnieren verlieren oder gewinnen. Für Zverev bietet sich damit eine historische Chance, während die ATP-Saison mit den Finals in Turin und dem Davis-Cup-Finale in Bologna noch wichtige Prüfungen bereithält.
