«War ein Krieg»: SpektakulĂ€res Aus fĂŒr Alcaraz um 3.33 Uhr
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 10:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAls sich Carlos Alcaraz kurz nach vier Uhr morgens mit einem «Buenas Noches» mĂŒde in die New Yorker Nacht verabschiedete, konnte der schwer geschlagene Titelverteidiger schon wieder lĂ€cheln. In einem epischen Viertelfinale verlor der 23 Jahre alte Spanier das spĂ€teste Match der US-Open-Geschichte gegen Ben Shelton und verpasste damit die Krönung seines Comebacks nach langer Verletzungspause.
«Es war knapp, wirklich knapp. Deshalb bin ich nicht enttĂ€uscht, dass ich am Ende nicht gewonnen habe», sagte der siebenmalige Grand-Slam-Turniersieger. «Ich verlasse den Platz glĂŒcklich und gesund, mit einem LĂ€cheln, und genau das habe ich gebraucht.»
Nach 4:28 Stunden verwandelte Shelton um 3.33 Uhr Ortszeit unter groĂem Jubel der immer noch zahlreichen Fans den Matchball im Arthur Ashe Stadium. «Ich bin mĂŒde», sagte der 23-JĂ€hrige in den Katakomben des Arthur Ashe Stadiums an eine Wand gelehnt. «Es war ein Krieg, ein episches Match, so physisch. Das war das unterhaltsamste Match meiner Karriere.»
Es waren Szenen fĂŒr die Tennis-Ewigkeit: Shelton jubelte seiner Freundin und FuĂballstar Trinity Rodman auf der TribĂŒne zu, die verbliebenen Zuschauer schufen mit GesĂ€ngen eine Stimmung wie im FuĂballstadion. WĂ€hrenddessen hatte das Reinigungspersonal schon wĂ€hrend der Partie begonnen, leere VIP-Logen im gröĂten Tennisstadion der Welt feucht durchzuwischen. SicherheitskrĂ€fte schliefen in den GĂ€ngen.Â
Shelton erreichte sein zweites Halbfinale beim Grand-Slam-Turnier von New York und trifft nun in einem US-Duell auf Frances Tiafoe. Der 23-JÀhrige ist damit potenzieller Endspielgegner von Alexander Zverev, der heute (Ortszeit) in seinem Viertelfinale auf den NiederlÀnder Botic van de Zandschulp trifft.
Spiel beginnt um kurz nach elf
Das Match lieferte das besondere GefĂŒhl, das bei den ganz groĂen Matches im Arthur Ashe Stadium unter Flutlicht entsteht. Obwohl es erst um 23.05 Uhr losging, waren die TribĂŒnen anders als bei den nĂ€chtlichen Auftritten von Zverev zur gleichen Zeit noch komplett gefĂŒllt. Nur zwei MĂ€nnerspiele hatten in der Geschichte der US Open spĂ€ter begonnen - und die knapp 24.000 Zuschauer wurden fĂŒr ihr Ausharren belohnt.
Ein dauerhafter Schlagabtausch mit höchster Geschwindigkeit verzĂŒckte die Fans. Immer wieder hallte ein «Roar» voller Begeisterung durch die gröĂte Tennisarena der Welt. Als Shelton einen Schmetterball im Tie-Break nach einem spektakulĂ€ren Ballwechsel verwertete, erhoben sich erstmals alle Zuschauer. Der Amerikaner feierte mit weit aufgerissenem Mund, Vater und Trainer Bryan mahnte zur Ruhe. Zurecht - Alcaraz zeigte grandioses Kontertennis, holte sich den ersten Satz.
Doch zum ersten Mal im Turnier deutete sich an, dass der Spanier nach seiner mehr als viermonatigen Pause wegen einer Handgelenksverletzung doch noch nicht wieder dauerhaft auf der Höhe seines Könnens sein könnte. In den langen Ballwechseln machte plötzlich Alcaraz die Fehler, Shelton spielte fast makellos und holte satzĂŒbergreifend neun Spiele in Serie.
Alcaraz wirkt gezeichnet - und schlĂ€gt zurĂŒck
Bei den French Open 2025 musste sich der Amerikaner noch in vier SÀtzen geschlagen geben. «Mein Aufschlag ist besser, mein Return viel besser. Die GesamtqualitÀt meiner SchlÀge von der Grundlinie und meine Bewegung haben sich verbessert», sagte Shelton nun vor dem erneuten Aufeinandertreffen. «Ich denke, dass es definitiv ein anderes Spiel wird, wenn ich hier spiele.»
Shelton hielt zunĂ€chst Wort. Mit bis zu 240 Stundenkilometern donnerte der US-Star seinem Gegner die AufschlĂ€ge ins Feld. Beim 3:5 holte sich Alcaraz einen Breakball, konnte diesen jedoch nicht verwerten. Schwer gezeichnet stĂŒtzte er sich auf seinen SchlĂ€ger, schnitt nach dem Verlust des Satzes Grimassen auf der Bank.Â
FuĂball-Stimmung auf der TribĂŒne
Alcaraz am Ende seiner KrĂ€fte? Mitnichten. Als auch Shelton leichte SchwĂ€chen zeigte, war der Spanier da, schaffte das frĂŒhe Break und zog davon. «OlĂ©, olĂ©, olé»-GesĂ€nge schwappten durch das Stadion, Shelton-Fans hielten mit «USA, USA, USA» dagegen. Auch wenn sich die TribĂŒnen gelichtet hatten, herrschte endgĂŒltig FuĂball-AtmosphĂ€re.Â
Um 2.27 Uhr eröffnete Shelton den letzten Satz. Beide Spieler hielten ihre AufschlĂ€ge, der Match-Tie-Break musste entscheiden. Dort dominierte Shelton mit seinem Aufschlag und beendete die Partie kurz nach halb mit einem Ass, Alcaraz war geschlagen. Schon zuvor hatte der Spanier mit einem Erfolg um 2.50 Uhr den US-Open-Rekord fĂŒr das spĂ€teste Spiel gehalten.
