Die Tournee als Warnung: «QualitÀtsproblem» bei Skispringern
07.01.2025 - 12:24:25Andreas Wellinger verwies nach der verkorksten Vierschanzentournee offen auf einen Missstand. «Wir brauchen mehr, die uns von unten das Leben schwer machen. Dann mĂŒssen wir uns weiterentwickeln», sagt der Olympiasieger mit Blick auf den deutschen Skisprung-Nachwuchs.
WĂ€hrend in Ăsterreich, das alle drei PodestplĂ€tze besetzte, ein junger Sportler nach dem nĂ€chsten ins Weltcup-Team drĂ€ngt, sind die deutschen LeistungstrĂ€ger seit Jahren nahezu dieselben. Aus der Jugend drĂ€ngt kaum jemand nach oben. Das könnte bald zu einem nachhaltigen Problem werden. Der Sportdirektor ist alarmiert.
Sportdirektor erwartet «Bruch» nach den Winterspielen 2026
«Das macht uns auch Sorge und da machen wir uns tagtĂ€glich Gedanken drĂŒber, wie wir Leute von hinten nachschieben können», sagt Horst HĂŒttel. Mit Blick auf die Olympischen Winterspiele im nĂ€chsten Jahr ergĂ€nzt der 56-JĂ€hrige: «SpĂ€testens nach Mailand wird es bei uns einen Bruch geben. Da werden ein, zwei, drei Athleten aufhören, die wir im Moment noch haben.»
Der in dieser Saison stÀrkste Deutsche, Pius Paschke, ist 34 Jahre alt. Wellinger ist 29 und Karl Geiger 31. Die drei sind auf den RÀngen drei, sechs und elf die besten Deutschen im Gesamtweltcup.
Wellinger: Ăsterreich hat ein «Luxusproblem»Â
Zum Vergleich: Ăsterreich hat vier Springer in den Top-Acht. Den 22 Jahre alten Tournee-Champion Daniel Tschofenig (Erster), den 26 Jahre alten Tournee-Zweiten Jan Hörl (Zweiter), den 31 Jahre alten Tournee-Dritten Stefan Kraft (Vierter) und den 22-jĂ€hrigen Maximilian Ortner (Achter).
Die Kader-Dichte im Nachbarland ist so groĂ, dass Erfolgscoach Andreas Widhölzl immer wieder Spitzenspringer zu Hause lassen muss. «Ein Luxusproblem» - so nennt Wellinger das. Bundestrainer Stefan Horngacher hat dieses Luxusproblem nicht.
Der 55-JĂ€hrige genieĂt trotz der krachenden Tournee-Niederlage weiter hohes Ansehen bei seinen Chefs. «Die Trainerfrage stellt sich im Moment fĂŒr uns ĂŒberhaupt nicht», sagt HĂŒttel. «Er hat unser volles Vertrauen». Horngacher hat beim Deutschen Skiverband einen unbefristeten Vertrag.
Der Ăsterreicher versucht immer wieder, junge Springer ins Team zu integrieren - mit mĂ€Ăigem Erfolg. Die Ă€lteren sind hĂ€ufig einfach besser. Es gilt das Leistungsprinzip.
Horngacher fordert Geduld - Zentralisierung ein Thema
Dennoch sieht Horngacher in der Nachwuchsarbeit Verbesserungen in den vergangenen Jahren. Diese wirkten aber nun einmal nicht sofort. Es brauche Geduld. Sportdirektor HĂŒttel verweist ebenfalls darauf, dass bereits an der Thematik gearbeitet werde. «Wir haben kein konzeptionelles Problem. Wir haben ein QualitĂ€tsproblem», stellt er klar.
HĂŒttel hat den frĂŒheren Bundestrainer Werner Schuster als Nachwuchs-Cheftrainer zurĂŒckgeholt. Zudem wird ĂŒber Zentralisierung im Jugendbereich diskutiert. Zu wenige Nachwuchsathleten habe man nicht, sagt HĂŒttel. Die Zahlen seien konstant. «Wir haben nicht weniger Kinder. Nur die QualitĂ€t ist schlechter», erklĂ€rt er.
Die Leistungsdichte zu erhöhen, ist eine der Hauptaufgaben fĂŒr die kommenden Jahre. Bis dahin mĂŒssen es die Erfahrenen richten.
Schon Ende Februar geht's zur Weltmeisterschaft nach Trondheim. Auch dort heiĂen die HoffnungstrĂ€ger wieder Paschke, Wellinger und Geiger. «Es werden Junge nachkommen und wir werden so lange die Stellung halten», sagt Geiger kĂ€mpferisch. «Aber ich hoffe, dass wir irgendwann abgelöst werden.»





