«Mit ihnen jubeln»: Eriksen besucht sofort das dÀnische Team
18.06.2021 - 19:48:00Nur einen Tag nach dem wahrscheinlich emotionalsten Abend bei dieser EM folgte fĂŒr die dĂ€nische Nationalmannschaft der schönste: Ihr Spielmacher Christian Eriksen besuchte sie gleich nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus in ihrem EM-Quartier in Helsingör bei Kopenhagen.
«Es war groĂartig, die Jungs wiederzusehen», wurde der 29-JĂ€hrige von Inter Mailand in einer Mitteilung des dĂ€nischen Verbandes zitiert. «Mir geht es auch den UmstĂ€nden entsprechend gut.»
Eriksen war erst sechs Tage zuvor wĂ€hrend des Spiels gegen Finnland (0:1) auf dem Spielfeld zusammengebrochen und wiederbelebt worden. Und jeder Schritt der Besserung, der seitdem bei ihm eintrat, löste auch etwas bei seinen Mitspielern und allen dĂ€nischen FuĂball-Fans aus.
ICD-Defibrillator wurde eingesetzt
Eriksen meldete sich aus dem Krankenhaus, er schickte ein Foto mit erhobenem Daumen in die Welt, er bekam als Folge seines Kollaps' einen ICD-Defibrillator eingesetzt, der die Risiken eines weiteren Herzstillstands minimieren soll: Dass das Drama um die dÀnische Nummer 10 offensichtlich gut ausgegangen ist, setzte eine Kraft und eine Welle der SolidaritÀt frei, die schon am Donnerstagabend trotz der 1:2-Niederlage gegen Belgien alle 25.000 Zuschauer im Stadion von Kopenhagen und die komplette Mannschaft erfasste.
«Das war eine UnterstĂŒtzung, die ich noch nie erlebt habe. Es lag etwas Elektrisches in der Luft», sagte der ehemalige Gladbacher Jannik Vestergaard vom FC Southampton einen Tag danach.
Genau diese Energie, dieser Schulterschluss zwischen Mitspielern, Fans und Eriksen, soll den Europameister von 1992 nun trotz der zwei Niederlagen in den ersten beiden Spielen doch noch ins Achtelfinale tragen. Ein Sieg mit zwei Toren gegen Russland (Montag, 21.00 Uhr/ARD und Magenta TV) und eine gleichzeitige Niederlage der Finnen gegen Belgien wĂŒrden dafĂŒr sicher reichen. «Ich will jetzt einen Sieg. Ich bin es leid, darĂŒber zu reden, dass wir gut spielen, aber verlieren», sagte Trainer Kasper Hjulmand in einer Tonlage, die man von diesem eher sachlichen FuĂball-Lehrer sonst kaum kennt.
Vieles noch möglich in Gruppe B
Vor diesem spannenden Gruppenfinale am Montagabend sind zudem zahlreiche weitere Konstellationen denkbar. Bei einer Niederlage und einem Unentschieden gegen Russland wĂ€ren die DĂ€nen sicher ausgeschieden. Bei einem Sieg hĂ€tten sie mindestens Platz drei sicher und mĂŒssten gegebenenfalls auf den Ausgang der fĂŒnf anderen Turniergruppen warten. Sollten sie mit 1:0 gewinnen und die Finnen mit mehr als einem Tor Abstand verlieren, wĂ€re Hjulmands Team aufgrund des TorverhĂ€ltnisses sogar Zweiter. Schaut man auf den Heimvorteil in Kopenhagen und die individuelle QualitĂ€t im Vergleich zum russischen Team, ist das Erreichen der K.o.-Runde also durchaus eine realistische Option.
Ein Losentscheid im November 2019 könnte den DĂ€nen im Nachhinein noch zu einer groĂen Hilfe werden. Denn damals war die Frage, welcher der beiden EM-Co-Gastgeber DĂ€nemark und Russland bei diesem dritten Gruppenspiel das Heimrecht erhĂ€lt. Das Los entschied: Es wird in Kopenhagen gespielt und nicht in St. Petersburg. FĂŒr die DĂ€nen dĂŒrfte das gerade in den Tagen nach dem Eriksen-Schock ein groĂer Vorteil sein. «Wir hoffen, dass die Leute uns wieder genauso unterstĂŒtzen werden, dann geben wir Gas», sagte Hjulmand. «Ich bin sehr froh, dass wir in Kopenhagen spielen und nicht in Russland.»
Seine Spieler jedenfalls glauben fest daran, dass sich die groĂe Energie des Donnerstagabends, diese «Explosion im Parken» (Hjulmand) auch noch einmal auf das entscheidende Russland-Spiel ĂŒbertragen lĂ€sst. Es sei jedenfalls ĂŒberflĂŒssig zu erwĂ€hnen, «dass ich am Montagabend gegen Russland mit ihnen jubeln werde», sagte Eriksen.





