Berlin-Wahl, Olympia-Bewerbung

Olympia Berlin: Wahlsiegerin Elif Eralp sieht Olympia-Bewerbung der Hauptstadt faktisch gescheitert

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 15:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die künftige Berliner Regierungschefin in spe Elif Eralp stellt der Olympia-Bewerbung der Hauptstadt kaum noch Chancen in Aussicht – und begründet das mit dem klaren Votum der Wähler. Der DOSB will kurz vor seiner Entscheidung dennoch an der bisherigen Bewerberauswahl festhalten.

  • Könnte Berlins neue Regierende Bürgermeisterin werden: Elif Eralp.  - Bild: Britta Pedersen/dpa
    Könnte Berlins neue Regierende Bürgermeisterin werden: Elif Eralp. - Bild: Britta Pedersen/dpa
  • Hat Berlin noch Chancen auf die Spiele? (Symbolbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa
    Hat Berlin noch Chancen auf die Spiele? (Symbolbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa
Könnte Berlins neue Regierende Bürgermeisterin werden: Elif Eralp.  - Bild: Britta Pedersen/dpa Hat Berlin noch Chancen auf die Spiele? (Symbolbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa

Die Berliner Wahlsiegerin Elif Eralp (Linke) sieht die Olympia-Bewerbung der Hauptstadt nach dem Wechsel der politischen Mehrheiten faktisch gescheitert.

Eralp verweist auf Wahlergebnis und Kosten

Eralp, die als mögliche neue Regierende Bürgermeisterin gilt, erklärte am Tag nach der Abgeordnetenhauswahl, die Debatte über eine Olympia-Bewerbung Berlins sei aus ihrer Sicht erledigt. Ihre Partei habe die Wahl mit einer klar ablehnenden Haltung zu Olympischen und Paralympischen Spielen gewonnen, sagte sie. Wer eine Bewerbung an Berlin herantrage, müsse sich nun fragen, ob es sinnvoll sei, einer Stadt den Zuschlag zu geben, deren neue politische Führung das Projekt nicht unterstütze.

Die Linken-Politikerin kritisierte erneut die bereits veranschlagten Kosten. Rund sechs Millionen Euro, die bisher in die Vorbereitung der Bewerbung geflossen seien, bezeichnete sie als Verschwendung von Steuergeld. Es sollten noch viele weitere Millionen und sogar Milliarden folgen, ohne dass sie einen Vorteil für Berlin erkenne, so Eralp. Deshalb habe ihre Partei entschieden, Olympia nicht zu unterstützen, und diese Position gelte weiterhin.

Rot-Rot-Grün in Berlin, Entscheidung beim DOSB steht an

Die Linke wurde bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus stärkste Kraft und könnte künftig eine rot-rot-grüne Koalition mit Grünen und SPD anführen. Während Linke und Grüne die Olympia-Pläne des bisherigen schwarz-roten Senats deutlich ablehnen, hatten die Sozialdemokraten das Projekt bislang mit vorangetrieben. Der Kurs der künftigen Koalition in dieser Frage ist damit ein zentraler Punkt der anstehenden Verhandlungen.

Bereits am Samstag will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheiden, welche deutsche Region sich offiziell um Olympische und Paralympische Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 bewerben darf. Berlin tritt gemeinsam mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern an und konkurriert mit der Region München sowie der Rhein-Ruhr-Region mit Köln als Zentrum. Die Pläne des bisherigen Berliner Senats waren von Linken und Grünen im Land immer wieder kritisiert worden.

DOSB relativiert Folgen des Wahlausgangs

Der DOSB will das Ergebnis der Berlin-Wahl nach eigenen Angaben nicht überbewerten. Vorstandschef Otto Fricke betonte, das Votum ändere zunächst nichts an dem laufenden Verfahren. Er verwies darauf, dass die Parteien sich bis zur Entscheidung Ende September noch positionieren könnten. Zugleich bleibt offen, ob sich die Delegierten trotz einer möglichen neuen Regierungsmehrheit in der Hauptstadt für Berlin als deutschen Olympia-Bewerber entscheiden werden.

Für München und die Rhein-Ruhr-Region sprechen unter anderem Bürgervoten: In beiden Regionen hatten sich die Menschen bei entsprechenden Bürgerentscheiden deutlich für Olympia-Bewerbungen ausgesprochen. Berlin verzichtete auf einen solchen Bürgerentscheid und setzte bislang auf eine politische Entscheidung im Parlament. Das könnte nun, mit veränderten Mehrheiten, zum entscheidenden Nachteil für die Hauptstadt werden.

Neue politische Mehrheiten und ihre Bedeutung für Olympia

Der deutliche Wahlsieg der Linken unter Elif Eralp verschiebt die politischen Mehrheitsverhältnisse in Berlin grundlegend. Eine mögliche rot-rot-grüne Koalition hätte im Abgeordnetenhaus voraussichtlich eine stabile Basis, um große Projekte der Vorgängerkoalition zu stoppen oder neu auszurichten. Dazu zählt die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele, die vom bisherigen schwarz-roten Senat als Leuchtturmprojekt angelegt war.

Eralp und ihre Partei verbinden die Absage an Olympia mit einer klar sozialpolitischen Prioritätensetzung. Die Kritik an bereits veranschlagten Millionenbeträgen für die Bewerbung knüpft an Debatten um Wohnungsnot, Investitionsstaus bei Schulen und Verkehr sowie steigende Lebenshaltungskosten an. Vor diesem Hintergrund dürfte die neue Mehrheit versuchen, stadtpolitische Ressourcen stärker in öffentliche Daseinsvorsorge und Vergesellschaftungsprojekte zu lenken, statt in ein Megaevent mit ungewissem wirtschaftlichem Nutzen.

Konfliktlinie zwischen Hauptstadt und Sportverbänden

Die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes, in wenigen Tagen einen deutschen Olympia-Bewerber zu benennen, trifft damit auf eine Hauptstadt, in der die neue politische Führung dem Projekt skeptisch gegenübersteht. Während der DOSB betont, die Wahl in Berlin zunächst nicht überzubewerten, steht er faktisch vor der Frage, ob eine Bewerbung ohne klare politische Unterstützung tragfähig ist. Vergangene Olympia-Debatten in Deutschland haben gezeigt, dass fehlende Rückendeckung von Stadtgesellschaft und Politik Bewerbungen scheitern lassen kann.

Für Berlin geht es nicht nur um die Austragung eines Sportgroßereignisses, sondern auch um das Bild der Stadt nach außen. Eine Absage an Olympia könnte als Signal verstanden werden, dass die Hauptstadt andere Prioritäten setzt und Risiken von Kostenexplosionen und Gentrifizierung vermeiden will. Für den organisierten Sport wiederum stellt sich die Aufgabe, Alternativen wie München oder die Rhein-Ruhr-Region so zu positionieren, dass sie als verlässliche Partner für das Internationale Olympische Komitee gelten.

Signalwirkung über Berlin hinaus

Die Auseinandersetzung um Olympia wird damit zu einem Testfall für den Umgang deutscher Metropolen mit Großprojekten unter knappen Haushaltslagen. Sollte Berlin sich aus dem Rennen verabschieden, könnte dies Debatten in anderen Bundesländern beeinflussen, wie öffentliche Mittel zwischen Sportinfrastruktur, Klimaschutz und sozialer Sicherheit verteilt werden. Zugleich zeigt der Konflikt, dass zukünftige Olympia-Projekte in Deutschland nur dann Aussicht auf Erfolg haben, wenn sie frühzeitig breiten politischen Konsens und gesellschaftliche Zustimmung gewinnen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

fr.de: „Berlin-Wahl 2026 live: Vorläufiges Ergebnis da – Koalitions-Poker um Enteignungen erwartet“ (21.09.2026)

Der Bericht stellt dar, die Linke gehe als stärkste Kraft aus der Berlin-Wahl hervor und könne mit Grünen und SPD über eine neue Koalition verhandeln. Hervorgehoben werde, dass Elif Eralp als Spitzenkandidatin den Anspruch auf das Rote Rathaus erhebe und die Linke mit sozialpolitischen Schwerpunkten wie Vergesellschaftung und Mietenregulierung in den Wahlkampf gezogen sei. Im Vergleich zur dpa-Meldung betone der Artikel stärker die Gesamtverschiebung des politischen Kräfteverhältnisses und die anstehenden Koalitionsoptionen, während die Frage der Olympia-Bewerbung nur Teil eines breiteren Konflikts um die Ausrichtung der Stadtpolitik sei.

berliner-zeitung.de: „Berlin nach der Wahl: AfD will in Opposition ‚Finger in die Wunde legen‘, Vonovia-Aktie fällt nach Linken-Sieg“ (21.09.2026)

Der Artikel beschreibt, die Linke habe in mehreren Bezirken deutlich hinzugewonnen und sei insgesamt stärkste Kraft geworden, während die bisherige Koalition aus CDU und SPD ihre Mehrheit verliere. In indirekter Rede werde berichtet, dass Börsenreaktionen wie Kursverluste bei Immobilienunternehmen die Erwartung widerspiegelten, eine neue Regierung könnte stärker regulierend in den Wohnungsmarkt eingreifen. Im Vergleich zur dpa-Meldung setze der Bericht einen wirtschafts- und finanzpolitischen Schwerpunkt und ordne den Wahlsieg der Linken in Debatten um Enteignungen und Mieten ein, während Fragen zur Olympia-Bewerbung eher im Hintergrund blieben.

Medienübergreifend werde übereinstimmend geschildert, dass der Wahlsieg der Linken die politische Statik in Berlin verschiebe und neue Koalitionsoptionen eröffne. Unterschiede ergäben sich vor allem in der Gewichtung: Während die dpa-Meldung die Auswirkungen auf die Olympia-Bewerbung hervorhebe, rückten andere Berichte stärker Themen wie Vergesellschaftung, Wohnpolitik und wirtschaftliche Reaktionen in den Vordergrund, während offen bleibe, wie schnell eine neue Koalition konkrete Entscheidungen etwa zur Olympia-Frage treffen werde.

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