WM, Kanada

Kanada widmet 6:0 verletztem Koné - «Er bleibt ein Teil»

19.06.2026 - 03:25:29 | dpa.de

Die schwere Verletzung von Mittelfeldspieler Koné schockt Kanadas Fußballer nur kurz. Trainer Marsch macht dem Team nach dem 6:0 gegen Katar viele Komplimente - und sieht eine «Fußball-Nation».

  • Schock: Kanada wird die WM ohne Koné beenden müssen. - Bild: Abbie Parr/AP/dpa
    Schock: Kanada wird die WM ohne Koné beenden müssen. - Bild: Abbie Parr/AP/dpa
  • Einwechselspieler Saliba widmet sein Tor dem Teamkollegen. - Bild: Abbie Parr/AP/dpa
    Einwechselspieler Saliba widmet sein Tor dem Teamkollegen. - Bild: Abbie Parr/AP/dpa
  • Infantino und Carney sahen in Vancouver zu. - Bild: Darryl Dyck/The Canadian Press/AP/dpa
    Infantino und Carney sahen in Vancouver zu. - Bild: Darryl Dyck/The Canadian Press/AP/dpa
  • Ausgelassener Jubel: Jonathan David erzielte drei Tore. - Bild: Ethan Cairns/The Canadian Press/AP/dpa
    Ausgelassener Jubel: Jonathan David erzielte drei Tore. - Bild: Ethan Cairns/The Canadian Press/AP/dpa
  • Trainer Marsch ist heiß auf weitere Erfolge. - Bild: Ethan Cairns/The Canadian Press/AP/dpa
    Trainer Marsch ist heiß auf weitere Erfolge. - Bild: Ethan Cairns/The Canadian Press/AP/dpa
Schock: Kanada wird die WM ohne Koné beenden müssen. - Bild: Abbie Parr/AP/dpa Einwechselspieler Saliba widmet sein Tor dem Teamkollegen. - Bild: Abbie Parr/AP/dpa Infantino und Carney sahen in Vancouver zu. - Bild: Darryl Dyck/The Canadian Press/AP/dpa Ausgelassener Jubel: Jonathan David erzielte drei Tore. - Bild: Ethan Cairns/The Canadian Press/AP/dpa Trainer Marsch ist heiß auf weitere Erfolge. - Bild: Ethan Cairns/The Canadian Press/AP/dpa

Nach dem Verletzungsdrama um Ismael Koné versammelte Jesse Marsch seine kanadischen Profis in einem großen Kreis um sich. Alle knieten sich auf dem Rasen hin, ehe der Cheftrainer und Abwehrchef Moise Bombito das Wort führten. Auch auf der folgenden Ehrenrunde unter dem ohrenbetäubenden Lärm von Vancouver wurde eines deutlich: Dieses 6:0 gegen Katar war für den schwer verletzten Koné, der bereits auf dem Weg ins Krankenhaus war.

«Er kann großartige Dinge vollbringen, die kein anderer kann. Er steht für vieles, wofür das Team steht, und ist ein großer Verlust für uns. Aber wir werden ihm die besten Ärzte besorgen und er wird zurückkommen», versprach Marsch nach dem Torfest, das im achten Anlauf den ersten Sieg in Kanadas bisher magerer WM-Historie bedeutete. 

Joker Saliba zeigt Konés Trikot

Bei dieser WM wird das mit einer Rückkehr Koné nichts mehr. «Es ist direkt vor der Bank passiert. Jeder konnte hören, wie der Knochen brach. Man fühlt natürlich tief mit ihm, und alle sind erschüttert von dem Vorfall – wegen der Art der Verletzung und auch, weil Ismaël das Herz unserer Mannschaft ist», berichtete Marsch. 

«Für ihn ist es gerade sehr hart, aber er hat eine große Zukunft vor sich. Er bleibt ein Teil dessen, was wir hier machen», erklärte der Cheftrainer weiter. Koné war nach einem Foul von Assim Madibo, der dafür die Rote Karte sah, mit einer Trage vom Rasen gerollt worden. Der linke Unterschenkel schien Fotos zufolge gebrochen zu sein. Eine genaue Diagnose stand zunächst aus.

Der für ihn eingewechselte Nathan Saliba erzielte nicht nur ein Tor, sondern widmete dieses auch Koné, indem er dessen Trikot hochhob. Madibo kam später in die Kabine und entschuldigte sich. Schon auf dem Feld wirkte der Katarer geschockt von den Folgen seines Fouls.

Im Stadion bremste der Schreckmoment um Koné die Euphorie nur kurz. Wenige Minuten nach der Verletzung schwappte die La-Ola-Welle durch die ausverkaufte Arena, in der Kanada am kommenden Dienstag (21.00 Uhr) gegen die Schweiz um den Gruppensieg spielt. Bereits ein Remis reicht, um Gruppe B auf Platz eins zu beenden und das Sechzehntelfinale ebenfalls in Vancouver zu absolvieren.

Drei Tore von Stürmer David

Neben Joker Saliba traf Stürmer Jonathan David gleich dreifach. Für das frühe 1:0 sorgte Angreifer Cyle Larin, dazu kam ein Eigentor von Mohamed Manai. Torjäger David verdiente sich nach seinem Dreierpack ein Extralob vom Trainer. «Ich hoffe, Ihr habt Euch angeschnallt. Das ist mal ein Torjäger», sagte Marsch zu den Journalisten.

Kanadas erster WM-Sieg war sportlich ein Ausrufezeichen - unabhängig von überforderten Katarern, die schon vor den beiden Platzverweisen von Madibo (51.) und Homam Ahmed (33.) chancenlos waren. «Wir haben der Welt gezeigt, wer Kanada ist. Viele unserer Spieler kommen aus dem Nichts. Wir haben gezeigt, dass wir auf der größten Bühne der Welt performen können», sagte Angreifer Larin, der bereits beim 1:1 gegen Bosnien-Herzegowina getroffen hatte.

Marsch: «Es ist eine Fußball-Nation»

Nach Spielende befeuerte Marsch die eigenen Fans in der Arena zusätzlich. Immer wieder zeigte der 52 Jahre alte Amerikaner beide Fäuste und brüllte den Zuschauern freudig entgegen. Nach dem Ende der Eishockey-Saison und dem eigenen 6:0 hofft Marsch darauf, noch mehr Euphorie zu entfachen. Auf die Frage zur Eishockey-Nation stellte Marsch fest: «Es ist eine Fußball-Nation.» Zu einem Zwist mit Katars Trainer Julen Lopetegui nach dem Abpfiff wollte er sich nicht äußern.

Der verletzte Koné soll in Vancouver zeitnah operiert werden und kann im Anschluss maximal passiv an der WM-Geschichte der Kanadier mitwirken. Für Samstag hat Trainer Marsch ein Barbecue mit den Profis und deren Familien angekündigt. «Ismael wird bei uns allen im Kopf sein. Er wird stärker denn je zurückkommen», kündigte Marsch an.

Davies könnte Koné-Lücke schließen

Das temporeiche 6:0 begeisterte auch Premier Mark Carney, der im schwarzen Kanada-Trikot an der Seite von FIFA-Boss Gianni Infantino mitfieberte. «6:0 für Kanada, was für ein Abend in Vancouver», schrieb Carney zu der Partie, die um 15.00 Uhr Ortszeit begonnen hatte. 

Marschs Kanadier waren so überlegen, dass es eine Rückkehr von Bayern-Profi Alphonso Davies nicht einmal brauchte. Der 25-Jährige machte nach Spielende noch ein paar Sprints und dürfte gegen die Schweiz nach über einem Monat Pause zurückkommen. Der vielseitig einsetzbare Davies könnte im Mittelfeld die Lücke schließen, die durch den Ausfall von Koné entstanden ist.

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