Vogts kleiner Streif-Coup: Erst Top Ten, nun Olympia-Chaos
25.01.2026 - 08:50:20 | dpa.deLuis Vogt hatte gerade die Ziellinie von KitzbĂŒhel ĂŒberquert und sich von 45.000 Fans fĂŒr seinen Mini-Coup feiern lassen, da sahen einige schon ein anstehendes Olympia-Chaos aufziehen. Rang acht bei der wichtigsten Abfahrt im Weltcup war nicht nur der gröĂte Erfolg des 23-JĂ€hrigen und ein Lichtblick im bislang trĂŒbgrauen Ski-Winter der deutschen Speedfahrer.
Eigentlich knackte Vogt mit diesem achten Platz auch die Qualifikationsnorm fĂŒr die Winterspiele in Mailand und Cortina. Aber die Nominierung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ist - anders als in anderen LĂ€ndern - schon erfolgt und Vogt stand nicht auf der Liste. RĂŒckt der Garmischer nun dank einer Last-Minute-Aktion noch nach? Und wenn ja, muss jemand anderes aus dem MĂ€nner-Ski-Team sein Olympia-Ticket wieder zurĂŒckgeben? Es ist kompliziert.
Vogt kommt Shootingstar Franzoni und Superstar Odermatt nahe
«Das liegt nicht in meinen HĂ€nden», sagte Vogt selbst zur Bredouille, in die der DOSB und der Deutsche Skiverband (DSV) am Samstagnachmittag geraten waren. Der Zwei-Meter-Rennfahrer, der sich mit SchuhgröĂe 50 in Skistiefel der GröĂe 47 zwĂ€ngte, genoss lieber seine erste Top-Ten-Platzierung im Weltcup, und das ausgerechnet auf der legendĂ€ren Streif. Mit einer beherzten Fahrt hatte er spĂ€t im Rennen sogar den spĂ€teren Sieger Giovanni Franzoni (Italien) und Superstar Marco Odermatt (Schweiz) auf Rang zwei bangen lassen.
«Saugeil», fand Vogt, den Verletzungen in den vergangenen Jahren immer wieder gebremst hatten. Das Grinsen wich ihm im Zielraum von KitzbĂŒhel nicht aus dem Gesicht; Fans und Freunde mit Plakaten jubelten dem Oberbayern zu.
Deutsche MĂ€nner nur mit fĂŒnf Olympia-StartplĂ€tzen
Aber natĂŒrlich wurde er auch nach Olympia gefragt. Eine Nachnominierung «wĂ€re mega», meinte er, sagte aber auch, dass die bisher AusgewĂ€hlten «groĂe Namen mit guten Platzierungen» und «berechtigt» eingeladen seien.
Eines ist unter den vielen Fragezeichen klar: Mehr als die fĂŒnf StartplĂ€tze, die der Skiweltverband Fis den Deutschen zugeteilt hatte, wird es nicht geben. Eigentlich waren es sogar nur drei, dann aber bekam DSV immerhin noch zwei Extra-PlĂ€tze obendrauf. Hintergrund ist, dass die Fis so viele Nationen wie möglich bei Olympia dabei haben will - zum Leidwesen der Top-Teams.
Neureuther schimpft ĂŒber Quoten-Regelung: «Geh auf Barrikaden»
«Diese Quotenregelung ist totaler Quatsch», schimpfte Ex-Skirennfahrer Felix Neureuther in der ARD. «Es werden Athleten mitgenommen aus LĂ€ndern, die nicht den Hauch einer Chance haben. Und von den Besten der Welt mĂŒssen einige daheim bleiben.» Neureuther sagte im Hinblick auf Vogt: «Wenn der nicht mitgenommen wird, dann geh ich auf die Barrikaden.»
Die Verantwortlichen im DSV mĂŒssen nun mit DOSB und Fis klĂ€ren, was zu tun ist. Kann neben den fĂŒnf Nominierten Linus StraĂer, Simon Jocher, Alexander Schmid, Fabian Gratz und Anton Grammel noch ein sechster Athlet zumindest als nomineller Ersatzfahrer mit nach Bormio? Quasi als Backup, falls sich jemand vor Ort verletzten sollte? Zumal ein Einsatz von Schmid, der sich jĂŒngst eine Sprunggelenksverletzung zugezogen hatte, ohnehin schon jetzt fraglich ist.
Kritik an frĂŒhem Nominierungstermin des DOSB
Ob der DOSB bei seinem Aufgebot noch nachjustiert, blieb zunĂ€chst offen. Am deutschen Olympia-Verband hatte es Kritik gegeben, weil er schon relativ frĂŒh seine Sportlerinnen und Sportler fĂŒr die Spiele in Norditalien fixierte. Die Ăsterreicher und Schweizer warten mit den Nominierungen bis nach den Rennen in KitzbĂŒhel. WĂ€re auch der DOSB so verfahren, dann ist davon auszugehen, dass Vogt - anstelle von Grammel, der die deutsche Norm eigentlich nicht komplett geschafft hatte - das Olympia-Ticket erhalten hĂ€tte.
«Das ist jetzt alles Zukunftsphilosophie», sagte MĂ€nner-Chefcoach Christian Schwaiger ĂŒber die sportpolitischen Gedankenspiele, in die er sich nicht einmischen will. «In zweieinhalb Wochen kann im Skisport noch viel passieren.»
Cheftrainer blickt bei Vogt schon ĂŒber Olympia hinaus
Dem Trainer war die Erleichterung anzumerken nach dem achten Platz, der sich fast wie ein Podesterfolg anfĂŒhlte. Noch am Freitag hatten seine SchĂŒtzlinge im Super-G maĂlos enttĂ€uscht und Schwaiger «deprimiert» zurĂŒckgelassen. Vogt ist eine der Hoffnungen bei den Abfahrern, die in den vergangenen Jahre etliche LeistungstrĂ€ger wie die Ex-KitzbĂŒhel-Sieger Thomas DreĂen und Josef Ferstl verloren hatten. Der 23-JĂ€hrige soll langfristig als Top-Ten-Fahrer aufgebaut werden. Eine Teilnahme an Olympia 2026 sei dafĂŒr nicht essenziell, meinte Schwaiger. Freuen wĂŒrde sich Luis Vogt aber freilich schon.
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