WM, USA

Mamas Tipps und Kabel-Eklat: Bellinghams Nacht der Träume

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 07:24 Uhr, dpa.de

Ein Kamerakabel, Bellinghams Doppelpack und ein emotionales Team – Englands WM-Traum lebt. Wie die Spieler den Erfolg feiern und was Trainer Tuchel dazu sagt.

  • Jude Bellingham traf doppelt für England. - Bild: Julio Cortez/AP/dpa
    Jude Bellingham traf doppelt für England. - Bild: Julio Cortez/AP/dpa
  • Bellingham bei seinem entscheidenden zweiten Tor. - Bild: Nick Potts/PA Wire/dpa
    Bellingham bei seinem entscheidenden zweiten Tor. - Bild: Nick Potts/PA Wire/dpa
  • Zwölf Tore für England: Erfolgsduo Bellingham und Kane. - Bild: Martin Rickett/PA Wire/dpa
    Zwölf Tore für England: Erfolgsduo Bellingham und Kane. - Bild: Martin Rickett/PA Wire/dpa
Jude Bellingham traf doppelt für England. - Bild: Julio Cortez/AP/dpa Bellingham bei seinem entscheidenden zweiten Tor. - Bild: Nick Potts/PA Wire/dpa Zwölf Tore für England: Erfolgsduo Bellingham und Kane. - Bild: Martin Rickett/PA Wire/dpa

Mama Bellingham lag ihrem Sohn Jude schon die ganze Woche lang in den Ohren. «Pass auf, was du sagst. Pass bei den Grätschen auf. Achte auf deine Emotionen», sagte Englands Matchwinner über die Tipps von Denise Bellingham. Ihr Sohn sollte im WM-Viertelfinale gegen Norwegen auf keinen Fall seine zweite Gelbe Karte und damit eine Sperre kassieren.

Der Ex-Dortmunder gehorchte, traf doppelt und schoss England beim 2:1 in einem von Hitze und einem Kamerakabel geprägten Kampfspiel nach Verlängerung weiter. Die englischen Fans in Miami lagen sich beim Gassenhauer «Hey Jude» in den Armen, die verbliebenen Beatles höchstselbst feierten den Helden der «Three Lions» via Instagram.

Alles fiebert nun auf das Halbfinale gegen Titelverteidiger Argentinien in Atlanta hin. Zwei Siege fehlen den Engländern noch zum zweiten Titel nach 1966. Die gute Nachricht: Bellingham darf sich da eine Gelbe Karte leisten, nach dem Viertelfinale werden gemäß den Regeln alle Verwarnungen gelöscht.

Nicht mal im Traum

Bellinghams Selbstvertrauen ist alles andere als klein, doch was an diesem schwülen Abend unweit der Everglades geschah, war selbst für den 23-Jährigen schwer zu begreifen. «Das übertrifft meine kühnsten Träume», sagte Bellingham. «Ich meine, du gehst ja nicht abends ins Bett und träumst von solchen Spielen.»

Und doch war da viel Reales und auch Surreales vor den Augen von Sir David Beckham im Football-Stadion der Miami Dolphins zu sehen. Da wäre etwa eine Szene vor Bellinghams Tor zum Ausgleich. Nach dem Abstoß von Norwegens Torwart Örjan Nyland wird der Ball von einem gespannten Kamerakabel in der Luft gestoppt, fällt wie ein Stein herunter und gelangt vor die Füße von Anthony Gordon - der daraufhin das Tor einleitet.

Bellingham äußerte sich zu der Szene nicht, er habe es nicht genau gesehen. Der Weltverband FIFA pochte darauf, dass der Chip im Ball keine Berührung aufgezeichnet habe, die Szene also nicht so passiert sein kann. Die Norweger und auch die TV-Aufnahmen lassen einen anderen Rückschluss zu. «Also ich würde eher den Norwegern glauben als der FIFA», sagte Englands Ex-Nationalspieler Gary Neville.

Bellinghams Tor ermöglichte die Verlängerung und ein Patzer von Nyland dort den zweiten Treffer des Stars von Real Madrid. «Das war eine Weltklasse-Leistung von einem Weltklasse-Spieler», befand Trainer Thomas Tuchel.

Tuchels Unzufriedenheit

Der Schwabe war, wie er sagte, im Kopf nicht zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft gewesen. «Wir können viel schneller spielen, präziser, mit weniger unerzwungenen Fehlern», sagte Tuchel, der sein Team dennoch lobte: «Das ist pure Mentalität. Die kann man in Flaschen abfüllen und verkaufen.»

Allen voran die Mentalitätsmonster Harry Kane und Bellingham. Beide haben bereits sechs Tore erzielt, bisher waren keinem Engländer bei einer WM mehr als fünf Tore gelungen. «Ich lasse Harry und Jude zusammen spielen und sie erledigen den Rest», beschrieb Tuchel das Erfolgsrezept. Sie seien Unterschiedsspieler, die die Verantwortung lieben. Das sei beeindruckend.

Dass Tuchel den Auftritt seines Teams als «schlampig» kritisierte und viele technische Fehler bemängelte, irritierte indes Bellingham. «Vielleicht weiß er nicht, wie es ist, unter diesen Bedingungen zu spielen», knurrte der Matchwinner nach dem knallharten Hitzespiel über mehr als 120 Minuten. 

Eisbäder und Regenerations-Getränke

Für seine Mitspieler hatte Bellingham nur Lob. «Sie sind Krieger», sagte der Offensivspieler. Nicht einmal Norwegens Führung durch ein Traumtor von Andreas Schjelderup warf die Mannschaft aus der Bahn. Auch Torwart Jordan Pickford, der bei der sich zum Schuss entwickelten Flanke unglücklich aussah, fing sich wieder.

Direkt am Abend ging es zurück ins Teamcamp nach Kansas City. Gefeiert wurde laut Bellingham mit Eisbädern und Regenerations-Getränken. Zweimal will England noch feiern, dann ist man nach 60 Jahren Schmerz endlich am Ziel. «Jeder hier ist bereit für die nächsten acht Tagen. Dieser Sieg hilft uns wahnsinnig», betonte Tuchel.

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