TrÀnen, Jubel

TrÀnen, Jubel, keine Party: MÀrtens und der Gold-Triumph

28.07.2024 - 14:39:01

Erstmals seit 1988 gewinnt wieder ein deutscher Schwimmer Olympia-Gold im Becken. MĂ€rtens begeistert die deutschen Legenden seines Sports. Die Ziele gehen ihm auch nach dem großen Sieg nicht aus.

  • Lukas MĂ€rtens freut sich ĂŒber seinen Olympiasieg - viel gefeiert hat er aber nicht. - Foto: Sven Hoppe/dpa

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  • Lukas MĂ€rtens war schon am Tag nach seinem Olympiasieg wieder gefordert. - Foto: David J. Phillip/AP/dpa

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Lukas MĂ€rtens freut sich ĂŒber seinen Olympiasieg - viel gefeiert hat er aber nicht. - Foto: Sven Hoppe/dpaLukas MĂ€rtens war schon am Tag nach seinem Olympiasieg wieder gefordert. - Foto: David J. Phillip/AP/dpa

Auch bewusster Party-Verzicht verhalf Olympiasieger Lukas MĂ€rtens nicht zu einer ruhigen Gold-Nacht mit erholsamem Schlaf. «Zwei bis drei Stunden sind dabei rumgekommen - wie ein kleiner Mittagsschlaf fast», sagte der deutsche Schwimm-Held von Paris und lĂ€chelte. Als wĂ€re der Abend zuvor ein stinknormaler gewesen, zog der 22-JĂ€hrige am Tag danach schon wieder seine Bahnen in der La DĂ©fense Arena und konzentrierte sich auf seine nĂ€chsten olympischen Ziele. Auch ĂŒber 200 Meter Freistil zĂ€hlt der 22-JĂ€hrige zu den Medaillenkandidaten.

MĂ€rtens ist professioneller Leistungssportler durch und durch, kein Feierbiest. Er braucht kein großes Fest im deutschen Haus, keine rauschende Feier mit Sekt oder Bier. MĂ€rtens weiß: Seinen gigantischen Erfolg kann ihm niemand mehr nehmen. Der Olympiasieg hat fĂŒr das gesamte deutsche Schwimmen riesige Bedeutung.

Mutter kann nicht hinsehen

Als vor MĂ€rtens zuletzt ein deutscher Mann Olympia-Gold im Beckenschwimmen gewann, war das Land noch geteilt - und MĂ€rtens noch lange nicht geboren. Michael Groß und Uwe Daßler (DDR) siegten 1988 in Seoul. Bei den Frauen krönte sich Britta Steffen 2008 zur Doppel-Olympiasiegerin. Seitdem hatte der Deutsche Schwimm-Verband auf Becken-Gold gewartet - bis zu MĂ€rtens Gala-Auftritt.

«Das war eine sensationelle Vorstellung, die ich bisher, in den Jahren seit ich Olympia gucke, nur von anderen Nationen kannte», sagte Steffen der Deutschen Presse-Agentur. «Einfach Hut ab, das war eine sportliche Lebensleistung.»

Bei der zitterte auch MĂ€rtens' Mutter auf der TribĂŒne mit. Sie konnte kaum hinschauen, löste erst auf den letzten Metern ihre HĂ€nde vom Gesicht und richtete die Blicke aufs Becken. «Es geht mir wie dem Jungen, ich kann es nicht realisieren. Es ist nicht fassbar», sagte sie. MĂ€rtens' Ex-Freundin Isabel Gose sorgte fĂŒr ergreifende Szenen, als sie nach ihrem eigenen fĂŒnften Platz im ARD-Interview vor mitfĂŒhlender Freude weinte. Auch MĂ€rtens selbst kĂ€mpfte bei der Siegerehrung und schon zuvor im Wasser mit den TrĂ€nen.

Schwimm-Granden freuten sich mit MĂ€rtens

Franziska van Almsick, die in ihrer Karriere zehnmal Silber oder Bronze bei Olympia gewonnen hatte, war «stolz und bewegt, dass mit Lukas MĂ€rtens ein Schwimmer die erste Medaille - und das gleich noch eine goldene - fĂŒr das deutsche Team geholt hat». Die 46-JĂ€hrige ergĂ€nzte: «Das war so wichtig fĂŒr das Schwimmen in Deutschland, aber auch fĂŒr den deutschen Sport. Lukas ist ein Beispiel dafĂŒr, dass harte Arbeit, die Liebe zum Sport und der Wille, gewinnen zu wollen, zĂ€hlt.»

TatsĂ€chlich zeichnet MĂ€rtens genau das aus. Er ist ein harter Arbeiter. Schwimmen ist seine große Leidenschaft, der er fast alles unterordnet. Auch gesundheitliche Probleme halten ihn nicht auf. Als er wegen einer chronischen NasennebenhöhlenentzĂŒndung in der Olympia-Vorbereitung immer wieder mit dem Training aussetzen musste, hĂ€tte er verzweifeln können. MĂ€rtens tat das nicht, blieb positiv. «Wenn es am unwahrscheinlichsten scheint, kann man es vielleicht am ehesten packen», sagte er sich. «Das wichtigste ist, dass man aus RĂŒckschlĂ€gen lernt.»

Beeindruckende Entwicklung

MĂ€rtens ist in den vergangenen Jahren sukzessive zum absoluten Weltklasseschwimmer aufgestiegen. Im Becken gewann der SchĂŒtzling von Langstrecken-Bundestrainer Bernd Berkhahn bei den Weltmeisterschaften 2022, 2023 und 2024 jeweils eine Medaille. Auch daneben entwickelte sich der Teamkollegen von Freiwasser-Olympiasieger Florian Wellbrock, der an diesem Montag in Olympia-Geschehen eingreift, weiter. MĂ€rtens tritt cool und selbstbewusst auf. Er hat gelernt, mit dem wachsenden Erwartungsdruck an ihn umzugehen.

«Aus meiner Sicht kommen seine körperlichen FÀhigkeiten und seine mentale StÀrke optimal zusammen und schön, dass das aktuell kein anderer Schwimmer der Welt so packt wie er», sagte Steffen. «Mich fasziniert es, wenn Leute Druck aushalten, ehrlich und authentisch sind und den Eindruck habe ich hier gewonnen.»

Kein Weltrekord? FĂŒr MĂ€rtens «scheißegal»

Auch Paul Biedermann war von MÀrtens' Rennen begeistert. «Cool, abgeklÀrt und souverÀn. Das beschreibt dieses Rennen wohl am besten», sagte er. Biedermann war auch rund um sein Goldrennen in MÀrtens' Kopf - zumindest dessen Weltrekord.

Eigentlich wollte MĂ€rtens die 15 Jahre bestehende Bestmarke der deutschen Schwimm-Ikone angreifen. Dass das in 3:41,78 Minuten nicht gelang, störte ihn mit der Goldmedaille um den Hals nach eigenen Angaben aber ĂŒberhaupt nicht. «Viele haben erwartet, dass dieser Rekord fĂ€llt. Es ist mir scheißegal, ob der jetzt gefallen ist oder nicht. Ich bin da ganz oben, und ich denke, das habe ich mir verdient», sagte MĂ€rtens. Der Weltrekord bleibt ein Ziel fĂŒr die Zukunft und in Reichweite - genau wie weitere Olympia-Medaillen.

@ dpa.de