Ski-WM ReformplĂ€ne: Fis-PrĂ€sident Ospelt stöĂt mit hĂ€ufigerem Titelrhythmus auf Widerstand
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 10:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer Ski-Weltverband Fis erwÀgt unter seinem neuen PrÀsidenten Alexander Ospelt, die Weltmeisterschaften in mehreren Sparten deutlich hÀufiger als bisher auszutragen.
Fis-PrÀsident Ospelt skizziert neue WM-Frequenz
Nach den Planspielen des Verbands könnten im alpinen und nordischen Skisport sowie im Snowboard- und Freestyle-Bereich kĂŒnftig in jedem Nicht-Olympia-Jahr Weltmeisterschaften stattfinden. Bisher werden die TitelkĂ€mpfe nur in allen ungeraden Jahren ausgetragen. Konkret wĂ€ren zusĂ€tzliche Weltmeisterschaften etwa in den Jahren 2028, 2032 und 2036 möglich, die bislang nicht eingeplant sind.
Mehr Chancen und neue GastgeberlÀnder
Ospelt, ein Anwalt aus Liechtenstein, betont, ein WM-Titel bedeute fĂŒr Athletinnen und Athleten auch finanziell sehr viel und schaffe neue Ziele. Zugleich verweist er auf kleinere oder aufstrebende WintersportlĂ€nder, die mit zusĂ€tzlichen Weltmeisterschaften mehr Perspektiven als Ausrichter hĂ€tten. Als Beispiele nennt er China, Japan und SĂŒdkorea. Anders als frĂŒhere Konzepte seines VorgĂ€ngers Johan Eliasch, der sogenannte Fis-Games mit allen Sportarten an einem Ort ins Spiel gebracht hatte, sieht das neue Vorhaben mehrere Gastgeber vor.
Verhaltene Reaktionen der VerbÀnde
Die Art und Weise, wie die Fis ihren Vorschlag prĂ€sentierte, stöĂt bei nationalen VerbĂ€nden jedoch auf Kritik. Stefan Schwarzbach vom Deutschen Skiverband erklĂ€rt, man sei ĂŒberrascht gewesen, dass bereits eine grundsĂ€tzliche Richtung vorgegeben worden sei. Aus Sicht des DSV wĂ€re es bei einer so weitreichenden VerĂ€nderung sinnvoll gewesen, die VerbĂ€nde als potenzielle Veranstalter intensiver einzubeziehen.
Ăsterreichs Skiverband stellt sich gegen den Plan
Deutlich ablehnend Ă€uĂert sich Ăsterreichs Skiverband, der mit mehreren möglichen Austragungsorten als besonders einflussreich gilt. Der Verband hĂ€lt den Plan aus sportlicher und strategischer Sicht fĂŒr nicht sinnvoll und warnt vor einer âInflationierungâ und einer âschleichenden Entwertung des sportlichen Stellenwertsâ der Weltmeisterschaften. In Innsbruck kam es daher zu einem Treffen zwischen Fis-Vertretern und dem ĂSV, um die Folgen des Projekts zu diskutieren.
Vergleiche mit anderen Wintersportarten
In einigen Disziplinen ist eine höhere WM-Frequenz bereits RealitĂ€t. Im Eishockey wird jedes Jahr â auch in Olympia-Jahren â ein Weltmeister ermittelt. Beim Biathlon-Weltverband IBU werden Weltmeisterschaften schon jetzt in einem Rhythmus ausgetragen, wie ihn die Fis kĂŒnftig plant. Der frĂŒhere Alpin-Olympiasieger Beat Feuz mahnt jedoch, fast alles, was es zu oft gebe, sei schlecht.
FuĂball als Vorbild â und offene Fragen
Feuz verweist zugleich auf den FuĂball, in dem Welt- und Europameisterschaften im Rhythmus von zwei Jahren stattfinden und damit auch Menschen erreichen, die sich sonst weniger interessieren. PrĂ€sident Ospelt begrĂŒĂt die kontroverse Diskussion ĂŒber den noch nicht beschlossenen Plan. Er betont, alle Beteiligten in die neue Debatte einbeziehen zu wollen.
Fixpunkt im Kalender und Rolle Deutschlands
Ziel des Fis-PrĂ€sidenten ist ein langfristig verlĂ€sslicher Weltcup-Kalender mit einer Anfang Februar fest verankerten Weltmeisterschaft. Deutschland wĂŒrde als potenzieller Gastgeber groĂer Events eine wichtige Rolle spielen. Schwarzbach warnt jedoch davor, dass eine höhere Frequenz den sportlichen Wert und die Bedeutung eines WM-Titels verwĂ€ssern könnte und betont, wirtschaftliche Interessen des Weltverbands seien nicht automatisch fĂŒr nationale VerbĂ€nde attraktiv.
Unterschiedliche Ausgangslagen in den Sparten
Offen ist, ob ein neuer Rhythmus fĂŒr alle Fis-Sparten gelten mĂŒsste. Der alpine Markt gilt als groĂ und attraktiv, wĂ€hrend das Interesse am nordischen Skisport begrenzter ist. Die nĂ€chsten drei nordischen Weltmeisterschaften finden in Falun, Lahti und Oberstdorf statt, die nach langen Pausen erneut ausrichten. AuĂerhalb Europas war zuletzt 2007 im japanischen Sapporo eine nordische WM zu Gast.
Zwischen Reformdruck und Traditionsbewusstsein
Die Debatte um einen neuen WM-Rhythmus im Skisport fĂ€llt in eine Phase, in der internationale VerbĂ€nde ihre Kalender neu ordnen, um Aufmerksamkeit, Einnahmen und Veranstalterinteressen auszubalancieren. Der VorstoĂ der Fis unter PrĂ€sident Alexander Ospelt zielt erkennbar darauf ab, den Wintersport gegenĂŒber anderen globalen Sportarten sichtbarer zu machen und zusĂ€tzlichen GastgeberlĂ€ndern eine BĂŒhne zu bieten. Zugleich prallen unterschiedliche Interessenlagen aufeinander: Der Weltverband denkt in erster Linie global und langfristig, nationale VerbĂ€nde beurteilen vor allem Belastung, Kosten und sportlichen Wert der TitelkĂ€mpfe.
Finanzielle Anreize und Sorge vor Entwertung
FĂŒr Athletinnen und Athleten könnte eine höhere WM-Frequenz zusĂ€tzliche Chancen auf PrĂ€mien, SponsorenvertrĂ€ge und sportliche Karrierehöhepunkte eröffnen. Besonders in Disziplinen mit begrenzten Weltcup-Einnahmen kann ein WM-Titel eine zentrale finanzielle SĂ€ule darstellen. Dem stehen die Warnungen vor einer âInflationierungâ gegenĂŒber: Je hĂ€ufiger ein Titel vergeben wird, desto gröĂer ist die Gefahr, dass der einzelne Triumph an Einzigartigkeit verliert und sich schwieriger vermarkten lĂ€sst. Auch Veranstalter mĂŒssten hĂ€ufiger hohe Investitionen in Infrastruktur und Organisation stemmen, ohne dass sicher ist, ob sich dies wirtschaftlich trĂ€gt â zumal Zeitfenster im dicht gedrĂ€ngten Sportkalender begrenzt sind.
Belastung im Kalender und Perspektive kleinerer Nationen
Die Fis verweist auf LĂ€nder wie China, Japan oder SĂŒdkorea, die mit zusĂ€tzlichen WMs stĂ€rker in den Wintersport einsteigen könnten. FĂŒr diese MĂ€rkte wĂ€re ein planbarer Fixtermin Anfang Februar attraktiv, um Wintersport strategisch aufzubauen. Gleichzeitig wĂŒrden etablierte Skinationen ihre Athleten hĂ€ufiger in Höchstform bringen mĂŒssen; Trainingsplanung, Saisonhöhepunkte und der Weltcup-Kalender mĂŒssten entsprechend angepasst werden. Die zurĂŒckhaltenden Reaktionen aus VerbĂ€nden zeigen, dass ein Kompromiss nötig ist, der neue Gastgeber einbindet, ohne die Belastung fĂŒr Top-Athleten und die Bedeutung des WM-Titels zu untergraben. Ob die Reform in allen Sparten gleichermaĂen kommt, bleibt vorerst eine zentrale offene Frage.
