Sölden: Ski-Weltcup zählt knapp 29.000 Zuschauer trotz Klimadebatte
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 13:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für Training und Wintersport
- Beim Auftakt in Sölden zählten die Veranstalter am Wochenende knapp 29.000 Zuschauer.
- Teams weichen für Trainingscamps zunehmend nach Argentinien, Chile oder Neuseeland aus.
- Sportdirektor Mario Stecher und Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer unterstützen den Plan für eine Skihalle in Österreich.
Der Ski-Weltcup sucht Wege durch den Klimawandel
Der alpine Ski-Weltcup ist beim Saisonauftakt in Sölden erneut mit der Klimadebatte konfrontiert. Während knapp 29.000 Zuschauer die Rennen am Rettenbachferner verfolgten, rückt in Österreich zusätzlich der Bau einer Skihalle als mögliche Trainingslösung in den Mittelpunkt.
Weniger Proteste, gleiche Grundsatzfrage
Am vergangenen Wochenende blieb es in Sölden ruhig: Anders als vor drei Jahren blockierten Klimaaktivisten diesmal nicht die Gletscherauffahrt. Die Diskussion über den frühen Weltcup-Start und die Zukunft des Wintersports ist damit jedoch nicht beendet.
Anton Grammel, zweitbester Deutscher im Riesenslalom der Männer, bezeichnete das Thema als weiterhin präsent, aber weniger stark als früher. Der 28-Jährige verwies zugleich darauf, dass ein Ausfall in Sölden eher wegen zu viel Schnee als wegen Schneemangels drohen könne.
DSV setzt auf Anpassung
Der Präsident des Deutschen Skiverbands, Jörg Flechtner, sieht den Skisport nicht als Verursacher der gesamten Klimaproblematik, sondern als Leidtragenden. Er plädiert dafür, mit der Debatte umzugehen und mögliche Anpassungen zu prüfen.
Dazu zählen ein späterer oder stärker auf den Kernwinter konzentrierter Weltcup-Kalender sowie möglichst klimaneutral organisierte Veranstaltungen. Für Hersteller und den Wintertourismus bleibt der Saisonauftakt wirtschaftlich bedeutsam, weil er neue Ausrüstung präsentiert und Gäste in die Regionen lockt.
Training wird aufwendiger
Die Vorbereitung auf die Saison wird durch schwierigere Bedingungen auf den Gletschern komplizierter. Mehrere Teams, darunter die österreichische Mannschaft, verlagern Trainingscamps deshalb zunehmend nach Argentinien, Chile oder Neuseeland.
Diese Reisen können sich Profiteams leisten, für Nachwuchs und Breitensport sind sie keine realistische Lösung. Zugleich geraten kleinere Skigebiete unter Druck, wenn heiße Sommer den Zugang zu Gletscherflächen erschweren.
Streit über Skihalle in Österreich
Als Alternative gewinnen Skihallen an Aufmerksamkeit. In Deutschland und den Niederlanden gibt es solche Anlagen bereits; auch Mikaela Shiffrin und Marcel Hirscher trainieren dort gelegentlich.
In Österreich unterstützen Sportdirektor Mario Stecher und Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer den Plan für eine Skihalle, die etwa in Wien entstehen könnte. Die frühere Skirennfahrerin Annemarie Moser-Pröll bezeichnete das Vorhaben dagegen als „Schnapsidee“.
Damit bleibt der Klimawandel für den Skisport eine doppelte Herausforderung: Er muss seine Wettbewerbe und Trainingsbedingungen anpassen und zugleich erklären, wie ökologisch vertretbar diese Anpassungen sind.
Der Weltcup-Auftakt in Sölden steht beispielhaft für den Zielkonflikt, in dem der alpine Skisport steckt. Einerseits hängen Veranstalter, Ausrüster, Tourismusbetriebe und Arbeitsplätze an verlässlichen Wettbewerben und einer frühen Saisoneröffnung. Andererseits verkürzen steigende Temperaturen die Zeitfenster für Training und Rennen und erhöhen den Aufwand für Präparierung, Reisen und Schneesicherung.
Die dpa-Meldung beschreibt dabei zwei Ebenen des Problems. Für den Profisport kann die Verlagerung von Trainingslagern auf die Südhalbkugel kurzfristig helfen, sie macht die Vorbereitung aber teurer. Für Nachwuchs und Breitensport verschärft sich die Zugangshürde, wenn kleinere Skigebiete ausfallen oder Gletscherflächen im Sommer schwerer nutzbar sind.
Zwischen Anpassung und Akzeptanz
Eine Verschiebung von Rennen in den Kernwinter, klimaverträglichere Veranstaltungen und technische Anpassungen können Risiken mindern, lösen aber nicht die grundlegende Abhängigkeit des Sports von ausreichender Kälte. Skihallen eröffnen zusätzliche Trainingsmöglichkeiten, werfen in Österreich jedoch die Frage auf, wie sinnvoll hoher Energie- und Investitionsaufwand für künstliche Schneewelten ist.
Für Zuschauer bedeutet die Debatte daher mehr als die Frage, ob ein einzelnes Rennen stattfinden kann. Sie betrifft die Zukunft von Wintersportorten, die Kosten des Trainings und die Glaubwürdigkeit von Nachhaltigkeitsversprechen. Der Weltcup wird sich wahrscheinlich weiter an veränderte Bedingungen anpassen müssen, während die Auseinandersetzung über seinen ökologischen Fußabdruck bestehen bleibt.
