«Extrem bitter»: Knapp 17 Zentimeter fehlen zu Bronze
16.02.2026 - 21:51:40 | dpa.dePhilipp Raimund haderte, Andreas Wellinger wollte «gegen die Wand dreschen». Das deutsche Duo hat die angestrebte Medaille im letzten Skisprung-Wettkampf der Winterspiele Ă€uĂerst knapp verpasst. In einer denkwĂŒrdigen und vorzeitig abgebrochenen Olympia-Premiere des neuen Super Teams belegten der Normalschanzen-Olympiasieger Raimund und Wellinger Rang vier. Zu Bronze fehlten auf der GroĂschanze in Predazzo 0,3 Punkte. Das sind umgerechnet keine 17 Zentimeter.
«Das ist extrem bitter, weil 0,3 ist gar nichts», sagte Wellinger im ZDF. Bei Eurosport erklĂ€rte er: «Jetzt werden wir unsere Pflicht erfĂŒllen, die Runde gehen und dann mal irgendwo gegen die Wand dreschen. Vierter werden ist immer scheiĂe. Aber wenn du so knapp Vierter wirst und so, wie es jetzt passiert ist....»
Renndirektor erklÀrt den Abbruch
In der Schlussphase des dritten Durchgangs wurde der Wettbewerb bei starkem Schneefall abgebrochen. Es zĂ€hlte das Ergebnis nach zwei DurchgĂ€ngen. Gold gewannen die Ăsterreicher Jan Hörl und Stephan Embacher. Silber sicherten sich Pawel Wasek und Kacper Tomasiak aus Polen, Bronze ging an das norwegische Duo Johann Andre Forfang und Kristoffer Eriksen Sundal.
«Es ist die Aufgabe der Jury. Es ist nicht meine Aufgabe. Dass es so knapp ist, tut weh», sagte Raimund zum Abbruch. «Wir haben versucht, die Spur zu reinigen, aber wir haben sofort festgestellt, dass das Tempo in der Spur verloren geht», erklÀrte Sandro Pertile, Renndirektor beim Weltverband Fis. Auch der Wind habe sich stark verÀndert. «Bei diesen Bedingungen war es einfach unfair, weiterzumachen. Wir haben im Regelwerk die Möglichkeit, die letzte Runde abzubrechen, das ist heute nun geschehen.»
Trotz des verpassten zweiten Edelmetalls wird Raimund etwas Abstand die Winterspiele trotzdem in sehr guter Erinnerung behalten. Der 25-JÀhrige war nach Italien gereist, ohne jemals im Weltcup gewonnen zu haben. Mit Gold fÀhrt er wieder nach Hause.
Olympische Premiere fĂŒr das Super Team
Das Super Team wurde im Val di Fiemme erstmals bei Winterspielen ausgetragen. Statt durch vier Athleten, wie im traditionellen Mannschaftswettbewerb, wurde jede Nation nur durch zwei Sportler vertreten. Raimund sprang 137, 137,5 und 136 Meter weit. Wellinger landete nach 127,5, 123,5 sowie 130 Metern. Die jeweils letzten Leistungen gingen jedoch nicht in die Wertung ein.
Schon nach dem ersten Durchgang lag das deutsche Team auf Rang vier und nur knapp hinter dem Podest. Vor allem Raimund hielt die Medaillenhoffnung mit einem starken Sprung am Leben. Im Auslauf zeigte er beide FÀuste. Auch danach sprang Raimund stark. «Ich bin mir sicher, dass wir mit Hilles Sprung aufs Podest gesprungen wÀren», sagte der enttÀuschte Wellinger zu Raimunds letztem Versuch.
Wellinger statt Hoffmann
Wellinger bekam den zweiten deutschen Startplatz, weil seine Form im Gegensatz zu der von Felix Hoffmann ansteigende Tendenz zeigte. Hoffmann ist eigentlich in diesem Winter der zweitbeste deutsche Springer hinter Raimund. Auf der groĂen Schanze kam der 28-JĂ€hrige bei Olympia aber gar nicht klar.
Wellinger schaffte es im Weltcup mehrmals nicht in den zweiten Durchgang. In Italien belegte der Olympiasieger von 2018 auf der Normalschanze den 17. Platz, im Einzel auf der GroĂschanze landete er auf Rang 15.
2010 gab es letztmals nur eine Medaille
Insgesamt kann das deutsche Skisprung-Team mit den Winterspielen nicht zufrieden sein. Raimunds Triumph im Einzel von der Normalschanze lenkt ein wenig von den ansonsten enttÀuschenden Skisprung-Wettbewerben ab. Weder die MÀnner noch die Frauen schafften es in weiteren WettkÀmpfen auf das Podest.
Nur eine Medaille bei Winterspielen fĂŒr die deutschen Skispringer hatte es zuletzt 2010 in Kanada gegeben. Damals holte die Mannschaft um Martin Schmitt Silber im Teamspringen. Im Weltcup geht es in knapp zwei Wochen in Ăsterreich weiter. Von den Erlebnissen zum Abschluss werden sich zumindest Raimund und Wellinger erst einmal erholen mĂŒssen.
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