Ein Remis, aber keine Schande: Slowakei und RumÀnien weiter
26.06.2024 - 19:56:33 | dpa.deMit dem Schlusspfiff ertönte ein Jubel-Schrei aus 47.000 Kehlen, dann starteten die Profis aus RumĂ€nien und der Slowakei gemeinsam mit ihren Fans eine rauschende FuĂball-Party. Durch ein 1:1 (1:1) am letzten Vorrundenspieltag der Gruppe E haben beide Teams zum zweiten Mal in der Geschichte das EM-Achtelfinale erreicht.
«Das ist der gröĂte Moment in unserer bisherigen Karriere. Normalerweise beginne ich damit, meinen Spielern ein Kompliment zu machen. Diesmal möchte ich mit unseren Fans beginnen. So etwas erlebt man nur einmal im Leben. Ich bin mir sicher, zu Hause in RumĂ€nien wird gefeiert», sagte RumĂ€niens Trainer Edward Iordanescu voller Pathos.
Ăhnlich war die GefĂŒhlslage bei den Slowaken. «Das ist ein sĂŒĂes Unentschieden fĂŒr uns. Wir haben es verdient weiterzukommen», sagte Abwehrspieler David Hancko. Und Torwart Martin Dubravka meinte zum Einzug ins Achtelfinale: «Das bedeutet so viel fĂŒr alle in unserem Land und ist ein Grund zum Feiern. Es ist toll.»
In einem ĂŒber weite Strecken munteren Spiel erreichten die Rivalen am Mittwoch in Frankfurt, wo auf drĂŒckende Hitze ein heftiges Unwetter folgte, genau das zum Weiterkommen benötigte Ergebnis und durften sich daher beide als Gewinner fĂŒhlen. Der frĂŒhere Bundesliga-Profi Ondrej Duda brachte die Slowakei in der 24. Minute in FĂŒhrung. FĂŒr die RumĂ€nen glich Razvan Marin (37.) per StrafstoĂ nach einer umstrittenen Entscheidung durch den Videoassistenten aus.
Slowakei nun gegen England
Durch das 0:0 im Parallelspiel zwischen Belgien und der Ukraine beendete die Slowakei die Vorrunde in der Gruppe E auf dem dritten Platz und trifft damit im Achtelfinale auf England. Gruppensieger RumÀnien bekommt es mit den Niederlanden zu tun.
Die Vorzeichen vor der Partie waren klar: Beiden Teams genĂŒgte ein Unentschieden, um ins Achtelfinale einzuziehen. Vor dem Duell der beiden AuĂenseiter wurde schon ĂŒber eine Wiederholung der Schande von GijĂłn bei der WM 1982 spekuliert, als sich Ăsterreich und Deutschland auf einen Nichtangriffspakt einigten, um so weiterzukommen.
«Von einer Abmachung konnte keine Rede sein», schrieb das rumÀnische Onlineportal «adevarul» und stellte fest: «Es gibt auch Gerechtigkeit auf dieser Welt.»
Schon im Vorfeld wollten beide Teams nichts von einem Ballgeschiebe wissen. «Wir sind Profis. Wir wissen, dass ein Unentschieden uns helfen könnte, weiterzukommen. Das bedeutet aber gar nichts», sagte Slowakei-Trainer Francesco Calzona. Und RumÀniens Coach Edward Iordanescu erklÀrte: «Wir werden spielen, um weiterzukommen und wollen diese Gruppe auf Platz eins beenden. Dann hat man einen gewissen Vorteil, was die Erholungstage und den Gegner anbelangt.»
Mutige Teams statt GijĂłn-Wiederholung
Beide Mannschaften lieĂen ihren Worten Taten folgen und spielten in der Anfangsphase mutig nach vorn. Angetrieben von den vielen lautstarken rumĂ€nischen Fans hatte Andrei Ratiu die erste Chance. Den Schuss des Mannes mit der blau gefĂ€rbten Frisur wehrte Martin Dubravka im Tor der Slowakei aber ab. Den Abpraller setzte Ianis Hagi ĂŒbers Tor. Der Sohn des frĂŒheren FuĂball-Stars Gheorghe Hagi spielte erstmals bei dieser EM von Beginn an.
Im Anschluss wurden auch die Slowaken offensiv gefĂ€hrlich. Ein tĂŒckischer FreistoĂ von Lukas Haraslin rauschte durch den rumĂ€nischen Strafraum, aber auch am Tor vorbei. Kurze Zeit spĂ€ter war Duda mit dem Kopf zur Stelle.
Umstrittener Elfmeter fĂŒhrt zum Ausgleich
Nach dem Gegentor wirkten die RumĂ€nen zunĂ€chst ein wenig geschockt. In der 34. Minute holte der slowakische Abwehrspieler David Hancko an der Strafraumkante Hagi von den Beinen. Der deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert entschied zunĂ€chst auf FreistoĂ. Nach ĂberprĂŒfung durch den Videoassistenten zeigte der 40-JĂ€hrige dann auf den Elfmeterpunkt - eine strittige Entscheidung. «Es ist eine Ermessensentscheidung», sagte Sieberts Kollege Patrick Ittrich bei MagentaTV. Den StrafstoĂ verwandelte Marin sicher.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit blieben beide Mannschaften mutig. Als ein Unwetter ĂŒber das Stadion zog, ergaben sich auf beiden Seiten wieder Torchancen. RumĂ€niens TorschĂŒtze Marin scheiterte aus der Distanz an Dubravka, wenige Augenblicke spĂ€ter verzog Denis Dragus knapp. FĂŒr die Slowakei waren David Strelec und Haraslin dem 2:1 ganz nahe.
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