Leidenschaftliches, DĂ€nemark

Leidenschaftliches DĂ€nemark stĂŒrmt ins EM-Achtelfinale

21.06.2021 - 23:33:01

Was fĂŒr ein Happy End fĂŒr DĂ€nemark. Nach dem dramatischen Herzstillstand von Regisseur Eriksen und zwei bitteren Niederlagen löst das Team im Vorrundenfinale gegen Russland doch noch das Ticket fĂŒr das EM-Achtelfinale.

  • Russlands Artjom Dsjuba erzielt das Tor zum 1:2 per Elfmeter. - Foto: Jonathan Nackstrand/Pool AFP/AP/dpa

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  • Mikkel Damsgaard (vorne) aus DĂ€nemark feiert zusammen mit seinem Mannschaftskollegen Yussuf Poulsen den Treffer zur 1:0-FĂŒhrung. - Foto: Jonathan Nackstrand/Pool AFP/AP/dpa

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  • DĂ€nemarks Yussuf Poulsen (l) nutzt einen Zuspielfehler der Russen aus und macht das Tor zum 2:0. - Foto: Martin Meissner/Pool AP/dpa

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Russlands Artjom Dsjuba erzielt das Tor zum 1:2 per Elfmeter. - Foto: Jonathan Nackstrand/Pool AFP/AP/dpaMikkel Damsgaard (vorne) aus DĂ€nemark feiert zusammen mit seinem Mannschaftskollegen Yussuf Poulsen den Treffer zur 1:0-FĂŒhrung. - Foto: Jonathan Nackstrand/Pool AFP/AP/dpaDĂ€nemarks Yussuf Poulsen (l) nutzt einen Zuspielfehler der Russen aus und macht das Tor zum 2:0. - Foto: Martin Meissner/Pool AP/dpa

Nach dem unglaublichen Schlussakt einer emotionalen EM-Vorrunde war in Kopenhagen niemand mehr zu halten. Alle Ersatzspieler und Betreuer der DĂ€nen liefen jubelnd auf das Spielfeld. Und die 25.000 Zuschauer im Parken Stadion sangen sich die Kehle aus dem Hals.

Nach zwei Niederlagen zum Auftakt und dem Drama um den zusammengebrochenen Spielmacher Christian Eriksen hat der Europameister von 1992 am letzten Vorrunden-Spieltag doch noch das Achtelfinale dieser Fußball-EM erreicht. Durch einen 4:1 (1:0)-Sieg gegen Russland verbesserte sich DĂ€nemark in der Gruppe B noch vom vierten auf den zweiten Tabellenplatz.

«Fantastische Stimmung, fantastisches Spiel»

Die beiden Gegentore des zweiten Konkurrenten Finnland im Parallelspiel gegen Belgien (0:2) wurden dabei fast genauso gefeiert wie die eigenen vier Treffer durch Mikkel Damsgaard (38. Minute), Yussuf Poulsen (59.), Andreas Christensen (80.) und Joakim Maehle (82.). Alle Spieler und Trainer Kasper Hjulmand gingen nach dem Spiel auf eine minutenlange Ehrenrunde. «Party im Parken», titelte der dÀnische Rundfunk DR auf seiner Internetseite.

«Wir haben eine unglaubliche UnterstĂŒtzung erfahren. Ich kann das kaum in Worte fassen», sagte Christensen sichtlich bewegt. Damsgaard fand es «absolut fantastisch zu hören, wie die Leute hier durchdrehen». Und Poulsen frohlockte: «Fantastische Stimmung, fantastisches Spiel. Als Fußballer, vor allem nicht aus DĂ€nemark, passiert es einem nicht oft, solch einen Sieg in einem großen Turnier zu feiern.»

Der einzige Haken fĂŒr die DĂ€nen ist, dass sie auf genau diese leidenschaftliche UnterstĂŒtzung ab sofort verzichten mĂŒssen. Denn fĂŒr ihr K.o.-Runden-Spiel gegen Wales am Samstag (18.00 Uhr) ziehen sie jetzt nach Amsterdam um. Die schwache russische Mannschaft dagegen traf nur per Foulelfmeter von Artjom Dsjuba zum 1:2 (70.) und schied als Gruppenletzter völlig verdient aus.

GÀnsehaut-AtmosphÀre

Wie schon bei der bitteren 1:2-Niederlage gegen Belgien am vergangenen Donnerstag herrschte schon vor dem Anpfiff GĂ€nsehaut-AtmosphĂ€re im Parken Stadion der dĂ€nischen Hauptstadt. Die UEFA legte erneut ein meterlanges Trikot mit dem Namen und der RĂŒckennummer 10 des dĂ€nischen Spielmachers Christian Eriksen, der im ersten EM-Spiel gegen Finnland einen Herzstillstand erlitten hatte, auf dem Rasen aus. Die Fans feierten die Geste mit frenetischem Applaus.

Eriksen hatte das Krankenhaus am vergangenen Freitag verlassen und die Mannschaft danach besucht. «Es fĂŒhlt sich so an, als wĂŒrde das Turnier fĂŒr uns jetzt erst richtig beginnen», sagte Hjulmand vor dem Spiel. Und Christensen betonte nach dem Abpfiff: «Wir tragen Christian stets in unseren Herzen. Wir denken an ihn, wir spielen fĂŒr ihn.»

Offensives dÀnisches Spiel

Die DĂ€nen rissen die Initiative sofort an sich und agierten mit hohem physischen Einsatz klar feldĂŒberlegen. 73 Prozent Ballbesitz nach 20 Minuten belegten dies auch zahlenmĂ€ĂŸig. Die erste Chance hatten aber die Russen. Alexander Golowin (18.) tankte sich in der Mitte durch, scheiterte mit seinem zu unprĂ€zisen Flachschuss aber an DĂ€nemarks Torwart Kasper Schmeichel.

Den Gastgebern fehlten im letzten Drittel zunĂ€chst die zĂŒndenden Ideen, um die gut organisierte russische Abwehr auszuhebeln. Mit lautstarken «Danmark, Danmark»-Rufen trieben die Zuschauer ihr Team aber unverdrossen nach vorne und durften dann jubeln. Damsgaard, der nach dem Eriksen-Drama fĂŒr den 29-JĂ€hrigen in die Startformation gerutscht war, fasste sich aus mehr als 20 Metern ein Herz und dĂŒpierte Russlands Torwart Matwej Safonow.

Ein Blackout hilft DĂ€nen

Ein Blackout von Roman Zobnin begĂŒnstigte nach dem Wechsel das zweite dĂ€nische Tor. Ein RĂŒckpass des Mittelfeldspielers landete bei Poulsen, der den Ball nur noch ins leere Tor schieben musste. Wenig spĂ€ter brach erneut lautstarker Jubel auf den TribĂŒnen aus, als die Nachricht von der vermeintlichen FĂŒhrung Belgiens gegen Finnland kam. Doch der Treffer im Parallelspiel in St. Petersburg wurde wegen Abseits zurĂŒckgenommen.

Und es kam noch schlimmer: Nach einem Trikot-Zupfer von Jannik Vestergaard gab der französische Schiedsrichter ClĂ©ment Turpin Elfmeter fĂŒr die Russen, den Dsjuba sicher verwandelte. Die DĂ€nen ließen sich von diesen RĂŒckschlĂ€gen aber nicht aufhalten. Wie entfesselt spielte das Team jetzt auf und stellte durch Christensen den alten Abstand wieder her. Kurz zuvor hatten die Belgier regulĂ€r getroffen und damit die erhoffte SchĂŒtzenhilfe geleistet. Der Rest war nur noch Jubel.

@ dpa.de