11. Tinnitus-Tag der Deutschen Hörakustiker / InterdisziplinÀre Fachtagung zu Versorgung und Therapie
05.09.2024 - 15:43:10Mehr als 740 Millionen Erwachsene sind von Tinnitus betroffen. Mehr als 120 Millionen Menschen - meist ab einem Alter von 65 Jahren - leiden unter einem permanenten OhrgerĂ€usch und nehmen es als Problem wahr. Die Belastung durch einen Tinnitus fĂŒr Betroffene wird hĂ€ufig noch unterschĂ€tzt. Daher gibt es die Forderung an gesundheitspolitische EntscheidungstrĂ€ger, die Forschung zu TherapieansĂ€tzen fĂŒr Tinnitus stĂ€rker zu fördern.
Hans-JĂŒrgen BĂŒhrer, VizeprĂ€sident der Bundesinnung der Hörakustiker, begrĂŒĂte die rund 70 Experten aus dem Bereich Hörgesundheit. Die interdisziplinĂ€re Fachtagung sei laut BĂŒhrer eine feste Konstante im Rahmen des Weiterbildungsangebots der biha. Der gemeinsame Austausch mit Kollegen, Fachleuten und Wissenschaftlern ermögliche den Blick ĂŒber den eigenen Tellerrand, der fĂŒr die bestmögliche Versorgung von Tinnitus-Betroffenen wichtig sei. Durch alternative TherapieansĂ€tze aus unterschiedlichen Fachbereichen gewinnen Hörakustiker neue Perspektiven bei der Beratung und Betreuung.
PD Dr. Patrick Neff, wissenschaftliche Projektleitung der Abteilung Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie an der Medizinischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t ZĂŒrich, eröffnete das diesjĂ€hrige Programm und gab in einem Vortrag ĂŒber "Akustische Stimulation bei Tinnitus: Was wissen wir zu Tinnitusmaskierung, Soundtherapien, Tinnitusmatching und kurzfristiger akustischer TinnitusunterdrĂŒckung" einen Ăberblick ĂŒber die aktuelle Forschung.
Judith Bierle, Hörakustiker-Meisterin aus Landau in der Pfalz, beschrieb den "Umgang mit Tinnitus-Patienten in der Praxis". Als Bausteine der Tinnitus-Versorgung nannte sie neben den Ergebnissen der Audiometrie das Counseling-GesprÀch, die HörgerÀteversorgung, das Hörtraining, die Audiotherapie und Copingstrategien sowie ein interdisziplinÀres Netzwerk von Partnern vor Ort. Beim Tinnitus-Fahrplan, der individuell auf Betroffene abgestimmt werde, sollten Ziele eindeutig definiert werden.
Ăber "Tinnitus aus zahnĂ€rztlicher Sicht" sprach Dr. JĂŒrgen Dapprich, zahnĂ€rztlicher Leiter und Inhaber des CMD-Centrums in DĂŒsseldorf, Spezialist fĂŒr Funktionsdiagnostik und Therapie (DGFDT). Zu den Symptomen einer craniomandibulĂ€ren Dysfunktion (CMD) gehöre bei 57 Prozent seiner Patienten ein Tinnitus, der hauptsĂ€chlich einseitig auftrete. Im Rahmen der ganzheitlichen CMD-Therapie nehmen die OhrgerĂ€usche in der Regel ab.
Prof. Dr. Holger Schulze, Experimentelle HNO-Heilkunde, Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Kopf- und Halschirurgie am UniversitĂ€tsklinikum Erlangen, stellte die "Low-intensity noise tinnitus suppression (LINTS): Eine Behandlungsstrategie auf Basis des Erlanger Modells der Tinnitusentstehung" vor. Das Erlanger Modell betrachtet subjektiven Tinnitus als Nebeneffekt eines physiologischen Mechanismus, der die InformationsĂŒbertragung in das auditorische System mittels stochastischer Resonanz auch im gesunden Hörsystem permanent optimiert.
Die Resonanz auf die VortrĂ€ge der Hörgesundheits-Experten war sehr positiv. Zahlreiche Wortmeldungen sorgten fĂŒr eine lebhafte Diskussion mit den Referenten und fĂŒr einen intensiven fachlichen Austausch der Teilnehmer untereinander. Die AnkĂŒndigung einer Fortsetzung des Tinnitus-Tages im kommenden Jahr fand den Beifall der Teilnehmer.
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