Dubai sein ist alles - oder? Was dieses Jahr angesagt war
27.12.2024 - 05:05:37 | dpa.deDieses Jahr war einiges los. Begriffe wie «boysober», «demure» und «Talahon» tauchten auf und fast alles wurde plötzlich «nach Dubai-Art» angeboten. Was bewegte die GemĂŒter? Ein natĂŒrlich völlig unvollstĂ€ndiges Lexikon des LebensgefĂŒhls im Jahr 2024:
A wie Aura und Ampel-Aus
Zum Jugendwort des Jahres wurde «Aura» gekĂŒrt (Ausstrahlung und Charisma einer Person), zum Wort des Jahres «Ampel-Aus» (das Koalitionsende bei der Bundesregierung). Im englischsprachigen Raum ausgerufen wurden unter anderem «brain rot» (Oxford Word of the Year; in etwa GehirnfĂ€ule, meint die Auswirkungen des Konsums ĂŒbermĂ€Ăiger Mengen minderwertiger Online-Inhalte) sowie «brat» (Collins English Dictionary; steht fĂŒr eine selbstbewusste und hedonistische Haltung, inspiriert von einem Albumtitel von Charli XCX).
B wie boysober
Ăbersetzt also etwa «nĂŒchtern von Jungs sein». Dabei verzichteten Frauen (oder MĂ€nner) bewusst auf einen Beziehungs- oder Sexualpartner. Ziel ist es, mit sich selbst zufrieden zu werden, anstatt sich in nervigem Dating zu verlieren.
C wie (tethered) caps
Lose Verschlusskappen bei bestimmten GetrĂ€nken sind nun verboten. Das nervte viele plötzlich, auch wenn es nicht ganz neu ist. Grund fĂŒr die (seit Juli nun) verbindlich «angebundenen Deckel» (tethered caps) ist eine EU-Richtlinie. Kunststoffdeckel gelten als hĂ€ufigster PlastikmĂŒll an StrĂ€nden.Â
D wie Dubai-Schokolade
Eine gehypte Variante von Vollmilchschokolade, gefĂŒllt mit Pistaziencreme und Engelshaar (Kadayif; zuckersĂŒĂe TeigfĂ€dchen). Plötzlich schien 2024 alles Dubai zu sein, wenn es mit Pistazie oder womöglich angegoldet war. Es gab Pizza, CrĂȘpes, Döner, gar Currywurst im Dubai-Style. Bei der (oft) importierten Schokolade stellten Untersuchungen aufsehenerregend die QualitĂ€t infrage.
E wie EM
Die Europameisterschaft in Deutschland fĂŒhrte zu Berichterstattung ĂŒber ein Land, das so gar nicht mehr Organisations- und GrĂŒndlichkeitsweltmeister ist. Internationale Medien beschrieben Deutschland eher als Republik mit Chaos-Bahn, wenig Kundenfreundlichkeit sowie oft miesem Internet und Netzausbau.Â
F wie FuĂballtrikot in Rosa
Das pinkfarbene AuswĂ€rtstrikot der deutschen Mannschaft bei der FuĂball-Europameisterschaft wurde zu einem Verkaufsschlager fĂŒr Adidas.
G wie Geschlechtseintrag
Transgeschlechtliche, intergeschlechtliche und nicht-binÀre Menschen können seit 1.11. leichter Geschlechtseintrag und Vornamen Àndern. Das neue Selbstbestimmungsgesetz könnte unter der CDU wieder abgeschafft werden.
H wie Hype um einen Becher
Auf Social Media war der Stanley Cup, ein - nun ja - nicht gerade schöner und recht groĂer Mehrwegtrinkbecher, kaum zu ĂŒbersehen.
I wie internationale Stimmung
Nicht zuletzt der US-Wahlkampf und sein Ergebnis zeigten eine Verschiebung des Zeitgeists weg von angeblich zu hoher SensibilitĂ€t fĂŒr Minderheiten oder UnterdrĂŒckte. Engagement gegen Ungerechtigkeit? Angeblich out. Die Parole nun öfter: «Go woke, go broke.»
J wie Jools Lebron
Tiktok-Personality aus den USA, die in einem satirischen Video ĂŒber «das richtige Make-up» am Arbeitsplatz das altmodische und ironisch wieder angesagte Wort «demure» verwendete (sittsam, gesittet, zurĂŒckhaltend).Â
K wie KartengerÀt und Tip
Trinkgeld digital per Touchscreen: An immer mehr Stellen, sei es in Gastronomie oder BĂ€ckereien, gibt es nun bei KartenlesegerĂ€ten Tip-Tasten in Höhe von 7, 10, 20 oder gar 15, 25, 30 Prozent. Eine Pflicht, Trinkgeld zu geben, besteht natĂŒrlich nicht, aber der soziale Druck nervt viele.
L wie Latte reiĂen
Ein Video des französischen Stabhochspringers Anthony Ammirati ging wĂ€hrend Olympia viral, weil es so aussah, als habe er beim Stabhochsprung die Latte mit seinem groĂen Glied gerissen. Ein Fall weltweiten Penisneids.
M wie «Mama geht tanzen»
Name einer Partyreihe, die in vielen StĂ€dten Frauen am frĂŒhen Abend fĂŒr drei Stunden zum Tanzen bringt. Ende ist in der Regel gegen 23 Uhr, sodass alle noch vor Mitternacht im Bett liegen können. Von manchen wird so etwas gar als Heilmittel gegen das vielbeschworene Clubsterben angesehen.
N wie NeurodiversitÀt
Manche bekamen 2024 den Eindruck, ADHS bei Erwachsenen sei nun eine Modediagnose. Interessant ist jedenfalls, dass das alles ein neues Bewusstsein fĂŒr Krankheitszuschreibungen schafft. Viele, die sich selbst als neurodivers verstehen, bestehen darauf, im Vergleich zu «neurotypischen» Personen einfach nur «anders normal» zu sein.
O wie Oberlippenbart
MÀnner mit Moustache waren wieder angesagt: Popstars, Filmfiguren, junge Kerle von nebenan tragen wieder SchnÀuzer. Ein junger Kerl, der zum Beispiel mit Oberlippenflaum auffiel, war der neue Popstar Benson Boone.
P wie Paris
Die Stadt der Liebe geht immer - aber 2024 war sie mit Olympia und der Eröffnungsfeier sowie der Notre-Dame-Wiedereröffnung zweimal besonders im Fokus (und beide Male verregnet). Unvergessen: Céline Dion singt vom Eiffelturm «Hymne à l'amour».
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Q wie Quatschtrends
Hach, Tiktok. Viele Trends ploppen dort auf und sorgen bei Ălteren fĂŒr KopfschĂŒtteln. Vom «Mewing» bekommt man angeblich eine markantere Kieferpartie (auf Englisch: Jawline), wenn man die ZĂ€hne aufeinanderpresst. Macht halt nur den Zahnschmelz kaputt. Aua.
R wie Romantasy
Was in den Zehnerjahren der Heimatkrimi war, scheint in den aktuellen 20er Jahren «Romantasy», ein Mix aus Herzschmerz- und Fantasy-Literatur. Ăberhaupt ist «New Adult» ganz angesagt - mitreiĂende, prickelnde, sexy Literatur fĂŒr die Tiktok-Generation. Immerhin lesen Leute ĂŒberhaupt noch. BĂŒcher!
S wie sexy rodent men und soft jocks
MĂ€nner mit spitzen Gesichtern und auffĂ€lligen ZĂ€hnen (etwa die «Challengers»-Stars Mike Faist und Josh OâConnor) wurden als «rodent man» (Nagetiermann) heiĂ gefunden. MuskelmĂ€nnern, die sich auch sensibel zeigen, wurde das Etikett «soft jock» verpasst, darunter American-Football-Star Travis Kelce (Freund von Taylor Swift) und die Schauspieler Jeremy Allen und Paul Mescal.
T wie Tradwive und Talahon
Beim Online-Trend «Tradwives» prĂ€sentieren sich Frauen als Mutter und traditionelle Hausfrau, die sich gern dem erwerbstĂ€tigen Mann unterordnet. Beim Talahon (von arabisch Tahal lahon (Komm her)) geht es um junge MĂ€nner, die Trainingshose, Markenklamotten, Kettchen und Bauchtasche tragen und gern machomĂ€Ăig rumprollen.
U wie Urlauber
Demos vor allem in Spanien («Genug! Lasst uns dem Tourismus Grenzen setzen») zeigten: Die Stimmung gegen sogenannten Overtourism kann kippen.
V wie Vokuhila
Der neumodisch lieber Mullet als Vokuhila (vorne kurz, hinten lang) genannte Haarschnitt war wieder angesagt. Viele JĂŒngere finden ihn schön, was Ăltere mit 80er- und 90er-Erinnerungen oft nicht verstehen können.Â
W wie WeiĂe Socken
Vom No-Go zum Must-have: Die weiĂe Socke war lange Zeit der Alptraum von Stil-Experten, doch nun ist sie wieder voll da, am liebsten getragen zu Shorts oder ganz weiten Baggy-Hosen.Â
X wie X
2024 war auch das Jahr, in dem viele ĂŒberlegten, man mĂŒsse nun wegen des X-Besitzers, MilliardĂ€rs und Trump-Fans Elon Musk das frĂŒhere Twitter verlassen, weil dort die AtmosphĂ€re zu rau und rechtsextrem geworden sei.
Y wie «...You Kiss Me»
Hit des Jahres: Mit «I Like The Way You Kiss Me» fĂŒhrt der Brite Artemas (25) die offiziellen deutschen Single-Jahrescharts von GfK Entertainment an.
Z wie «Zu viel des Guten»
Der Berliner Star-Gastronom The Duc Ngo mag keine aufdringlich riechenden GĂ€ste in seinen Restaurants. Aus RĂŒcksicht auch auf andere GĂ€ste solle bitte weniger Parfum genutzt werden: «Manchmal ist es einfach zu viel des Guten.»
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