Wer gewinnt beim Filmfest Venedig?
06.09.2024 - 07:00:37Vor dem Ende der Filmfestspiele Venedig gibt es einige heiĂe AnwĂ€rter auf Auszeichnungen. Geht man nach dem Urteil vieler Kritiker, dĂŒrfte vor allem «The Voice of Hind Rajab» gute Chancen auf den Goldenen Löwen haben. Filme, die unter Kritikern beliebt sind, sind aber nicht zwangslĂ€ufig ein Anhaltspunkt dafĂŒr, wie die Jury sich entscheidet.
Zudem sind am Freitag noch drei Premieren geplant. Darunter das neue Werk der Berlinale-Gewinnerin IldikĂł Enyedi, «Silent Friend»: die einzige deutsche Produktion im Wettbewerb. Die ungarische Filmemacherin ist bekannt fĂŒr ungewöhnliche, poetische ErzĂ€hlweisen. Ihr neuer Film spielt in Marburg, unter anderem Martin Wuttke und Luna Wedler sind dabei.
PalÀstinensischer Film bekam am meisten Applaus
Die tunesische Regisseurin Kaouther Ben Hania hat sich mit «The Voice of Hind Rajab» fĂŒr eine emotionale, drastische ErzĂ€hlweise entschieden. Sie erzĂ€hlt darin von den letzten Momenten im Leben des palĂ€stinensischen MĂ€dchens Hind Rajab im Gazastreifen, das im Alter von fĂŒnf Jahren starb. Der Film, der den 7. Oktober 2023 als Auslöser des Krieges nicht thematisiert, bekam nach der Premiere auĂergewöhnlich langen Applaus - lĂ€nger als jeder andere Wettbewerbsbeitrag.
Zentrales Element des Dokudramas ist ein echter Telefonmitschnitt. WĂ€hrend Hind Rajab im Januar 2024 im beschossenen Wagen zwischen getöteten Familienmitgliedern festsaĂ, telefonierte sie rund drei Stunden lang immer wieder mit Freiwilligen des PalĂ€stinensischen Roten Halbmonds und flehte um Hilfe.
Politischer US-Thriller ist weiterer Favorit
Unter den internationalen Kritikern beliebt war auch Kathryn Bigelows Thriller «A House of Dynamite». Der Film spielt in den letzten Minuten vor einem wahrscheinlichen atomaren Raketeneinschlag in den USA. Innerhalb eines kurzen Zeitfensters entfaltet sich der Film in Echtzeit aus verschiedenen Perspektiven â etwa im WeiĂen Haus oder einer MilitĂ€rbasis in Alaska.
Gut kam auch das neue Werk von Park Chan-wook an. In «No Other Choice» erzĂ€hlt der SĂŒdkoreaner von einem entlassenen Papierfabrikarbeiter, der verzweifelt versucht, seine Familie zu ernĂ€hren, und dabei moralische Grenzen ĂŒberschreitet. Der Film mischt schwarzen Humor mit Gesellschaftskritik.Â
Amanda Seyfried erhielt Lob fĂŒr Rolle als SektenfĂŒhrerin
FĂŒr viel GesprĂ€chswert sorgte das Musical «The Testament of Ann Lee». Der Film von Mona Fastvold erzĂ€hlt die Biografie der Britin Ann Lee (1736-1784), der GrĂŒnderin der «Shaker»-Sekte im 18. Jahrhundert. Amanda Seyfried wurde fĂŒr ihre Hauptrolle gelobt, in der sie drastische Szenen von Geburt, Schmerz und ekstatischem Glauben verkörpert.
Die Preisverleihung der Filmfestspiele Venedig findet am Samstagabend (6. September) statt. Hauptpreis ist der Goldene Löwe, 21 Filme konkurrieren um den Preis. Jury-PrÀsident ist der US-amerikanische Regisseur Alexander Payne.
AuĂerdem gehören der Jury der französische Schauspieler StĂ©phane BrizĂ©, die italienische Regisseurin Maura Delpero, der rumĂ€nische Regisseur Cristian Mungiu, der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof, die brasilianische Schauspielerin Fernanda Torres sowie die chinesische Schauspielerin Zhao Tao an.









