Atomkraft, Tschernobyl

40 Jahre nach Tschernobyl: Österreich ist deutlich Atomkraft-kritischer als Deutschland

21.04.2026 - 09:00:00 | pressetext.de

Wien - * Drei Viertel befürworten, dass es in Österreich kein Atomkraftwerk gibt * Deutschland im Vergleich: Nur 40 % unterstützen den Atomkraft-Ausstieg * Nur ein Drittel (35 %) sorgt sich heute vor einem Atomunfall * Lediglich 20 % haben für einen atomaren Katastrophenfall vorgesorgt

Wien - * Drei Viertel (76 %) befürworten, dass es in Österreich kein Atomkraftwerk gibt * Deutschland im Vergleich: Nur 40 % unterstützen den Atomkraft-Ausstieg * Nur ein Drittel (35 %) sorgt sich heute vor einem Atomunfall * Lediglich 20 % haben für einen atomaren Katastrophenfall vorgesorgt

Angriffe auf kritische Infrastruktur und die Frage der Energiesicherheit haben die Atomkraftfrage wieder stärker ins Zentrum gerückt. Dabei zeigen sich innerhalb Europas Unterschiede: Während Atomkraft in Österreich weiterhin kritisch gesehen wird, ist unser Nachbarland Deutschland deutlich offener gegenüber Nutzung von Atomenergie. Im Alltag bleibt das Thema dennoch abstrakt. Eine nukleare Gefahr wird von wenigen Menschen wahrgenommen, konkrete Vorsorgemaßnahmen für den Ernstfall gibt es kaum.

Dabei erinnern sich viele an den Super-GAU, der den Alltag schlagartig veränderte: Der Verkauf frischer Lebensmittel war eingeschränkt, Spielplätze und Sportanlagen geschlossen, und im persönlichen Umfeld gab es kaum ein anderes Gesprächsthema. Was ein wenig an die Corona Pandemie erinnert, beschreibt die Folgen des Reaktorunfalls von Tschernobyl am 26. April 1986. Die Katastrophe war ein Moment massiver Verunsicherung, der das Leben von einem Tag auf den anderen veränderte. Vier Jahrzehnte später ist das Ereignis weiterhin tief im kollektiven Gedächtnis verankert. Gleichzeitig zeigt sich ein deutlicher Widerspruch zwischen historischer Erfahrung, aktueller Einschätzung und persönlicher Notfallvorsorge. Eine aktuelle INTEGRAL-Studie zum Jahrestag der Katastrophe hat die Stimmungslage in Österreich untersucht.

Tschernobyl prägt die Erinnerung, aber nicht das Verhalten

Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, dem heute in der Ukraine liegenden Tschornobyl, ist im gesellschaftlichen Bewusstsein nach wie vor präsent: 94 % haben davon bereits gehört, bei den über 50-Jährigen sind es nahezu alle (99 %). 48 % der Befragten können genau erklären, was damals geschehen ist, weitere 46 % erinnern sich zumindest oberflächlich.

Falls bekannt, hatte das Ereignis nachhaltige Wirkung: 60 % geben an, dass Tschernobyl ihre grundsätzliche Einstellung zur Atomkraft verändert hat. Besonders ausgeprägt ist dieser Einfluss bei Frauen (71 %), während er bei Männern (49 %) deutlich geringer ausfällt.

Dennoch spielen Langzeitfolgen heute für die Mehrheit kaum eine Rolle – etwa beim Lebensmitteleinkauf: 68 % machen sich selten oder nie Gedanken über eine mögliche Strahlenbelastung von Pilzen oder Wildfleisch, die selbst 40 Jahre nach der Atomkatastrophe noch erhöhte Werte aufweisen können. Männer und Befragte mit Matura zeigen sich dabei besonders unbesorgt.

Gestiegenes Risiko, trotzdem geringe Sorge um Atomunfall

Dass es in Europa heute zu einem schweren Atomunfall kommen könnte, stimmt nur wenige besorgt: 8 % machen sich überhaupt keine, weitere 54 % nur geringe Sorgen. Frauen äußern dabei deutlich stärkere Bedenken als Männer. Gleichzeitig schätzen 66 %, dass durch den Krieg in der Ukraine das Risiko eines Atomunfalls in Europa gestiegen ist. 41 % sorgen sich konkret um die Sicherheit der stillgelegten Kraftwerkruine in Tschernobyl.

Kaum Vorsorge für Ernstfall – weder privat noch staatlich

Entsprechend überrascht es nicht, dass die Menschen in Österreich sowie in Deutschland kaum für den Fall einer Atomkatastrophe vorgesorgt haben. Nur 20 % geben an, Vorkehrungen getroffen zu haben – 18- bis 29-Jährige und Befragte mit Matura liegen hier über dem Schnitt. 30 % haben sich immerhin informiert, was im Ernstfall zu tun oder zu unterlassen ist (z.B. Lüftung abschalten, Leitungswasser meiden).

Auch dem Staat wird wenig Vertrauen entgegengebracht: Nur 19% sind der Ansicht, Österreich wäre für den Fall einer Atomkatastrophe gut vorbereitet. Männer, 18- bis 29-Jährige und Befragte aus Wien urteilen hier positiver.

"Atomkraft? Nein danke"

Die Haltung zur Atomkraft ist eindeutig. Drei Viertel (76 %) finden es richtig, dass in Österreich kein Atomkraftwerk betrieben wird. 58 % gehen noch weiter und befürworten einen Ausstieg aus der Atomkraft in ganz Europa. Verunsicherung verursacht auch die ungelöste Frage der Atommüll-Lagerung: 67 % haben diesbezüglich Angst. Bei gewünschten Formen der Energiegewinnung liegt Atomkraft daher mit 12 % deutlich abgeschlagen hinter Erneuerbaren wie Wasserkraft (78 %), Photovoltaik (77 %), Windkraft (70 %) und Biomasse (41 %).

Argumente für Atomkraft finden dagegen nur bei einer Minderheit Zuspruch: 18 % befürworten Atomkraft im Sinne des Klimaschutzes, 23 % mit dem Ziel der Kostenersparnis und 24 % im Dienste der Versorgungssicherheit.

Zwischen Ablehnung und Pragmatismus: Einstellungen zu Atomkraft in Österreichs Lebenswelten

Die Haltung gegenüber Atomkraft ist stark von den grundlegenden Lebenseinstellungen geprägt. Ein Blick auf die Sinus-Milieus ( https://www.integral.co.at/sinus-milieus/sinus-milieus-oesterreich ) verdeutlicht diesen Einfluss. In diesem Modell, das Menschen nach ihren Werten und Lebensstilen in "Gruppen Gleichgesinnter" zusammenfasst, lassen sich Milieus identifizieren, die Atomkraft besonders kritisch gegenüberstehen – und auch jene, die einen pragmatischen Zugang zur Nuklearenergie pflegen.

Das verantwortungsbewusste und nachhaltigkeitsorientierte Postmaterielle Milieu und das veränderungswillige und problembewusste Progressiv-Realistische Milieu eint die Sorge um die Auswirkungen der Atomkraft. Sie lehnen diese Art der Energiegewinnung entsprechend klar ab.

Dagegen pflegen die nutzenorientierte Adaptiv-Pragmatische Mitte und die risikoaffinen Kosmopolitischen Individualisten teilweise einen offen-pragmatischen Zugang zu Atomkraft. "In diesen beiden Milieus findet sich noch am ehesten die Ansicht, dass Atomkraft eine Lösung für Klimaschutz, Kostenersparnis oder Versorgungssicherheit darstellen könnte. Allerdings ist sogar hier die Mehrheit skeptisch", so INTEGRAL-Geschäftsführer Bertram Barth.

Deutschland ist Atomkraft-freundlicher und kaum vorbereitet

Im Vergleich mit Deutschland wird schnell deutlich, dass unser Nachbarland auf langjährige und über Jahrzehnte unfallfreie Nuklearnutzung bis 2023 zurückblickt. Das INTEGRAL-Schwesterinstitut SINUS hat in Kooperation mit YouGov für Deutschland herausgefunden: Die Ablehnung der Atomkraft ist dort deutlich geringer ausgeprägt als hierzulande: Nur 40 % finden es richtig, dass Deutschland auf Atomkraftwerke verzichtet (vs. 76 % in Österreich), für die Stromerzeugung wünschen sich 39 % Atomkraft (vs. 12 %) und der Anteil jener, die Atomkraft mit Blick auf Klimaschutz, Kostenersparnis oder Versorgungssicherheit befürworten, ist gut doppelt so hoch wie in Österreich.

Vorkehrungen für den Ernstfall fallen in Deutschland noch etwas dürftiger aus: Nur 15 % haben für eine Atomkatastrophe vorgesorgt (vs. 20 % in Österreich), 25 % haben sich über Maßnahmen für den Ernstfall informiert (vs. 30 %) und nur 14 % vertrauen darauf, dass der Staat für den Fall einer Atomkatastrophe gut vorbereitet wäre (vs. 19 %).

Methodischer Hinweis Die Ergebnisse beruhen auf einer INTEGRAL-Eigenforschung, für die zwischen dem 5. und 23. März 2026 n=1.000 Personen aus dem Austrian Onlinepool online befragt wurden, repräsentativ für die österreichische Wohnbevölkerung im Alter von 18 bis 75 Jahren.

Über INTEGRAL INTEGRAL ist ein Full-Service-Institut und Anbieter maßgeschneiderter Marktforschungslösungen auf wissenschaftlicher Basis, von der Datenerhebung bis zur Lieferung handlungsrelevanter Informationen und Empfehlungen. INTEGRAL kooperiert eng mit den Schwesterunternehmen SINUS Markt- und Sozialforschung in Heidelberg und Berlin und OPINION Market Research & Consulting, Nürnberg (INTEGRAL-SINUS-OPINION Gruppe). In Kooperation mit dem Heidelberger SINUS-Institut, dessen Mehrheitsanteile INTEGRAL im Jahr 2009 übernommen hat, engagiert sich der österreichische Marktforscher intensiv in der Sinus-Milieu Forschung. Die Ergebnisse bieten Marketingentscheidern aus Unternehmen, Medien und Politik wettbewerbsrelevante Informationen über Märkte und Zielgruppen.

Bilddownload: https://we.tl/t-hNSUGfhnTwo7Cas8 ( https://we.tl/t-hNSUGfhnTwo7Cas8 )(Fotocredit: INTEGRAL Markt- und Meinungsforschungsges.m.b.H)

Für Rückfragen: Dr. Bertram Barth, Geschäftsführer und Mag. Sandra Cerny, Öffentlichkeitsarbeit; www.integral.co.at ( http://www.integral.co.at/ ), Anfragen an office@integral.co.at , Tel.Nr.: +43 1 79 91 994

Externer Medienkontakt: Doris Spiegl, ds@dorisspiegl,at, Tel.Nr.: +43 676 54 01 594

(Ende)

Aussender: INTEGRAL Markt- und Meinungsforschung GmbH Ansprechpartner: Sandra Cerny Tel.: +43 1 799 1994 21 E-Mail: sandra.cerny@integral.co.at Website: www.integral.co.at

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
de | unterhaltung | 69226711 |