âADHS â Karriere einer Diagnoseâ â Neue âY-Historyâ-Reportage des MDR in der ARD Mediathek
13.10.2025 - 10:51:42Zahlreiche Influencerinnen erzÀhlen von ihrer ADHS-Diagnose oder diagnostizieren sich selbst. Jede bzw. jeder vierte Erwachsene in den USA glaubt, von der Aufmerksamkeitsdefizit-HyperaktivitÀtsstörung betroffen und bisher nicht diagnostiziert zu sein. Wie kann es sein, dass so viele Menschen eine Störung haben oder glauben, sie zu haben? Eine Störung, die noch vor wenigen Jahrzehnten kaum jemand kannte? Welche Rolle spielt Social Media dabei? Ist ADHS wirklich eine Modediagnose, oder gab es diese unaufmerksamen, hyperaktiven oder impulsiven Menschen schon immer?
Auch âY-Historyâ-Reporterin Rieke bekommt tĂ€glich ADHS-Content in ihre Social-Media-Timelines gespĂŒlt. Sie glaubt, dass sie kein ADHS hat â doch bei manchen Inhalten erkennt auch sie sich wieder und beginnt nachzudenken. Die 38-jĂ€hrige Protagonistin Meike hingegen ist sich ihrer Sache relativ sicher: Ihr Leidensdruck ist hoch. Rieke begleitet sie bei ihrer anstehenden Diagnostik und fiebert mit, denn eine Diagnose, die eine medikamentöse Behandlung ermöglichen könnte, wĂ€re fĂŒr Meike möglicherweise eine Befreiung. Doch hat Meike am Ende wirklich ADHS?
ADHS bei Frauen: hochaktuelles Thema im geschichtlichen Kontext
âMit dem Thema âADHS bei Frauenâ greift der Film ein hochaktuelles Thema in typischer âYâ-Manier auf â engagiert, informiert und absolut auf Augenhöhe mit Protagonistinnen wie mit der Zielgruppeâ, betont Christina HerĂebroick, MDR-Hauptredaktionsleiterin Gesellschaft. Dazu komme der Film zeitlich genau richtig. Denn im Oktober machen Initiativen bundesweit auf die Brisanz dieser Leiden aufmerksam. Und weiter: âDurch den geschichtlichen Kontext stellt âY-Historyâ bei diesem Thema zudem die gesellschaftliche Relevanz in einer Art dar, mit deren ErzĂ€hltiefe unser ARD-Format hier ein absolutes Alleinstellungsmerkmal hat.â
TatsĂ€chlich rĂŒckte ADHS bei Erwachsenen erst in den 1980er-Jahren ins Blickfeld der Psychiatrie. Bei Kindern beobachtet man die Symptome schon frĂŒher. Dass sie sich bei Frauen anders zeigen können als bei MĂ€nnern, wurde sogar erst vor wenigen Jahren zum Thema. Das beobachtet auch die ADHS-Expertin und Psychologin Dr. Astrid Neuy-Lobkowicz, die seit Jahren zu ADHS bei Frauen forscht â lange Zeit unbeachtet. Sie betont, wie wichtig Diagnosen sind: Mit den gesundheitlichen und sozialen Problemen, die unbehandeltes ADHS oft mit sich bringt, könne die Lebenserwartung bei Frauen im Durchschnitt um neun Jahre sinken (bei MĂ€nnern sieben Jahre).
Reporterin Rieke begibt sich auf ihrer Spurensuche noch weiter in die Vergangenheit. Mit dem Psychiatrie-Historiker Prof. Holger Steinberg aus Leipzig blĂ€ttert sie in Aufzeichnungen alter NervenĂ€rzte um 1900. Gab es Hinweise auf die Symptome der heutigen âModediagnose ADHSâ bei Erwachsenen vielleicht schon damals â und sind sie nur in Vergessenheit geraten? Oder ist ADHS tatsĂ€chlich ein PhĂ€nomen unserer Zeit?
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