Organspende, Tod

Organspende: Wie der Tod Leben retten kann / Immer noch gibt es zu wenig Organspenden in Deutschland. In LĂ€ndern wie Portugal oder Spanien gelten Organspender als Lebensretter

02.04.2024 - 09:00:00

Baierbrunn - Viele Patienten warten auf Organe wie Lunge, Herz oder Leber. 2023 waren es in Deutschland etwa 8.400. Doch nur 965 Personen spendeten nach dem Tod Organe. Mit dramatischen Folgen: "Es sterben Menschen auf der Warteliste, die man hĂ€tte retten können", sagt Dr. Ana Paula Barreiros, GeschĂ€ftsfĂŒhrende Ärztin bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) Region Mitte im Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau".

Hirntod-Diagnose hierzulande absolut sicher

2023 starben mindestens 650 Menschen, die ein neues Organ gebraucht hĂ€tten.In Deutschland kommen auf eine Million Einwohner 11,4 Spenderinnen und Spender. Zum Vergleich: 2022 gab es in Österreich etwa 25 und in Portugal 31 Spenderinnen und Spender auf eine Million Einwohner. In Spanien waren es sogar 46 - die meisten weltweit. Ärztin Barreiros kennt den Grund: "In LĂ€ndern wie Portugal oder Spanien gelten Organspender als mehrfache Lebensretter."

Ärztinnen und Ärzte dĂŒrfen Menschen nur dann Organe entnehmen, wenn der Hirntod festgestellt wurde, also das Gehirn unumkehrbar ausgefallen ist. Doch um den Hirntod ranken sich viele Mythen. "Es gibt die Ängste, dass man vielleicht gar nicht tot ist und die Organe entnommen werden", beobachtet Dr. Thomas Weig, Transplantationsbeauftragter am Uniklinikum der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen. In Deutschland laufen alle Hirntoduntersuchungen jedoch nach einem strengen Protokoll ab, das die BundesĂ€rztekammer vorgibt. "Die Diagnose des Hirntods ist also absolut sicher hierzulande", so Weig.

Widerspruchslösung wĂŒrde helfen

Es gĂ€be viele AnsĂ€tze, die Zahl der Organspenderinnen und -spender zu erhöhen. Eine davon: die sogenannte Widerspruchslösung einzufĂŒhren. Die gilt in den meisten europĂ€ischen LĂ€ndern. Dabei ist jede und jeder automatisch Organspender. Es sei denn, sie oder er widerspricht. 2020 wurde die EinfĂŒhrung der Widerspruchslösung in Deutschland diskutiert. Eine Mehrheit im Bundestag stimmte jedoch dagegen. So gilt hier die Entscheidungslösung. Das heißt: Die Menschen sollen regelmĂ€ĂŸig informiert werden und dann eine Entscheidung treffen.

Ärztin Barreiros berichtet in der "Apotheken Umschau", dass das nicht wie erhofft funktioniert: "Ich glaube, die Widerspruchslösung könnte eher dazu beitragen, dass Bewusstsein fĂŒr das Thema zu fördern", sagt sie. "Mit ihr könnte auch in Deutschland eine Kultur der Organspende entstehen - Ă€hnlich wie in anderen LĂ€ndern." TatsĂ€chlich passiert etwas: Nach einer Initiative der LĂ€nder Baden-WĂŒrttemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen hat der Bundesrat Ende 2023 fĂŒr die Widerspruchslösung gestimmt. Er hat die Bundesregierung aufgefordert, diesen Weg in das Transplantationsgesetz aufzunehmen.

Gut zu wissen: Organstransplantierte, die Immunsuppressiva nehmen, haben Anspruch auf bis zu zwei Termine fĂŒr eine erweiterte Medikationsberatung in ihrer Apotheke vor Ort.

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