SkirennlĂ€ufer Jacob Schramm ĂŒber sein Comeback / Der Weg zurĂŒck ist lang und hart, aber ich bin ein KĂ€mpfer!
09.09.2025 - 08:00:04Jacob, du bist im Januar 2025 bei einem Trainingslauf in KitzbĂŒhel schwer gestĂŒrzt. Was genau ist passiert?
"Ich hatte mir einige Wochen vorher bei einem Sturz in Vorbereitung auf den Weltcup den linken Ellenbogen gebrochen und war ehrlich gesagt ein wenig gestresst und mĂŒde, weil ich schnell wieder fit sein wollte fĂŒr KitzbĂŒhel. Beim Abfahrtstraining auf der Streif war ich gut unterwegs, habe aber eine kleine Welle auf der Piste ĂŒbersehen und aufgrund der Erschöpfung nicht gegensteuern können. Durch den hohen Kurvendruck und den Slip Catch Mechanismus* ist mir das vordere Kreuzband rechts noch wĂ€hrend der Fahrt gerissen. Danach habe ich die Kontrolle komplett verloren und bin mit hoher Geschwindigkeit ins Fangnetz geprallt. Dabei habe ich mir das linke Knie luxiert - beide KreuzbĂ€nder, das Ă€uĂere Seitenband und einige Muskelstrukturen sind deshalb gerissen. Zudem hatte ich eine leichte GehirnerschĂŒtterung."
Was ist dir in dem Moment durch den Kopf gegangen?
"Beim rechten Knie wusste ich sofort, dass es ein Riss des vorderen Kreuzbandes war. Als ich im Fangnetz auf mein linkes Knie geschaut habe und es im 45-Grad-Winkel nach innen stand, dachte ich zuerst an einen Bruch, weil sehr viel Rot zu sehen war - Farbe der Werbebande und durch mein Nasenbluten, wie sich spĂ€ter herausstellte. Ich war komplett geschockt und habe deswegen wahrscheinlich auch nicht ganz so viele Schmerzen im ersten Moment verspĂŒrt. Etwa zwei Minuten nach dem Sturz hat mich ein Arzt vor Ort sediert und das linke Knie direkt wieder eingerenkt - aber das habe ich schon gar nicht mehr bewusst mitbekommen. Ich bin dann mit dem Rettungshubschrauber in das Krankenhaus im nahen St. Johann (Tirol) geflogen worden und spĂ€ter ging es weiter in die OrthopĂ€dische Chirurgie MĂŒnchen (OCM), wo mich unser Mannschaftsarzt Dr. Manuel Köhne, Spezialist fĂŒr OrthopĂ€die und Unfallchirurgie, operiert hat."
Wie oft musstest du operiert werden?
"Insgesamt dreimal: erst das rechte, danach in der gleichen Narkose das linke Knie, bei dem unter anderem die MuskelansĂ€tze wieder fixiert wurden. Und rund zwei Monate spĂ€ter noch einmal die KreuzbĂ€nder am linken Knie. Die ersten Tage nach dem Unfall waren mental und körperlich sehr schwierig. Schlafen war anfangs aufgrund der Schmerzen fast unmöglich. Und auch im Kopf war ich stĂ€ndig am GrĂŒbeln: Was wird aus meinem linken Bein? Aus meiner Karriere? Die medizinische Prognose war, dass ich wahrscheinlich ĂŒber ein Jahr bis MĂ€rz 2026 nicht mehr auf die Piste könne - die Olympischen Spiele in Cortina d'Ampezzo konnte ich abschreiben. Viele aus meinem Umfeld haben sogar bezweifelt, ob ich jemals wieder auf Skiern stehen werde. Das war bitter!"
Dr. Köhne, Sie haben alle Operationen bei Jacob durchgefĂŒhrt. Wie hĂ€ufig kommt es vor, dass sich Sportler:innen drei KreuzbĂ€nder reiĂen?
"Es ist ausgesprochen selten, dass beide Kniegelenke gleichzeitig bei einem Unfall betroffen sind. In meiner gesamten Laufbahn mit ĂŒber 10.000 Knie-Operationen habe ich das bisher nur rund 20- bis 30-mal gesehen. Die Herausforderung fĂŒr uns Operateur:innen ist in so einem Fall zum einen die KomplexitĂ€t der Verletzung links mit Knieluxation und zum anderen das Zeitmanagement bei der Versorgung von so vielen Verletzungen. Der Plan bei Jacob war, in einer Narkose zwei Operationen durchzufĂŒhren: einmal das rechte Knie mit Kreuzbandersatz-Plastik durch Quadrizepssehne und Meniskusnaht. Danach habe ich mich am linken Knie um die peripheren Strukturen wie Muskulatur, AuĂenband und Weichteile gekĂŒmmert. Nach einer Rehabilitationsphase von einigen Wochen war eine weitere Operation mit Versorgung des vorderen und hinteren Kreuzbandes links nötig. Gerade bei so schweren Knieverletzungen macht es oft Sinn, die Versorgung der vielen einzelnen verletzten Strukturen auf zwei Operationen aufzuteilen. Das Ziel: trotzdem die Rehazeiten möglichst gering zu halten, damit Jacob schnell wieder auf die Beine kommt."
Jacob, wie wurdest du anfangs therapiert?
"Da ich im Rollstuhl saĂ und eine ebenerdige Wohnung brauchte, bin ich in eine Ferienwohnung in Berchtesgaden gezogen, die mir mein Physiotherapeut Marcus Hirschbiel zur VerfĂŒgung gestellt hat. Das war ein echter GlĂŒcksgriff, weil mein Physio direkt bei mir war, wir sofort mit leichter Bewegungstherapie begonnen haben und ich zudem tĂ€glich Lymphdrainagen bekommen habe. Zudem habe ich sofort die medi Knieorthesen M.4s comfort fĂŒr mein rechtes Knie und M.4s PCL dynamic fĂŒr mein linkes Knie erhalten und den medizinischen Kompressionsstrumpf medi Rehab one fĂŒr beide Beine. Die KompressionsstrĂŒmpfe waren super hilfreich: Sie fördern den Lymphabfluss, reduzieren auftretende Ădeme und können einer Ădembildung entgegenwirken. Ich habe sie den ganzen Tag getragen. Durch die Knieorthesen konnten die Ergebnisse meiner Operation gesichert und weitere SchĂ€den bis zur nĂ€chsten Operation verhindert werden."
Wie lange hast du die Knieorthesen getragen?
"Die M.4s comfort habe ich rund acht Wochen genutzt, die M.4s PCL dynamic wesentlich lĂ€nger - ich habe sie wĂ€hrend meiner Operationen und auch nach meinem zweiten OP-Termin fĂŒr weitere zehn Wochen tĂ€glich getragen. Danach hatte ich sie nur noch beim Wandern an, weil sie mich vor allem bergab supportet. Beide Orthesen haben mich bei den ersten Gehversuchen mit einem Rollator rund zwei Wochen nach dem ersten OP-Termin und spĂ€ter mit KrĂŒcken gut stabilisiert und sind meinen Fortschritt mitgegangen. Besonders praktisch war, dass ich sie fĂŒr meine Physiobehandlungen einfach an- und ausziehen konnte und sie sich leicht öffnen lieĂen. Auch mental waren sie hilfreich: Du weiĂt, da ist ein Schutz - das gibt Vertrauen."
Lieber Dr. Köhne, wie wichtig sind generell Hartrahmenorthesen bei Knieverletzungen wie Jacob sie hatte?
"Gerade bei komplexen und / oder beidseitigen Verletzungen ist eine Orthese zwingend erforderlich und absolut notwendig fĂŒr eine sichere Genesung. Wenn beide Kniegelenke simultan operiert werden, kann kein Gelenk vollstĂ€ndig entlastet werden. Eine auf die Rehabilitation abgestimmte Orthese kann hier die Einheilung trotzdem sichern. AuĂerdem konnten wir den Bewegungsradius im Laufe der Rehabilitation immer wieder modifizieren und dem Heilungsverlauf anpassen."
Wie ist grundsÀtzlich das Therapieprotokoll nach solchen Verletzungen?
"Je komplexer und auĂergewöhnlicher die Verletzungen sind, umso weniger gibt es standardisierte Therapieprotokolle. Sinnvoll ist, die Protokolle der Einzelverletzungen anzupassen. Aber man muss immer Kompromisse eingehen aufgrund der Kombination der Verletzungen, um allen Strukturen gleichzeitig gerecht zu werden. Hierzu ist eine hohe Compliance der Patient:innen erforderlich. Zudem braucht es ein fachlich versiertes OP-Team sowie eine individualisierte und hochqualitative Rehabilitation durch erfahrene FachkrĂ€fte ohne groĂe personelle und örtliche Wechsel. Jacob hat mit dem Therapeuten seines Vertrauens alle Reha-Schritte in den ersten Monaten reibungslos und mit groĂem Erfolg sowie unglaublichem Fortschritt absolviert."
Jacob, wie sieht aktuell dein Trainingspensum aus?
"Ich trainiere sechsmal die Woche, davon an fĂŒnf Tagen Krafttraining und am Samstag meistens Ausdauer. Joggen kann ich noch nicht, aber Radfahren klappt gut. Ich freue mich ĂŒber jeden Fortschritt. Wir schauen einfach von Woche zu Woche, dass wir die Belastungen weiter hochfahren und gewisse Bewegungen ins Training einbauen. Kniebeugen mit rund 80 Kilogramm zusĂ€tzlichem Gewicht kann ich mittlerweile schmerzfrei durchfĂŒhren, nur meine hintere Muskelkette am linken Bein bereitet noch etwas Probleme. Aber wir bauen gerade dynamische Movements ein mit kleinen Hopsern, schnelleren Stopps und seitlichen Schritten. Meine KreuzbĂ€nder mĂŒssen alles wieder lernen - und das auch durch schnelle Bewegungen und hohe Lasten."
Du hattest in der Vergangenheit schon einige Verletzungen - inwiefern beeinflusst das, wie du aktuell damit umgehst?
"Es sind Erfahrungswerte, die mir jetzt zugutekommen! Ich kann zum einen die Schmerzen einschÀtzen, die im Reha-Verlauf immer wieder auftreten - bei meinem ersten Kreuzbandriss vor knapp zehn Jahren war alles neu. Bei jedem Zwicken und Ziehen bin ich zum Physiotherapeuten gerannt und habe gefragt, ob wieder etwas kaputt gegangen ist. Zum anderen habe ich eine genaue Vorstellung, was auf mich zukommt und welche Schritte es braucht, damit ich wieder Skifahren kann. Es hilft mir, durch die schwere Zeit zu kommen, und motiviert, meine Trainingseinheiten zu absolvieren."
Wie wichtig ist dabei die UnterstĂŒtzung von Familie und deinem Umfeld?
"Enorm! Ich bin unendlich dankbar, dass meine Eltern in den ersten sechs Wochen fast durchgehend bei mir waren und sich auch danach abwechselnd um mich gekĂŒmmert haben. AuĂerdem ist meine Freundin zu mir in die Ferienwohnung nach Berchtesgaden gezogen und hat mich im Alltag unterstĂŒtzt - vor allem mental. Mein ganzes Umfeld - Freund:innen, Trainer:innen, Kolleg:innen und der DSV - war fĂŒr mich da und hat mir den RĂŒcken gestĂ€rkt, gerade wenn es mal nicht so rund lief. Das ist unglaublich wertvoll! Und ich arbeite mit einem Sportpsychologen zusammen, um den Sturz aufzuarbeiten und Perspektiven zu entwickeln."
Was sind deine nÀchsten sportlichen Ziele?
"Mein groĂer Traum ist Olympia 2030. Allein der Gedanke daran gibt mir Kraft. Bis dahin hat mein linkes Knie noch genĂŒgend Zeit, sich zu erholen und ich kann fleiĂig an meinem Comeback arbeiten. Wenn alles gut lĂ€uft, kann ich vielleicht schon in diesem Winter wieder auf die Piste. Aber der Fokus liegt ganz klar auf StabilitĂ€t, nicht auf Eile."
Welche Tipps hast du fĂŒr Betroffene mit Ă€hnlichen Verletzungen?
"Realistische Ziele setzen - kleine wie groĂe. Das motiviert! Und sich gute Spezialist:innen, Ărzt:innen und Physiotherapeut:innen suchen. Das Wichtigste ist aber, Geduld mit sich und seinem Körper zu haben und positiv zu bleiben - das beeinflusst die Heilung mehr, als man denkt."
Vielen Dank fĂŒr das GesprĂ€ch und fĂŒr dich, Jacob, weiterhin alles Gute!
* Als Slip Catch Mechanismus versteht man im Skisport ein typisches Verletzungsmuster: Dabei verlieren die Sportler:innen in der Kurve die Kontrolle ĂŒber den AuĂenski. Der AuĂenski hat kurzfristig keinen Bodenkontakt mehr. Wird der Bodenkontakt wieder hergestellt, kommt es gleichzeitig zu einer Innenrotation und einem Valgusstress im Kniegelenk. ZusĂ€tzlich wird das Kniegelenk aus einer Streckstellung in eine hohe Flexionsstellung gezwungen.
Surftipps:
www.medi.de/produkte/orthesen/knieorthesen/
www.medi.de/diagnose-therapie/knieschmerzen/
www.medi.de/unternehmen/kooperationen/
www.medi.de/arzt/therapietipps/orthopaedische-therapie/kreuzbandruptur-vordere
Zweckbestimmungen:
M.4Âźs PCL dynamic und M.4sÂź comfort: Rahmenorthese zur FĂŒhrung und Stabilisierung des Kniegelenks mit Extensions- / Flexionsbegrenzung
medi RehabÂź one: Rundgestrickter medizinischer Kompressionsstrumpf zur kompressiven Versorgung der unteren ExtremitĂ€ten, hauptsĂ€chlich zur Vorbeugung und Behandlung von postoperativen und posttraumatischen Ădemen und allgemeinen SchwellungszustĂ€nden.
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