Pinel gGmbH, Initiative fĂŒr psychisch Kranke, feiert 55-jĂ€hriges JubilĂ€um und fordert eine StĂ€rkung der Berliner Gemeindepsychiatrie
21.11.2024 - 12:00:00Seit 55 Jahren engagiert sich Pinel fĂŒr Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung oder in akuten Krisensituationen ihr Leben und ihren Alltag nicht allein bewĂ€ltigen können. Pinel begleitet und unterstĂŒtzt die Betroffenen innerhalb ihres gewohnten sozialen Umfeldes und hilft ihnen, ihren Alltag zu stabilisieren - auch wenn sie schwerst erkrankt sind. Das Modell der gemeindepsychiatrischen Versorgung durch freie soziale TrĂ€ger wie Pinel ist ein Erfolgsmodell. Es ermöglicht, Klinikaufenthalte zu vermeiden beziehungsweise nach einem Klinikaufenthalt ein bedarfsgerechtes, wohnortnahes Versorgungsnetz bereitzustellen. Und die Nachfrage ist groĂ. Die Zahl psychisch Erkrankter steigt stetig und mit ihr der Bedarf an Therapie- und BetreuungsplĂ€tzen. Jedes Jahr sind etwa 17,8 Millionen Erwachsene in Deutschland von einer psychischen Erkrankung betroffen. DarĂŒber hinaus wĂ€chst angesichts der zunehmenden Vereinsamung vieler Menschen die Bedeutung psychosozialer und Beratungsangebote.
Dennoch machen es die gesellschaftlichen, infrastrukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen den freien sozialen TrĂ€gern zunehmend schwerer, ihren Versorgungsauftrag zu erfĂŒllen und ihre Angebote aufrecht zu erhalten. "Faktoren wie der umfassende Fach- und ArbeitskrĂ€ftemangel, ĂŒberbordende BĂŒrokratie, fehlende bezahlbare Wohn- und GewerbeflĂ€chen sowie KĂŒrzungen der Sozialausgaben fĂŒhren dazu, dass die Schere zwischen Nachfrage und Angebot immer gröĂer wird. Viele Einrichtungen haben Wartelisten, sodass Betroffene manchmal lange auf UnterstĂŒtzung warten mĂŒssen.", berichtet Anke Heinze, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Pinel gGmbH.
ZusĂ€tzlich verschĂ€rft wird die ohnehin bereits angespannte Situation durch den im Oktober von der Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen verhĂ€ngten Zuwendungsstopp fĂŒr das Haushaltsjahr 2025. Dieser gilt zunĂ€chst bis zum 30.11.2024. "Der Zuwendungsstopp bedroht die Existenz zahlreicher gemeindepsychiatrischer Einrichtungen und Projekte, weil diese nicht mehr nahtlos weiterfinanziert werden können.", so Anke Heinze. "Davon sind unter anderem die psychosozialen Kontakt- und Beratungsstellen betroffen, die vielen Menschen einen niedrigschwelligen und auf Wunsch anonymen Zugang zum Hilfesystem bieten. Eine verlĂ€ssliche Planung fĂŒr das kommende Jahr ist aktuell nicht mehr möglich."
Damit die ambulante Versorgung psychisch erkrankter Menschen in Berlin auch zukĂŒnftig gesichert ist, fordert Pinel, dass der Senat den Rotstift weglegt und gemeinsam mit den freien TrĂ€gern in einen ernstgemeinten Dialog auf Augenhöhe tritt. Nur zusammen lassen sich tragfĂ€hige Konzepte entwickeln, die den wachsenden Herausforderungen der Gemeindepsychiatrie auch langfristig gerecht werden und die zugleich Verbindlichkeit und Planungssicherheit fĂŒr alle Seiten gewĂ€hrleisten.
Informations- und Aktionswoche vom 21. bis 28. November
AnlĂ€sslich des JubilĂ€ums macht Pinel mit einer Informations- und Aktionswoche auf die Bedeutung und die Erfolge der Berliner Gemeindepsychiatrie aufmerksam und informiert ĂŒber konkrete Leistungen und Hilfsangebote. Die Feierlichkeiten starteten heute mit einer Fachveranstaltung zum Thema "Gemeindepsychiatrie in Berlin - gestern, heute und morgen", der sich mit relevanten Fragestellungen rund um die Berliner Gemeindepsychiatrie sowie die Arbeit der freien sozialen TrĂ€ger in der Hauptstadt befasst. "Es ist unser Ziel, die Relevanz psychischer Erkrankungen fĂŒr die Gesellschaft zu verdeutlichen.", erlĂ€utert Anke Heinze. "Wir setzen uns dafĂŒr ein, die BedĂŒrfnisse der Betroffenen und ihrer Angehörigen sowie die Bedeutung ambulanter psychosozialer Angebote noch stĂ€rker in den Fokus der öffentlichen und politischen Debatte zu rĂŒcken." Vom 25. bis 28.11. erwartet die Berliner*innen ein vielfĂ€ltiges Programm bestehend aus Informationsangeboten, Lesungen, Theater, Ausstellungen und vielem mehr. Die Veranstaltungen sind kostenlos. Auf www.pinel.de können sich Interessierte ĂŒber das Angebot informieren.
Ăber die Pinel gGmbH und den Pinel-Verbund
Gemeinsam mit dem Pinel-Verbund organisiert die Pinel gGmbH gemeindepsychiatrische Hilfen fĂŒr Menschen mit psychischen Erkrankungen. Die knapp 500 Mitarbeiter*innen der gemeinnĂŒtzigen Organisation und ihrer Tochtergesellschaften Pinel Pflege und Pinel Medizin bieten in mehreren Berliner Bezirken ein breites Spektrum wohnortnaher ambulanter und lebensweltorientierter Assistenzangebote fĂŒr etwa 1.000 Klient*innen. Zum Angebotsspektrum gehören die Bereiche Wohnen, Tagesstrukturierung, Teilnahme am Arbeitsleben, Pflege, medizinische Behandlung und integrierte Versorgung.
Die Geschichte der Organisation begann 1969 in Berlin-Schöneberg als kleiner Verein. Dieser wollte als BĂŒrgerrechtsbewegung auf die MissstĂ€nde in psychiatrischen Kliniken aufmerksam machen. 10 Jahre nach seiner GrĂŒndung eröffnete der Verein die erste therapeutische Wohngemeinschaft fĂŒr Menschen mit psychischen Erkrankungen. Dies geschah in einer Zeit, in der Forderungen nach Alternativen zur stationĂ€ren psychiatrischen Versorgung psychisch Kranker immer lauter wurden. Neue Wege sollten beschritten werden: weg von der Isolation der Betroffenen in Kliniken hin zu bedarfsorientierten ambulanten Angeboten innerhalb ihres sozialen Umfeldes sowie umfassender gesellschaftlicher Teilhabe. In den 1980er und 90ern baute die Organisation ihr Betreuungsspektrum weiter aus und nahm ihre Arbeit in Wilmersdorf, Pankow, Lichtenberg und spĂ€ter auch in weiteren Bezirken auf.
Pressekontakt:
Bettina Neugebauer
Pinel gGmbH, Ăffentlichkeitsarbeit
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