Verschollene Luchsin Vreni wieder aufgetaucht - mit Nachwuchs / Erster dokumentierter Fortpflanzungserfolg einer im Thüringer Wald ausgewilderten Luchsin
07.05.2026 - 11:10:16 | presseportal.de
Nach ihrer Auswilderung im Thüringer Wald im August 2024 war der Kontakt zu Vreni aufgrund eines technischen Defekts am GPS-Sender frühzeitig abgebrochen. Über ein Jahr gab es kein Lebenszeichen des Tieres. Erst durch neue Aufnahmen von Fotofallen, die im Februar und März dieses Jahres entstanden, konnte Vreni nun anhand ihrer individuellen Fellzeichnung eindeutig identifiziert werden. Eine der Aufnahmen zeigt außerdem einen jungen Luchs, der Vreni in kurzem Abstand folgt.
Dr. Markus Port, Luchsexperte des BUND Thüringen: "Wir sind überglücklich, dass Vreni noch am Leben ist und dass sie sich weiterhin im Thüringer Wald aufhält. Als ich die Luchsin und ihr Jungtier bei der Durchsicht der Fotofallen-Aufnahmen entdeckt habe, war dies für mich eine der Sternstunden unseres Projektes."
Dr. Max Boxleitner vom WWF: "Nach dem Ausfall des Halsbandsenders begann für uns im Projektteam eine lange Zeit der Ungewissheit. Wir haben dennoch gehofft, wieder ein Lebenszeichen von Vreni zu bekommen. Die Hoffnung gibt man nie ganz auf."
Das Jungtier, das auf der zweiten Aufnahme zu sehen ist, ist bereits fast ausgewachsen, und dürfte im Frühjahr 2025 zur Welt gekommen sein. "Die etwa zweijährige Vreni hat sich also schon im ersten Jahr nach ihrer Auswilderung erfolgreich fortpflanzen können. Das ist ein großer Erfolg für unser Projekt", erklärt Port. Luchse bringen einmal im Jahr, in der Regel im Mai oder Juni meist zwei bis vier Junge zur Welt. Das Projektteam war durch die Aufnahme einer privaten Wildkamera auf Vrenis Spur gekommen. Seit November 2025 war das Projektteam dann mit eigenen Kameras in der Fläche. Großer Dank gilt den Jagdpächtern und Waldbesitzenden in der Region, deren Unterstützung einen entscheidenden Beitrag bei der Suche nach Vreni leistete. Tatkräftige Unterstützung kam außerdem von den zuständigen Thüringenforst-Revierleitern.
Jörn Ripken, Thüringenforst-Vorstand: "Unsere Mitarbeitenden sind täglich draußen in der Fläche und unterstützen das Projekt nach Kräften, indem sie Beobachtungen und Hinweise aufnehmen und weiterleiten. Für die ThüringenForst-AöR stellt die Bestandsstützung des Luchses eine Bereicherung unseres Waldökosystems dar. Daher setzen wir uns gemeinsam mit unseren Partnern dafür ein, ihm im Thüringer Wald weiterhin dauerhaft eine Heimat zu geben."
Ob das zweite im Oktober 2025 fotografierte Jungtier noch am Leben ist, ist derzeit nicht bekannt. Nicht immer werden alle Jungtiere von einer Fotofalle erfasst. Die Jungensterblichkeit ist aber bei Luchsen hoch.
Vreni stammt aus dem Wildnispark Langenberg bei Zürich, wo sie im Frühjahr 2023 geboren wurde. Nach Beendigung des Wiederansiedelungsprojektes im Nationalpark Harz in den frühen 2000er Jahren, ist Vreni die erste in menschlicher Obhut geborene Luchsin, die in Deutschland im Freiland Junge zur Welt gebracht hat. Ein großer Erfolg für den Artenschutz!
Hintergrund Vreni:
Die Luchsin Vreni wurde im August 2024 im Thüringer Wald ausgewildert. Sie stammt aus dem Erhaltungszuchtprogramm des Karpatenluchses der European Association for Zoos and Aquaria (EAZA).
Im April 2024 kam sie in das BUND-Wildkatzendorf Hütscheroda, wo sie gemeinsam mit weiteren Luchsen in einem eigens für die Auswilderung errichteten, naturnahen Gehege auf ihr Leben in der freien Wildbahn vorbereitet wurde.
Kurz nach der Auswilderung fiel ihr GPS-Sender aus, sodass über einen Zeitraum von rund eineinhalb Jahren keine Daten zu ihrem Aufenthaltsort vorlagen. Erst durch aktuelle Fotofallenaufnahmen konnte Vreni nun zweifelsfrei identifiziert werden. Die individuellen Fellmuster ermöglichen dabei eine eindeutige Zuordnung einzelner Tiere.
Hintergrund Projekt:
"Luchs Thüringen - Europas Luchse vernetzen" ist ein Gemeinschaftsprojekt von BUND, WWF, ThüringenForst, dem Wildkatzendorf Hütscheroda, dem Landesjagdverband Thüringen, dem UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald, dem Naturpark Thüringer Wald, der Georg-August-Universität Göttingen sowie der rumänischen Projektpartner ACDB und Romsilva. Das Projekt ist Teil des europäischen Luchsexperten-Netzwerks Linking Lynx, das sich dem Erhalt und der Vernetzung der Luchspopulationen Mitteleuropas verschrieben hat. Ziel ist es, durch gezielte Auswilderungen und die Vernetzung bestehender Populationen eine stabile und eigenständige Luchspopulation in Mitteleuropa aufzubauen. Viele der im Thüringer Wald ausgewilderten Luchse stammen aus dem Erhaltungszuchtprogramm der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA).
Das Projekt wird im Programm "Förderung von Vorhaben zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL)" umgesetzt und Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten gefördert. Die Förderung erfolgt aus Mitteln des Freistaats Thüringen sowie aus ENL-Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.
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