Weihnachten in Gorizia / Licht und Kunst in der Kulturstadt im Friaul
19.12.2025 - 10:41:41Im Dezember richtet Gorizia den Blick nach vorn - und zugleich zurĂŒck. Die Stadt im Friaul nutzt den letzten Monat des Jahres, um den Abschluss von GO! 2025 zu markieren, jenem Kulturjahr, das Gorizia gemeinsam mit dem slowenischen Nova Gorica zur ersten grenzĂŒberschreitenden EuropĂ€ischen Kulturhauptstadt gemacht hat. Was einst Grenze war, wurde hier zum verbindenden Element. Diese Erfahrung prĂ€gt nun auch den Jahresausklang.
Die festliche Beleuchtung dient dabei nicht bloà als Kulisse. Sie verbindet ein dichtes Programm aus Ausstellungen, Konzerten und öffentlichen Veranstaltungen, das den Dezember in Gorizia bestimmt. Weihnachten wird hier als kultureller Resonanzraum verstanden - als Zeit des Innehaltens, aber auch der Begegnung und des Austauschs.
GO! 2025 hat die Stadt sichtbar verÀndert. Gorizia hat gelernt, seine Geschichte nicht defensiv zu erzÀhlen, sondern als offene ErzÀhlung zu begreifen. IdentitÀt wird nicht abgegrenzt, sondern geteilt. Dieses SelbstverstÀndnis zeigt sich in einem Dezemberprogramm, das sich bewusst im öffentlichen Raum entfaltet: Musik, Performances und Lichtinstallationen beleben das Stadtzentrum und laden Bewohner wie Besucher ein, die Stadt neu zu erleben.
Zu den besonderen Höhepunkten zĂ€hlt die Krippe von Grado, die ab dem 20. Dezember fĂŒr einen Monat in den öffentlichen GĂ€rten zu sehen ist. Nach ihrem groĂen Erfolg auf dem Petersplatz in Rom kommt die Installation nun als kulturelle Geste nach Gorizia. Entworfen von Antonio Boemo nach einem Projekt des Architekten Andrea de Walderstein und realisiert von rund vierzig Mitwirkenden, erzĂ€hlt sie vom Leben der Fischer in der Lagune von Grado. Bewegte WasserflĂ€chen, traditionelle Boote und fein ausgearbeitete Lichtstimmungen verdichten sich zu einer stillen, eindrucksvollen Szene. AuffĂ€llig ist die Darstellung der Heiligen Drei Könige, die per Boot ankommen - gesteuert von einer Fischerin.
Auch musikalisch ist der Dezember geprĂ€gt von Vielfalt. Entlang des Corso Verdi und auf der Piazza della Vittoria finden Konzerte, Chorauftritte und thematische Abende statt. Ein zentraler Moment ist der 20. Dezember, wenn der Weihnachtsbaum auf der Piazza della Vittoria feierlich erleuchtet wird. Zeitgleich öffnet die Eisbahn, die den Platz fĂŒr Wochen zu einem Treffpunkt fĂŒr Familien und Besucher macht.
Ein besonderer Akzent liegt auf der Fotografie. Drei groĂe Ausstellungen eröffnen nahezu zeitgleich und positionieren Gorizia als europĂ€ischen Ort der Bildkultur. Im Museum Santa Chiara widmet sich "Franco Basaglia. Dove gli occhi non arrivavano" der humanistischen Reformbewegung, die von dieser Region ausging. Im Palazzo Attems Petzenstein zeigt "Back to Peace?" Arbeiten bedeutender Magnum-Fotografen, die sich mit Krieg und der schwierigen Frage nach Frieden auseinandersetzen. ErgĂ€nzt wird dies durch "Three Perspectives" in der Casa Morassi, mit neuen Arbeiten von Steve McCurry, Alex Majoli und Meta Krese, die Gorizia und sein Umland aus zeitgenössischer Sicht betrachten.
Mit der Eröffnung der Digital Art Gallery in der historischen Galleria Bombi erhĂ€lt die Stadt zudem ein dauerhaftes VermĂ€chtnis von GO! 2025. Die immersive Installation "Data Tunnel" des KĂŒnstlers Refik Anadol verwandelt den ehemaligen Durchgangs- und Schutzraum in eine digitale Erfahrungslandschaft.
Der Dezember in Gorizia ist damit mehr als ein festlicher Abschluss. Er verdichtet ein Kulturjahr, das Grenzen neu gedacht hat - und zeigt eine Stadt, die ihre Zukunft aus Offenheit und Austausch entwickelt.


