âBis jetzt haben wir viel geschafftâ: Angela Merkel vertritt im ARD Exklusivinterview gegensĂ€tzliche Position zu Friedrich Merz
25.08.2025 - 05:00:00Bundeskanzlerin a. D. Angela Merkel (CDU) zieht im Rahmen der ARD-Dokumentation âMerkels Erbe â 10 Jahre âWir schaffen das!ââ eine positive Bilanz zur Integration der 2015 nach Deutschland gekommenen GeflĂŒchteten. In einem Exklusiv-Interview mit Ingo Zamperoni antwortet Merkel auf die Frage âHaben wir es geschafft?â: âDas ist ein Prozess, aber bis jetzt haben wir viel geschafft und was noch zu tun ist, muss weiter getan werden.â Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte jĂŒngst bei seiner Sommer-Pressekonferenz am 18. Juli 2025 auf dieselbe Frage geantwortet: âHeute wissen wir, dass wir es in diesem Bereich, den sie (Angela Merkel) damals gemeint hat, offenkundig nicht geschafft haben.â Auch bei der Integration sprĂ€chen die Zahlen eine eindeutige Sprache, so Merz.
Angela Merkel Ă€uĂert sich in dem Interview auch zum Bruch der CDU mit ihrer FlĂŒchtlingspolitik und den seit Mai verstĂ€rkt stattfindenden ZurĂŒckweisungen an den deutschen Grenze: âEs war ja kein Geheimnis, dass es seit dem September 2015 Streit in der Union gab. Das war insgesamt, glaube ich, auch nicht hilfreich bei der Frage, wie bewĂ€ltigen wir diese Aufgabe.â Es gebe vor allem einen groĂen Unterschied: âWie viel kann ich an der deutsch-österreichisch, deutsch-polnischen Grenze machen? Wie viel muss man europĂ€isch denken?â Sie habe sich von Anfang an dafĂŒr ausgesprochen, das Thema europĂ€isch gemeinsam anzugehen.âWenn wir uns ĂŒber die FlĂŒchtlingspolitik, die Migrationspolitik europĂ€isch zerspalten, dann haben wir ein groĂes Problem, denn wir brauchen ein starkes, einiges Europa.â
Ihre Entscheidung, 2015 GeflĂŒchtete einreisen zu lassen, bereut die ehemalige Bundeskanzlerin nicht. Sie hat âkeinen Zweifelâ daran, dass sie sie wieder so fĂ€llen wĂŒrde. âNatĂŒrlich hat die Entscheidung von mir (âŠ) polarisiert, hat Menschen dazu gebracht, sich der AfD anzuschlieĂen, was ich nicht teile, aber sie haben es getan. Und dadurch ist die AfD sicherlich auch stĂ€rker geworden. Aber ist das ein Grund fĂŒr mich, eine Entscheidung, die ich fĂŒr wichtig halte, fĂŒr richtig halte, fĂŒr menschenwĂŒrdig gehalten habe, das nicht zu tun?â
Deutschland hĂ€tte 2015, nachdem der ungarische MinisterprĂ€sident Viktor OrbĂĄn die GeflĂŒchteten irregefĂŒhrt habe, zwei Optionen gehabt: die GeflĂŒchteten aufzunehmen oder sie gewaltsam mit Wasserwerfern zurĂŒckzudrĂ€ngen. Die zweite Option âwĂ€re ĂŒberhaupt keine Möglichkeit fĂŒr mich gewesen. Dazu hĂ€tte ich mich nie bereit erklĂ€rt.â, so Merkel. Als Bundeskanzlerin habe sie immer bedenken mĂŒssen, was Menschen besorgt, weshalb sie ja daran gearbeitet habe, die illegale Migration zu reduzieren. âGleichzeitig gab es aber auch viele Menschen, die wollten nicht, dass wir unsere Werte verraten, was die MenschenwĂŒrde anbelangt, und die haben es gerne gemacht, die FlĂŒchtlinge unterstĂŒtzt. Da zwischen MaĂ und Mitte die Sorgen aller im Land aufzunehmen, das war meine Aufgabe.â
Mit ihrer Entscheidung habe sie Deutschland nicht ĂŒberfordert: âDas glaube ich nicht. Deutschland ist ein starkes Land.â
Der Satz âWir schaffen das!â war aus Merkels Perspektive durchaus folgerichtig, betont sie: âIch war aber auch immer wieder verwundert in den letzten Jahren, wie sehr mir diese drei Worte ,Wir schaffen dasâ! um die Ohren gehauen wurden. Sie sollten ja nichts anderes ausdrĂŒcken, als dass wir vor einer groĂen Aufgabe stehen (âŠ) Und ich habe ja nicht gesagt, ich schaffe das, sondern wir schaffen das, weil ich auch auf die Menschen im Lande gehofft habe.â
FĂŒr sie sei der Angang an das Thema wichtig, man mĂŒsse es mit einem inneren Impetus angehen. âIch muss es menschenwĂŒrdig schaffen (âŠ) und dann wird man auch die Kraft aufbringen, das, was noch zu tun ist, zu tun.â
Das Interview von Ingo Zamperoni mit Angela Merkel ist in der ARD-Dokumentation âMerkels Erbe â 10 Jahre âWir schaffen das!ââ am 25. August um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen. Am selben Tag steht der Film bereits morgens in der ARD Mediathek bereit. Es ist - nach dem GesprĂ€ch mit GeflĂŒchteten im Juni dieses Jahres - das einzige Fernsehinterview, das die ehemalige Bundeskanzlerin zum Jahrestag gibt, und wurde am 8. Juli 2025 aufgezeichnet.
Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Unternehmenskommunikation
Presse und Kommunikation
Mail: presse@ndr.de
Original-Content von: NDR / Das Erste ĂŒbermittelt durch news aktuell


