Danger Dan spricht über Coming-out und schwules Liebeslied auf neuem Album
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 19:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Rapper Danger Dan hat über eine frühere Liebesbeziehung zu einem Mann, seine sexuelle Orientierung und seine fortschreitende Erblindung gesprochen.
„Ich bin einer von euch“
„Ich habe mich zwar nie als besonders hetero erlebt, aber auch nicht als schwul oder bi. Mir war sowas immer recht schnurz“, sagte der 43-Jährige dem „Tagesspiegel“. Auf seinem neuen Album „Keine Angst“, das am 2. Oktober erscheint, singt er unter anderem über die Beziehung zu seinem Ex-Freund.
Angesichts von Bedrohungen queerer Veranstaltungen durch Islamisten und Nazis sei nun der richtige Zeitpunkt für ein schwules Liebeslied, sagte Danger Dan: „Ich solidarisiere mich nicht nur mit euch, sondern ich bin einer von euch.“
Erkrankung verändert seinen Alltag
Der Musiker, der mit bürgerlichem Namen Daniel Pongratz heißt, leidet an der erblichen Augenkrankheit Retinitis pigmentosa. „Die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit kann, so bitter sie ist, daran erinnern, wie wertvoll jeder Augenblick ist“, sagte er.
Hinter der Bühne müsse ihm inzwischen häufig jemand mit einer Taschenlampe den Weg leuchten. Auf seinem Klavierhocker befinde sich ein neonfarbenes Kreuz, damit er erkennen könne, wo er sich hinsetzen müsse.
Album erscheint im Oktober
Danger Dan arbeitet als Solokünstler und ist zugleich Mitglied der Rap-Gruppe Antilopen Gang. Am 2. Oktober erscheint sein Solo-Album „Keine Angst“.
Ein persönlicher Schritt mit öffentlicher Wirkung
Danger Dan verbindet die Veröffentlichung seines Albums mit einer persönlichen Aussage über sexuelle Orientierung und eine frühere Beziehung zu einem Mann. Seine Formulierung versteht sich nicht als klassische Selbstetikettierung, sondern als Beschreibung einer offenen, individuellen Biografie. Gerade dadurch erweitert der Musiker die öffentliche Debatte über Coming-outs um eine Perspektive, in der Identität nicht zwingend in ein festes Raster eingeordnet wird.
Dass er sein schwules Liebeslied mit Bedrohungen queerer Veranstaltungen durch Islamisten und Rechtsextreme verknüpft, gibt dem Album einen gesellschaftspolitischen Rahmen. Ein Liebeslied wird damit zugleich zu einem sichtbaren Zeichen der Solidarität. Für queere Menschen und Veranstalter steht dahinter die konkrete Frage, wie öffentliche Räume geschützt werden können, ohne dass Sichtbarkeit aus Angst vor Angriffen eingeschränkt wird.
Erblindung prägt die neue Musik
Auch die fortschreitende Erblindung durch Retinitis pigmentosa gehört zu den prägenden Themen des Albums. Die geschilderten Hilfen hinter der Bühne zeigen, wie sich eine Erkrankung auf alltägliche Abläufe und künstlerische Arbeit auswirkt. Zugleich verweist die Diagnose auf einen biografischen Einschnitt, den der Musiker ausdrücklich mit einer stärkeren Konzentration auf die Gegenwart verbindet.
Mit dem Album „Keine Angst“ treffen somit drei Ebenen zusammen: eine private Beziehungsgeschichte, ein Bekenntnis zu queerer Solidarität und der Umgang mit einer fortschreitenden Behinderung. Für das Publikum wird die Veröffentlichung deshalb nicht nur musikalisch relevant, sondern auch als öffentliche Selbstpositionierung.
