Doku-Film «Our Name Is Bond»: Wenn 007 zur Belastung wird
24.10.2024 - 10:17:09Drei Jahre ist es her, dass der bislang letzte James-Bond-Film «Keine Zeit zu sterben» Premiere hatte und sich Daniel Craig von der Rolle des berĂŒhmten Geheimagenten verabschiedete. GerĂŒchte ĂŒber mögliche Nachfolger gab es seitdem reichlich. Zuletzt galt Aaron Taylor-Johnson («Nocturnal Animals») als heiĂer Kandidat. BestĂ€tigt wurde indes niemand.
WĂ€hrend James-Bond-Fans langsam ungeduldig werden, kommt es einigen sehr gelegen, dass das nĂ€chste 007-Abenteuer auf sich warten lĂ€sst, und zwar den echten James Bonds dieser Welt. FĂŒr Menschen, die wirklich James Bond heiĂen, kann der Name nĂ€mlich zum Fluch werden. Das zeigt der Dokumentarfilm «Our Name Is Bond», der nun (25.10.) als Video-on-Demand bei Streaming-Portalen erhĂ€ltlich ist.
James Bond ist schwarz und schwul
«Ich musste eine Menge falsche James Bonds rausfiltern, um die echten zu finden», sagt Regisseur Matthew Bauer im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Der australische Filmemacher, dessen Suche nach Protagonisten bei Facebook begann, wollte eine möglichst vielfÀltige Bond-Gruppe zeigen.
«Es gab doch immer diese Medienberichte, dass der nĂ€chste James Bond angeblich ein Schwarzer wird, eine Frau oder dass er von einem Schwulen gespielt wird. FĂŒr uns war es wichtig, dass wir einen schwarzen James Bond haben, einen schwulen James Bond. Denn die weichen natĂŒrlich von dem typischen Bild ab, das die meisten Menschen von James Bond haben.»
Fluch und Segen des berĂŒhmten Namens
Eines haben alle Protagonisten gemeinsam: Sie mĂŒssen den Spruch «GeschĂŒttelt, nicht gerĂŒhrt» regelmĂ€Ăig ertragen. StĂ€ndig hofft irgendwer, dass sie sich als «Bond, James Bond» vorstellen. Am schlimmsten aber sei es, wenn ein neuer James-Bond-Film in die Kinos kommt. Dann fĂŒhlten sich Freunde und Verwandte berufen, ihm dazu Nachrichten zu schreiben, berichtet James Bond aus New York. Dem schwulen Schauspieler geht der 007-Rummel auf die Nerven.
«Sie machen im Prinzip alle dieselben Erfahrungen», stellt Bauer fest. Jedenfalls ĂŒberwiegend. Was passieren kann, wenn man in den USA als Schwarzer in eine Polizeikontrolle gerĂ€t, seinen Ausweis nicht dabeihat und den Beamten sagen muss, dass man James Bond heiĂt, kann man sich fast denken. Die Geschichte einer kuriosen Verwechslung in einem dramatischen Kriminalfall ist besonders fesselnd.
NatĂŒrlich gibt es auch positive Aspekte. «Fast alle sagen, dass es Fluch und Segen zugleich ist», sagt Bauer. «Einige haben ihre JungfrĂ€ulichkeit dank des Namens James Bond verloren, sie haben ein MĂ€dchen getroffen und die hat gefragt: "Wie heiĂt du?" Das ist ein integraler Teil ihrer Story. Bei allen. Die Geschichte, wie sie ihre Ehefrau kennengelernt haben, hat in der Regel mit James Bond zu tun.»
Ein Schwede namens Gunnar Bond James
WĂ€hrend einer seinen Namen aus Verzweiflung sogar geĂ€ndert hat, gibt es andere, die sich den Namen extra zulegen. Der Schwede Gunnar SchĂ€fer heiĂt seit 2007 - das Jahr ist kein Zufall - Gunnar Bond James SchĂ€fer. «Es ist immer interessant, die Reaktionen zu sehen», erzĂ€hlt er im dpa-Interview. Doch er ist nicht einfach nur ein riesiger 007-Fan. Hinter der NamensĂ€nderung steckt mehr.
«Es ist mein Anliegen, meinen Vater zu ehren», sagt SchĂ€fer, dessen Vater Deutscher war. Im Zweiten Weltkrieg diente er in der Marine, bevor er nach Schweden floh. Dort nahm er die schwedische StaatsbĂŒrgerschaft an und grĂŒndete eine Familie. Doch als SchĂ€fer zwei Jahre alt war, kehrte sein Vater von einer Reise nicht zurĂŒck. Ein Trauma fĂŒr den Schweden, der bis heute vermutet, dass sein Vater ein Geheimagent war.
James-Bond-Schöpfer Ian Fleming als Ersatzvater
In Ian Flemings Bond-Romanen fand er Trost und fantasierte, sein Vater sei wie 007. Antworten hatte niemand. «Ich wusste nichts», sagt er. «Ich habe meine Mutter oft gefragt, aber sie wollte nicht mehr darĂŒber reden. Ich schĂ€tze, das ist typisch fĂŒr die Generation.»
Heute betreibt er im sĂŒdschwedischen Nybro ein James-Bond-Museum und eifert dem fiktiven Geheimagenten nach. Seine wichtigste Mission bleibt allerdings, herauszufinden, was mit seinem Vater passiert ist.
SchĂ€fer erhofft sich mit der deutschen Veröffentlichung von «Our Name Is Bond» neue Hinweise. Er hofft auf Zuschauer aus Bayern, die eine mögliche Verbindung sehen, vielleicht von einem Deutschen namens SchĂ€fer wissen, der den Zweiten Weltkrieg erlebt und spĂ€ter von einem Leben in Schweden erzĂ€hlt hat. Ăber sein Museum ist Gunnar Bond James SchĂ€fer leicht zu erreichen.
Kurzweiliger, spannender Dokumentarfilm
Matthew Bauer, der selbst leidenschaftlicher 007-Fan ist, hat eine Reihe faszinierender Geschichten geschickt miteinander verknĂŒpft. «Our Name Is Bond» ist unterhaltsam und mitunter richtig spannend. Man muss kein James-Bond-Fan sein, um die kurzweilige Dokumentation interessant zu finden.
FĂŒr die echten James Bonds hat sich das Mitmachen ĂŒbrigens gelohnt. Sie tauschen sich seitdem in einer Whatsapp-Gruppe mit ihren Leidensgenossen ĂŒber ihre Erlebnisse aus. Einige von ihnen treffen sich auch persönlich. «GeschĂŒttelt, nicht gerĂŒhrt», sagt dann niemand. Und wer der nĂ€chste 007-Darsteller wird, ist den meisten von ihnen egal.











