Berlinale, Festivals

Wenders bei Berlinale: «Sind das Gegengewicht zur Politik»

12.02.2026 - 14:50:25

Die Berlinale zeigt zur Eröffnung einen Film über Frauen in Afghanistan. Jurychef Wim Wenders erklärt, was Filme der Politik voraushaben – und wie sie in schweren Zeiten die Welt verändern können.

  • Wim Wenders bei der Jury-Pressekonferenz. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

    Sebastian Christoph Gollnow/dpa

  • Die diesjährige Jury im Wettbewerb um den Goldenen Bären. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

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  • Wenders fotografierte kurzerhand auch mal selbst. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

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  • Die Regisseurin Shahrbanoo Sadat stellte ihren Film «No Good Men» vor. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

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Wim Wenders bei der Jury-Pressekonferenz. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpaDie diesjährige Jury im Wettbewerb um den Goldenen Bären. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpaWenders fotografierte kurzerhand auch mal selbst. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpaDie Regisseurin Shahrbanoo Sadat stellte ihren Film «No Good Men» vor. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Bis es bei der Berlinale politisch wird, dauert es nur ein paar Minuten. Kann das Kino in diesen Zeiten die Welt verändern? Jurypräsident Wim Wenders (80) findet schon, wie er zum Auftakt der Filmfestspiele in Berlin sagt, aber eben anders als erwartet.

Kein Film habe jemals wirklich die Idee eines Politikers verändert. Aber man könne ändern, welche Vorstellungen die Menschen davon haben, wie sie zu leben hätten, sagt der Regisseur. Die Berlinale gilt als ausgesprochen politisches Festival – schon zur Eröffnung setzt sie auf ein Politdrama. «No Good Men» von Regisseurin Shahrbanoo Sadat erzählt von Frauen in Afghanistan.

Wim Wenders als «Mr. President»

Noch vor der Gala stellt sich die Jury vor. Wenders ist dieses Mal «Mr. President», wie ihn Festivalchefin Tricia Tuttle (55) nennt. Der Regisseur («Paris, Texas», «Perfect Days») fotografiert während der Pressekonferenz auch mal selbst.

Kino ist für ihn auch ein Gegengewicht zur Politik, wie er erklärt. Filmschaffende müssten sich aus der Politik heraushalten. «Wir müssen die Arbeit der Menschen machen und nicht die Arbeit der Politiker.» Damit reagiert er auf eine Frage zur Positionierung der Jury im Nahostkonflikt, eine Stelle, bei der Tuttle einlenkt, man wolle über Filme sprechen.

Wenn man Nachrichten sehe, verstehe man noch nichts, sagt Wenders. «Aber man weiß so viel mehr, wenn man aus dem Kino kommt und eine Person in ihrer Situation sieht, ihr Leiden erlebt und sieht, wie sie lieber leben möchte. Das Kino hat die unglaubliche Kraft, Mitgefühl und Empathie zu wecken. Die Nachrichten sind nicht empathisch. Die Politik ist nicht empathisch, aber Filme sind es. Und das ist unsere Pflicht.»

Wovon der Eröffnungsfilm erzählt

Zur Eröffnung erzählt Regisseurin Sadat in ihrem Film von einer Kamerafrau in Kabul, die überzeugt ist, dass es in Afghanistan keine guten Männer gibt. Doch kurz vor der Rückkehr der Taliban kommt sie einem Kollegen auf einem Reportereinsatz näher. Sadat war selbst 2021 aus dem Land evakuiert worden, kam über Frankreich nach Deutschland und lebt in Hamburg.

Die Evakuierungen damals hatten zu schlimmen Szenen geführt. Nach der Machtübernahme der Taliban versuchten Tausende, das Land über den Flughafen zu verlassen. Die Landebahnen wurden von Menschenmassen überrannt, die versuchten, auf startende Maschinen zu gelangen.

Rettung nach 72 Stunden

Sie habe 72 Stunden am Flughafen ausgeharrt, mit Tausenden Menschen, sagt Sadat der Deutschen Presse-Agentur. Wegen ihrer Kontakte in die Filmbranche war es ihr möglich, mit Angehörigen das Land zu verlassen. Dabei hatte sie gerade eine Wohnung gekauft, in die sie ihre Ersparnisse gesteckt habe.

Ihr Apartment habe sie damals auch als Statement gekauft, bleiben zu wollen. Doch dann ändert sich die Lage im Land, die US-Truppen kündigen ihren Rückzug an und auch die Bundeswehr verlässt das Land. «Die Zukunft war vollkommen unklar», sagt Sadat. Um Familienmitglieder in Sicherheit zu bringen, entschied sie sich, Afghanistan zu verlassen.

Wie man Afghanistan in Deutschland dreht

Mit ihrem Film will die 35-Jährige auf die patriarchalen Strukturen im Land aufmerksam machen. «Jetzt mit den Taliban ist es natürlich noch schlimmer. Aber auch vorher war es nicht ideal.» Sie beobachte, dass Männer Frauen absprechen würden, welche schwierigen Erfahrungen sie auch schon vorher gemacht hätten.

Dass ihr Film nun zur Eröffnung der Berlinale gezeigt wird, mache sie sehr emotional, sagte die Regisseurin («Wolf and Sheep», «The Orphanage»). Sechs Jahre lang habe sie an dem Projekt gearbeitet. Nachdem eine Darstellerin abgesagt hatte, übernahm sie auch kurzerhand die Hauptrolle. Die Arbeit vor der Kamera habe ihr im ersten Moment mehr Angst gemacht als die Situation am Flughafen damals, sagt sie.

Gedreht wurde in Deutschland, zum Beispiel auf dem Gelände des Bundesarchivs in Hoppegarten bei Berlin – dort saß früher nach Angaben des Bundesarchivs etwa die Chiffrierabteilung des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit. Zudem habe sie Archivaufnahmen aus Afghanistan genutzt, sagt die Regisseurin.

Kommen alle Gäste trotz Streik?

Mit dem Film setzt die Berlinale zum Start auf eine noch junge Regisseurin und weniger auf Hollywoodstars. Zum Auftakt wurde aber Schauspielerin Michelle Yeoh erwartet – für ihre Rolle im Science-Fiction-Film «Everything Everywhere All at Once» hatte sie vor drei Jahren einen Oscar gewonnen.

Die Berlinale ehrt sie in diesem Jahr mit dem Goldenen Ehrenbären. Auf der Gästeliste für die Eröffnung standen auch Iris Berben, Daniel Brühl, Matthias Schweighöfer, Jella Haase und Neil Patrick Harris («How I Met Your Mother»).

Die Berlinale endet am 22. Februar. Während des Festivals werden unter anderem Pamela Anderson («The Last Showgirl»), Schauspieler Ethan Hawke («Blue Moon», «Before Sunrise») und die britische Musikerin Charli xcx («brat») erwartet. Für eine Reise zum Festival jedenfalls sollte es klappen – der Streik bei der Lufthansa habe keine wesentlichen Auswirkungen auf die Anreise von Gästen, teilte eine Festivalsprecherin auf Anfrage mit.

@ dpa.de

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