Islamist, Blutbad

Islamist gestÀndig: Blutbad bei Taylor-Swift-Konzert geplant

08.08.2024 - 15:08:23

Die PlÀne des HauptverdÀchtigen in Wien waren weit gediehen. Er wollte mit Stichwaffen und einer Bombe möglichst viele Menschen vor dem Stadion töten. Welche Rolle sollte ein Blaulicht spielen?

  • Die Terrorgefahr bei ihren Konzerten in Wien war hoch. (Archivbild) - Foto: Jordan Strauss/Invision/AP/dpa

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  • Alle drei Swift-Konzerte in Wien sind abgesagt. Jetzt geht es an den Abbau. - Foto: Florian Wieser/APA/dpa

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  • Österreichs Innenminister sagt, dass eine Tragödie verhindert wurde. - Foto: Heinz-Peter Bader/AP/dpa

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  • Das österreichische Innenministerium zeigte ein Foto des unter Terrorverdachts Festgenommenen. - Foto: Roland Schlager/APA/dpa

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Die Terrorgefahr bei ihren Konzerten in Wien war hoch. (Archivbild) - Foto: Jordan Strauss/Invision/AP/dpaAlle drei Swift-Konzerte in Wien sind abgesagt. Jetzt geht es an den Abbau. - Foto: Florian Wieser/APA/dpaÖsterreichs Innenminister sagt, dass eine Tragödie verhindert wurde. - Foto: Heinz-Peter Bader/AP/dpaDas österreichische Innenministerium zeigte ein Foto des unter Terrorverdachts Festgenommenen. - Foto: Roland Schlager/APA/dpa

Ein 19 Jahre alter Islamist wollte in Österreich bei einem Konzert von Taylor Swift nach eigenen Worten ein Blutbad anrichten. Der IS-AnhĂ€nger habe ein volles GestĂ€ndnis abgelegt, sagte der Generaldirektor fĂŒr die öffentliche Sicherheit im Innenministerium, Franz Ruf. Auch ein 17-JĂ€hriger war festgenommen worden. Es werde aktuell nicht nach weiteren TerrorverdĂ€chtigen gesucht, auch wenn die Ermittlungen im Umfeld des Duos mit Hochdruck weiterliefen, so Ruf. 

Der Plan der beiden jungen MĂ€nner war laut Behörden, entweder am Donnerstag oder am Freitag mit Sprengstoff und Stichwaffen «sich selbst und eine große Menschenmenge zu töten», sagte Omar Haijawi-Pirchner, der Leiter der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) im Bundesinnenministerium. Ein Ticket fĂŒr eines der drei Konzerte im Ernst-Happel-Stadion im Wiener Prater habe der HauptverdĂ€chtige nicht gehabt, hieß es. Nach der Festnahme des Duos waren vom Veranstalter kurzfristig vorsorglich alle drei Swift-Konzerte in Wien abgesagt worden.

Fans bitter enttÀuscht 

Zehntausende Fans des 34-jĂ€hrigen Mega-Stars, die teils aus den USA und Kanada angereist waren, reagierten zunĂ€chst tief enttĂ€uscht. Bei vielen flossen TrĂ€nen. Manche Fans hatten sich Monate auf die Show gefreut. Aber angesichts der Gefahr Ă€ußerten sie auch VerstĂ€ndnis fĂŒr die Entscheidung des Veranstalters. SchĂ€tzungen erwarteten rund 170.000 Fans auf der Eras-Tour in Österreich. Wo Taylor Swift sich aufhielt, war zunĂ€chst unklar. Sie hat weitere Konzerte in London geplant. 

Ein Hinweis auf die PlĂ€ne sei von einem auslĂ€ndischen Geheimdienst gekommen. «Gerade in der TerrorismusbekĂ€mpfung ist die Informationsteilung essenziell», sagte Haijawi-Pirchner. Der Hinweis habe sich zunĂ€chst nur auf einen möglichen EinzeltĂ€ter bezogen. Durch weitere eigene Erkenntnisse sei man aber auf ein der Polizei bereits bekanntes islamistisches Netzwerk gestoßen. Der 19-JĂ€hrige habe sich online ĂŒber den Bau von Bomben informiert.

PlÀne wurden in letzter Minute bekannt

Die Polizei hatte am Mittwoch, kurz vor dem ersten Live-Konzert der US-SĂ€ngerin in Wien, ein Komplott fĂŒr einen Anschlag auf die Veranstaltung aufgedeckt. Sie nahm neben dem 19-JĂ€hrigen auch den 17-JĂ€hrigen fest und verhörte zudem einen 15-JĂ€hrigen. Beide hĂ€tten Kontakt mit dem 19-JĂ€hrigen gehabt.

Der 19 Jahre alte Österreicher mit familiĂ€ren Wurzeln auf dem Balkan habe am 25. Juli seinen Job gekĂŒndigt und dabei gesagt, dass er noch Großes vorhabe, so die Polizei. Er habe sich dann intensiv auf einen geplanten Anschlag vorbereitet. «Er hat sein Erscheinungsbild auffĂ€llig verĂ€ndert» und an die IS-Standards angepasst, sagte Ruf. Der VerdĂ€chtige habe jĂŒngst auch einen Treueschwur gegenĂŒber dem aktuellen FĂŒhrer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geleistet. Nach Angaben der Behörden hatte sich der 17-JĂ€hrige in Vorbereitung des Anschlags von seiner Freundin getrennt. Bei beiden VerdĂ€chtigen sei eine klare soziale VerĂ€nderung eingetreten. 

Zweiter VerdÀchtiger arbeitete im Stadion

Der 17-JĂ€hrige ist bei einem Unternehmen angestellt, das die Zuschauer im Happel-Stadion versorgt. Die Festnahme erfolgte am Mittwoch, als sich der Jugendliche auf dem Weg ins Stadion befand. Hier wurde er von SondereinsatzkrĂ€ften der Polizei kurz vor dem Stadion gefasst. Er schweigt bisher zu den VorwĂŒrfen. In Polizeigewahrsam befindet sich auch ein 15-JĂ€hriger mit tĂŒrkischem Hintergrund, der intensiv befragt wird. Er soll zumindest von den Terror-PlĂ€nen des 19-JĂ€hrigen gewusst haben. Inwieweit er eingebunden war, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Sprengstoff und Chemikalien

Bei einer Durchsuchung der WohnrĂ€ume des 19-JĂ€hrigen in Ternitz sĂŒdlich von Wien waren chemische Substanzen und technische Vorrichtungen sichergestellt worden, die auf «konkrete Vorbereitungshandlungen» hindeuteten, sagte Ruf weiter. Außerdem wurden ein Polizei-Blaulicht und ein akustisches Polizeihorn gefunden. Sie sollten möglicherweise den VerdĂ€chtigen helfen, zum Tatort zu kommen oder von diesem zu flĂŒchten.

Durch die Festnahmen sei die konkrete Bedrohungslage zwar minimiert worden. Eine abstrakte Bedrohung mit erhöhter Terrorgefahr bestehe aber weiter. Österreich hatte die Terrorwarnstufe nach dem Überfall der islamistischen Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 auf die zweithöchste Stufe angehoben.

Durch das Einschreiten der Fahnder ist nach Angaben von Österreichs Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) eine Tragödie verhindert worden. «Die Lage war ernst, die Lage ist ernst», sagte er bei einer Pressekonferenz. «Große Konzerte sind oft ein bevorzugtes Ziel von islamistischen AttentĂ€tern», so Karner.

Innenpolitische Diskussion ĂŒber Bedrohungslage 

Nach dem verhinderten Anschlag sehen die Parteien in Österreich AufklĂ€rungsbedarf. Die sozialdemokratische SPÖ verlangte die Einberufung des Nationalen Sicherheitsrates. Die Öffentlichkeit werde im Unklaren gelassen, ob weiterhin eine tatsĂ€chliche Bedrohungslage bestehe. Die liberalen Neos forderten indes eine Lagebesprechung im Kanzleramt. Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger sorgt sich außerdem um den Ruf der Alpenrepublik. «Ich fĂŒrchte der Imageschaden fĂŒr Österreich und Wien ist enorm. In Paris, Berlin, London, MĂŒnchen,
 ĂŒberall können Veranstalter und Sicherheitsbehörden Konzerte durchfĂŒhren. Nur bei uns nicht? Sind wir dermaßen herabgewirtschaftet?», schrieb sie auf X.

 

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