Islamist gestÀndig: Blutbad bei Taylor-Swift-Konzert geplant
08.08.2024 - 15:08:23Ein 19 Jahre alter Islamist wollte in Ăsterreich bei einem Konzert von Taylor Swift nach eigenen Worten ein Blutbad anrichten. Der IS-AnhĂ€nger habe ein volles GestĂ€ndnis abgelegt, sagte der Generaldirektor fĂŒr die öffentliche Sicherheit im Innenministerium, Franz Ruf. Auch ein 17-JĂ€hriger war festgenommen worden. Es werde aktuell nicht nach weiteren TerrorverdĂ€chtigen gesucht, auch wenn die Ermittlungen im Umfeld des Duos mit Hochdruck weiterliefen, so Ruf.Â
Der Plan der beiden jungen MĂ€nner war laut Behörden, entweder am Donnerstag oder am Freitag mit Sprengstoff und Stichwaffen «sich selbst und eine groĂe Menschenmenge zu töten», sagte Omar Haijawi-Pirchner, der Leiter der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) im Bundesinnenministerium. Ein Ticket fĂŒr eines der drei Konzerte im Ernst-Happel-Stadion im Wiener Prater habe der HauptverdĂ€chtige nicht gehabt, hieĂ es. Nach der Festnahme des Duos waren vom Veranstalter kurzfristig vorsorglich alle drei Swift-Konzerte in Wien abgesagt worden.
Fans bitter enttĂ€uschtÂ
Zehntausende Fans des 34-jĂ€hrigen Mega-Stars, die teils aus den USA und Kanada angereist waren, reagierten zunĂ€chst tief enttĂ€uscht. Bei vielen flossen TrĂ€nen. Manche Fans hatten sich Monate auf die Show gefreut. Aber angesichts der Gefahr Ă€uĂerten sie auch VerstĂ€ndnis fĂŒr die Entscheidung des Veranstalters. SchĂ€tzungen erwarteten rund 170.000 Fans auf der Eras-Tour in Ăsterreich. Wo Taylor Swift sich aufhielt, war zunĂ€chst unklar. Sie hat weitere Konzerte in London geplant.Â
Ein Hinweis auf die PlĂ€ne sei von einem auslĂ€ndischen Geheimdienst gekommen. «Gerade in der TerrorismusbekĂ€mpfung ist die Informationsteilung essenziell», sagte Haijawi-Pirchner. Der Hinweis habe sich zunĂ€chst nur auf einen möglichen EinzeltĂ€ter bezogen. Durch weitere eigene Erkenntnisse sei man aber auf ein der Polizei bereits bekanntes islamistisches Netzwerk gestoĂen. Der 19-JĂ€hrige habe sich online ĂŒber den Bau von Bomben informiert.
PlÀne wurden in letzter Minute bekannt
Die Polizei hatte am Mittwoch, kurz vor dem ersten Live-Konzert der US-SĂ€ngerin in Wien, ein Komplott fĂŒr einen Anschlag auf die Veranstaltung aufgedeckt. Sie nahm neben dem 19-JĂ€hrigen auch den 17-JĂ€hrigen fest und verhörte zudem einen 15-JĂ€hrigen. Beide hĂ€tten Kontakt mit dem 19-JĂ€hrigen gehabt.
Der 19 Jahre alte Ăsterreicher mit familiĂ€ren Wurzeln auf dem Balkan habe am 25. Juli seinen Job gekĂŒndigt und dabei gesagt, dass er noch GroĂes vorhabe, so die Polizei. Er habe sich dann intensiv auf einen geplanten Anschlag vorbereitet. «Er hat sein Erscheinungsbild auffĂ€llig verĂ€ndert» und an die IS-Standards angepasst, sagte Ruf. Der VerdĂ€chtige habe jĂŒngst auch einen Treueschwur gegenĂŒber dem aktuellen FĂŒhrer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geleistet. Nach Angaben der Behörden hatte sich der 17-JĂ€hrige in Vorbereitung des Anschlags von seiner Freundin getrennt. Bei beiden VerdĂ€chtigen sei eine klare soziale VerĂ€nderung eingetreten.Â
Zweiter VerdÀchtiger arbeitete im Stadion
Der 17-JĂ€hrige ist bei einem Unternehmen angestellt, das die Zuschauer im Happel-Stadion versorgt. Die Festnahme erfolgte am Mittwoch, als sich der Jugendliche auf dem Weg ins Stadion befand. Hier wurde er von SondereinsatzkrĂ€ften der Polizei kurz vor dem Stadion gefasst. Er schweigt bisher zu den VorwĂŒrfen. In Polizeigewahrsam befindet sich auch ein 15-JĂ€hriger mit tĂŒrkischem Hintergrund, der intensiv befragt wird. Er soll zumindest von den Terror-PlĂ€nen des 19-JĂ€hrigen gewusst haben. Inwieweit er eingebunden war, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Sprengstoff und Chemikalien
Bei einer Durchsuchung der WohnrĂ€ume des 19-JĂ€hrigen in Ternitz sĂŒdlich von Wien waren chemische Substanzen und technische Vorrichtungen sichergestellt worden, die auf «konkrete Vorbereitungshandlungen» hindeuteten, sagte Ruf weiter. AuĂerdem wurden ein Polizei-Blaulicht und ein akustisches Polizeihorn gefunden. Sie sollten möglicherweise den VerdĂ€chtigen helfen, zum Tatort zu kommen oder von diesem zu flĂŒchten.
Durch die Festnahmen sei die konkrete Bedrohungslage zwar minimiert worden. Eine abstrakte Bedrohung mit erhöhter Terrorgefahr bestehe aber weiter. Ăsterreich hatte die Terrorwarnstufe nach dem Ăberfall der islamistischen Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 auf die zweithöchste Stufe angehoben.
Durch das Einschreiten der Fahnder ist nach Angaben von Ăsterreichs Innenminister Gerhard Karner (ĂVP) eine Tragödie verhindert worden. «Die Lage war ernst, die Lage ist ernst», sagte er bei einer Pressekonferenz. «GroĂe Konzerte sind oft ein bevorzugtes Ziel von islamistischen AttentĂ€tern», so Karner.
Innenpolitische Diskussion ĂŒber BedrohungslageÂ
Nach dem verhinderten Anschlag sehen die Parteien in Ăsterreich AufklĂ€rungsbedarf. Die sozialdemokratische SPĂ verlangte die Einberufung des Nationalen Sicherheitsrates. Die Ăffentlichkeit werde im Unklaren gelassen, ob weiterhin eine tatsĂ€chliche Bedrohungslage bestehe. Die liberalen Neos forderten indes eine Lagebesprechung im Kanzleramt. Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger sorgt sich auĂerdem um den Ruf der Alpenrepublik. «Ich fĂŒrchte der Imageschaden fĂŒr Ăsterreich und Wien ist enorm. In Paris, Berlin, London, MĂŒnchen,âŠ ĂŒberall können Veranstalter und Sicherheitsbehörden Konzerte durchfĂŒhren. Nur bei uns nicht? Sind wir dermaĂen herabgewirtschaftet?», schrieb sie auf X.
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