Wie die Rettungsmission fĂŒr Laura Dahlmeier im Gebirge lĂ€uft
30.07.2025 - 13:54:10 | dpa.deMinusgrade, Niederschlag und schlechte Sicht: Die Rettungsmission fĂŒr die verunglĂŒckte Biathlon-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier wird durch die Ă€uĂeren Bedingungen im Karakorum-Gebirge in Pakistan massiv erschwert.
Die Sorgen sind groĂ. Dahlmeier verunglĂŒckte bereits am Montag durch Steinschlag am Laila Peak und wurde dabei «mindestens schwerst verletzt», wie ihr Management einen Tag spĂ€ter mitteilte. Die 31-JĂ€hrige befand sich nun die zweite Nacht in Serie auf einer Höhe von 5.700 Metern.Â
Die wichtigsten Fragen und Antworten zur komplizierten Suche nach der frĂŒheren deutschen Weltklasse-Biathletin:
Wie stehen die Chancen fĂŒr die Rettungsmission?
Mit jeder Stunde schlechter. Die UnglĂŒcksstelle ist schwer zugĂ€nglich. Zudem besteht weiter Steinschlaggefahr. RettungskrĂ€fte konnten am Dienstag nicht zu der erfahrenen Bergsportlerin vordringen.Â
Am Mittwochvormittag wurde die Rettungsaktion mit Verzögerung wieder aufgenommen - zunĂ€chst allerdings nur mit Bergsteigern und BergtrĂ€gern, weil fĂŒr Helikopter die Sicht weiterhin zu schlecht war. GrundsĂ€tzlich stehen auch mehrere MilitĂ€rhubschrauber fĂŒr die Mission zur VerfĂŒgung.
Wie lÀuft eine solche Rettungsmission ab und wer ist beteiligt?
Die Bergung koordiniert ein internationales Team. Am Mittwoch setzten zwei Teams aus insgesamt vier erfahrenen Bergsteigern und zwei BergtrÀgern die Suche am Boden fort. Ein pakistanischer Behördensprecher bestÀtigte der Deutschen Presse-Agentur, dass als Teil des Rettungsteams auch der bayerische Weltklasse-Kletterer Thomas Huber am Laila Peak unterwegs sei. Der ehemalige Extrembergsteiger Reinhold Messner sagte der dpa: «Wenn Thomas Huber vor Ort ist, wird er alles tun, um Hilfe und Rettung zu bringen.» Wunder könne er allerdings auch nicht vollbringen.
Am Dienstagmorgen hatte ein Hubschrauber die UnglĂŒcksstelle ĂŒberflogen. «Lebenszeichen waren nicht zu erkennen», teilte das Management von Dahlmeier daraufhin mit. Behörden vor Ort berichteten derweil, man könne die ehemalige Sportlerin nicht genau lokalisieren.Â
Um welche Region geht es genau?
Es geht um das Karakorum-Gebirge, in dem sich mit dem K2 auch der zweithöchste Berg der Welt (8611 Meter) befindet. Das Karakorum-Gebirge erstreckt sich ĂŒber den Norden Pakistans, Indiens und den Westen Chinas. Der Laila Peak, auf dem Dahlmeier verunglĂŒckt ist, befindet sich in Nordpakistan. Das Karakorum-Gebirge bildet eine umstrittene Grenzregion zwischen Pakistan, China und Indien. Der flĂ€chenmĂ€Ăig gröĂte Teil liegt in Gilgit-Baltistan, einer autonomen Region unter pakistanischer Verwaltung.
Die siebenmalige Weltmeisterin war den Angaben zufolge seit Ende Juni gemeinsam mit Freunden in der Region unterwegs. Sie hatte am 8. Juli bereits erfolgreich den Great Trango Tower (6.287 Meter) bestiegen - auch dieser Gipfel befindet sich in Pakistan. Der Laila Peak war das zweite geplante Ziel.
Wie ist das Wetter aktuell und wie war es beim Aufstieg?
Aktuell ist in dem Gebiet Monsunzeit, daher kommt es regelmĂ€Ăig zu starken RegenfĂ€llen. Das Wetter am Montag war laut einem Sprecher der Katastrophenschutzbehörde kalt, windig und bewölkt, seit Dienstag regnet es. FĂŒr Mittwoch und Donnerstag sind tagsĂŒber wie nachts am UnglĂŒcksort Temperaturen rund um den Gefrierpunkt vorhergesagt.
Wie gefÀhrlich ist das Bergsteigen dort?
Jedes Jahr zieht die Region wagemutige Alpinisten an. Doch selbst im Sommer bestehen hohe Risiken durch Lawinen und Unwetter. Die abgeschiedene Lage des Gebiets erschwert zudem Rettungsarbeiten. AuslĂ€nder benötigen fĂŒr die Besteigung des Gebirges eine Genehmigung.
Bergsteiger Messner sagte bei RTL/ntv: «Der Laila Peak ist ein sehr steiler Berg, also schwierig zu klettern. Ein normaler Alpinist hat da wenig Chancen, aber der wird schon erschrecken, wenn er diesen Gipfel sieht.»Â
Der Berg sei von allen Seiten schwierig zu erklettern und hauptsÀchlich von Eis bedeckt, schilderte Messner. Neben Steinschlag drohten auch Eisschlag und LawinenabgÀnge. «Im Fall einer Lawine oder einem Steinschlag ist unsere Möglichkeit, uns zu retten, relativ gering», erklÀrte die 80 Jahre alte Bergsteiger-Ikone.
Wie erfahren ist Laura Dahlmeier als Bergsteigerin?
Die frĂŒhere Profisportlerin aus Garmisch-Partenkirchen ist staatlich geprĂŒfte Berg- und SkifĂŒhrerin, aktives Mitglied bei der Bergwacht und gilt als erfahrene und risikobewusste Bergsteigerin. Ihren bislang letzten eigenen Instagram-Post verfasste sie vor etwa vier Wochen. Dort beschrieb sie unter anderem ihre Vorbereitungen auf die anstehenden Expeditionen.
«Auf zu neuen Abenteuern â mit der Heimat immer im Herzen», schrieb Dahlmeier zum Aufbruch nach Asien. Weil bei dem Post des Managements zum UnglĂŒck in Pakistan die Kommentarfunktion deaktiviert wurde, sammelten sich unter jenem Post die zahlreichen WĂŒnsche und Botschaften von Freunden und Fans.
Dahlmeier arbeitete als Berg- und SkifĂŒhrerin unter anderem im Team des DAV Summit Clubs. Sie habe sechs bis acht Touren in den Alpen pro Jahr gefĂŒhrt, etwa in der Bernina-Gruppe oder im Ătztal, sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Manfred Lorenz der dpa. «Wir können nur auf ein Wunder hoffen.» Der DAV Summit Club habe wegen der politischen Lage mehrere Jahre keine Touren in Pakistan angeboten, zuletzt habe sich die Lage aber beruhigt.
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