Emmy Awards 2026: Diese 16 Serien gehen in den Hauptkategorien ins Rennen
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 07:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie US-Fernseh-Akademie hat die Nominierungen für die Emmy Awards 2026 in den Serien-Königskategorien Drama und Comedy bekanntgegeben; 16 Produktionen gehen ins Rennen um die Auszeichnung als beste Serie des Jahres.
Emmys ehren US-Produktionen und Koproduktionen
Die Emmy Awards werden am 14. September in den USA verliehen, nach Mitteleuropäischer Sommerzeit am 15. September. Prämiert werden Serien, die als US-Produktion oder US-Koproduktion gelten, sowie die kreativen Köpfe hinter den Formaten. In den Hauptkategorien unterscheidet die Academy of Television Arts & Sciences traditionell zwischen Dramaserien und Comedys.
Die nominierten Dramaserien 2026
Als beste Dramaserie stehen sieben Formate zur Wahl. „Pluribus – Glück ist ansteckend“ (Apple TV) erzählt ruhig und philosophisch von einer Frau, die als eine der wenigen weltweit gegen ein rätselhaftes Virus immun ist, das die Menschheit in ein gemeinsames Bewusstsein überführt. Die Serie des „Breaking Bad“-Schöpfers Vince Gilligan setzt stark auf Atmosphäre und einen herausragenden Cast mit Rhea Seehorn und Karolina Wydra.
Klinikdrama und Politthriller als Favoriten
„The Pitt“ (Apple TV) zeigt eine Schicht in der Notaufnahme in nahezu Echtzeit, jede Folge umfasst etwa eine Stunde. Die Krankenhausserie lebt von pausenloser Spannung, detaillierter medizinischer Darstellung und den Belastungen ihres Personals – allen voran Chefarzt Robby, gespielt von Noah Wyle. Die Serie hatte bereits 2025 bei den Emmys große Erfolge und gilt erneut als Favorit.
Krisen der Diplomatie und Zeitenwende im New York des 19. Jahrhunderts
Der Netflix-Politthriller „Diplomatische Beziehungen“ ist mit seiner dritten Staffel gleich mehrfach nominiert, darunter für Hauptdarstellungen von Keri Russell und Rufus Sewell sowie Nebendarstellerrollen von Allison Janney und Bradley Whitford. Im Zentrum steht die Diplomatin Kate Wyler, die während einer internationalen Krise überraschend zur US-Botschafterin in London wird, während Intrigen die Beziehungen beider Staaten belasten. „The Gilded Age“ (HBO; in Deutschland bei Sky/Wow) führt dagegen ins New York des späten 19. Jahrhunderts, wo alteingesessene Familien und neureiche Emporkömmlinge um gesellschaftliche Anerkennung ringen.
Fantasy aus Westeros, Politverschwörung und Spionagethriller
Mit „A Knight of the Seven Kingdoms“ kehrt das „Game of Thrones“-Universum als leichtere Fantasyvariante zurück, die rund 90 Jahre vor der Originalserie spielt. Die sechs Folgen folgen Ser Duncan dem Großen und seinem Knappen Egg auf Turnier-Abenteuer und basieren auf der Heckenritter-Trilogie von George R. R. Martin. In „Paradise“ (Hulu; in Deutschland bei Disney+) bildet der Mord an einem jungen US-Präsidenten den Ausgangspunkt für eine Politverschwörung, in deren Zentrum Leibwächter Xavier Collins steht. Gelobt werden das Ensemble und zahlreiche Wendungen der von Dan Fogelman entwickelten Serie.
Antihelden beim MI5 und dunkle Geheimnisse im Vorort
„Slow Horses – Ein Fall für Jackson Lamb“ (Apple TV) spielt im „Slough House“, der Abstellkammer des britischen Geheimdienstes MI5 für gescheiterte Agenten. Unter der Leitung des übellaunigen Jackson Lamb geraten die Antihelden immer wieder in gefährliche Spionagefälle; die Serie kombiniert klassischen Agententhriller mit schwarzem Humor und politischer Intrige und geht mit neun Nominierungen ins Emmy-Rennen. Ebenfalls nominiert ist „Your Friends and Neighbors“ (Apple TV), in der Jon Hamm als Hedgefonds-Manager Andrew Cooper nach Jobverlust und familiären Problemen beginnt, Häuser im reichen Vorort Westmont Village auszurauben – und auf die verborgenen Geheimnisse seiner Nachbarschaft stößt.
Nominiert als beste Comedysereien
In der Kategorie beste Comedysereie treten neun Produktionen an. „Abbott Elementary“ (ABC; in Deutschland Disney+) begleitet Lehrkräfte an einer unterfinanzierten Schule in Philadelphia, gedreht im Mockumentary-Stil. Serienentwicklerin Quinta Brunson spielt selbst die optimistische Lehrerin Janine Teagues, während kaputte Infrastruktur und Alltagssorgen mit Humor, aber ohne Verharmlosung gezeigt werden.
Küchencrew zwischen Stern und Existenzkampf
„The Bear: King of the Kitchen“ (FX; Disney+) zählt inzwischen zu den Daueranwärtern bei den Emmys. Im Mittelpunkt steht Koch Carmy und seine Küchencrew, die aus einem geerbten Sandwich-Imbiss ein Gourmetrestaurant machen. Für die nun nominierte vierte Staffel wurden vor allem die emotionalen Geschichten der Figuren hervorgehoben, während der Humor eher zurücktritt, was die Einstufung als Comedy manchen Beobachtern ungewöhnlich erscheinen lässt.
Comedy über Bühnenkarrieren, Geldnöte und moderne Rom-Com
In „Hacks“ (HBO Max; in Deutschland vor allem bei RTL+) versucht die junge Autorin Ava Daniels, den Stand-up-Humor der Entertainment-Veteranin Deborah Vance zu erneuern. Über fünf Staffeln entsteht eine konfliktreiche, zugleich enge Beziehung, deren abschließende Staffel mit 24 Emmy-Nominierungen einen Rekord in der Comedy-Kategorie setzt. „Only Margo“ („Margo's Got Money Troubles“, Apple TV) erzählt von einer alleinerziehenden Mutter, die zu unorthodoxen Mitteln greift, um finanziell über die Runden zu kommen, und lebt von den nuancierten Darstellungen von Elle Fanning, Michelle Pfeiffer und Nick Offerman.
Romantische Comedy, True-Crime-Hommage und Horror mit Humor
„Nobody Wants This“ (Netflix) stellt eine Sex-Podcasterin und einen Rabbiner als ungleiches Paar ins Zentrum und aktualisiert das Rom-Com-Prinzip mit Kristen Bell und Adam Brody, ohne in stereotype Rollenbilder zurückzufallen. „Only Murders in the Building“ (Disney+) verbindet True-Crime-Faszination mit Slapstick und einem prominenten Trio aus Steve Martin, Martin Short und Selena Gomez, das in seiner Wohnanlage immer neue Kriminalfälle untersucht und von zahlreichen Gaststars unterstützt wird. Die Horror-Comedy „Widow's Bay“ (Apple TV) schließlich spielt auf einer fiktiven Insel an der US-Ostküste, wo Bürgermeister Tom Loftis das Image seiner heruntergekommenen Heimat aufpolieren will, während ein vermeintlicher Fluch und unerklärliche Ereignisse für 19 Nominierungen der ersten Staffel sorgen.
US-Fernsehpreise als Gradmesser für globale Serienmärkte
Die Emmy Awards gelten seit Jahrzehnten als wichtigste Auszeichnung für US-Fernsehproduktionen und prägen erheblich, welche Serien weltweit zusätzliche Aufmerksamkeit, Budgets und Auswertungsfenster erhalten. Dass viele der in diesem Jahr nominierten Reihen auf internationalen Streamingplattformen wie Apple TV, Netflix, Disney+ oder HBO/Sky verfügbar sind, zeigt, wie stark sich der Markt von klassischen US-Sendern hin zu global agierenden Diensten verschoben hat. Für deutsche Zuschauerinnen und Zuschauer bedeutet dies, dass nahezu alle hier genannten Titel unmittelbar erreichbar sind und nicht mehr auf lineare Ausstrahlungen warten müssen.
Trends: Prestige-Drama, Polit-Thriller und Genre-Mix
Die Dramakategorien spiegeln einen deutlichen Trend zu hochwertigen, oft seriell erzählten Stoffen wider, die gesellschaftliche und politische Themen durchspielen. Produktionen wie „Pluribus“, „Diplomatische Beziehungen“ oder „Paradise“ verknüpfen Genre-Elemente mit Fragen nach Macht, Verantwortung und kollektiver Erfahrung. Zugleich stehen mit „The Pitt“ und „Slow Horses“ sehr unterschiedliche Formen des Spannungsfernsehens nebeneinander: das extrem verdichtete Echtzeit-Krankenhausdrama auf der einen, der britische Spionagethriller mit schwarzem Humor auf der anderen Seite. Fantasy und Historienstoffe wie „A Knight of the Seven Kingdoms“ und „The Gilded Age“ markieren den fortgesetzten Erfolg aufwendig produzierter Welten.
Comedy im Spannungsfeld zwischen Feelgood und Ernsthaftigkeit
In den Comedykategorien fällt auf, wie stark sich Grenzen zum Drama aufgeweicht haben. Serien wie „The Bear: King of the Kitchen“, „Hacks“, „Shrinking“ oder „Only Margo“ arbeiten mit viel emotionaler Tiefe, komplexen Figuren und teils schweren Themen, nutzen Humor eher als Zugang und Entlastung. Klassischere Sitcom-Formate wie „Abbott Elementary“ oder romantische Stoffe wie „Nobody Wants This“ stehen daneben für ein weiterhin großes Bedürfnis nach tröstender, alltagsnaher Unterhaltung. Neue Mischformen wie die Horror-Comedy „Widow’s Bay“ zeigen zudem, dass Auszeichnungen längst nicht mehr nur an reines Genrefernsehen gehen, sondern an Serien, die Konventionen bewusst überschreiten.
