Schluss mit dem Macho-Leben: Krimi «Rehragout-Rendezvous»
21.07.2024 - 05:00:36 | dpa.de
Eine Revolution ist in Niederkaltenkirchen ausgebrochen. Die Oma möchte nicht mehr kochen und putzen. Und Susi will Karriere machen und nicht als treu sorgende Mutter immer nur hintenan stehen, um das alltĂ€gliche Familienchaos zu regeln. Schwierige Zeiten also fĂŒr den Dorfpolizisten Franz Eberhofer, seinen Vater und seinen Bruder Leopold, saĂen sie doch in den bisherigen acht Filmen der «Eberhofer»-Reihe im gemachten Nest und konnten ausgiebig Nabelschau betreiben.Â
Damit ist in der Krimikomödie «Rehragout-Rendezvous» Schluss. Die MĂ€nner mĂŒssen selbst anpacken, weil Susi und Oma sich nicht lĂ€nger ausbeuten lassen wollen. Zu sehen ist der Film in der Reihe «ARD-Sommerkino» am Montag um 20.15 Uhr auf dem Ersten.
«Es war vielleicht ĂŒberfĂ€llig, dass die wichtigsten Frauenfiguren
mehr Raum einnehmen», sagte die Produzentin Kerstin Schmidbauer anlĂ€sslich des Kinostarrts vor einem Jahr. Die Komödie beruht auf dem 11. Band der Krimireihe von Rita Falk. Sebastian Bezzel und Simon Schwarz alias Privatdetektiv Rudi Birkenberger ermitteln dieses Mal gemeinsam in einem Vermisstenfall, der sich als Mord entpuppt.Â
Neue Zeiten also im «Eberhofer»-Universum? Jein. Die Diskussionen im Film sind alt. Dass MĂŒtter arbeiten und MĂ€nner den MĂŒll rausbringen und die Kinder wickeln - in sehr vielen Beziehungen lĂ€ngst Alltag. So entlarvt sich Eberhofer als reichlich altmodisch angesichts seines Entsetzens, dass er im Job kĂŒrzer treten soll, um sich mehr um Sohn Pauli kĂŒmmern zu können. Auch an seinem Vater (Eisi Gulp) und Bruder Leonard (Gerhard Wittmann) scheinen die Debatten um gerechte Aufteilung von Arbeit und Haushalt spurlos vorĂŒbergegangen zu sein.
Das wollen die Frauen nicht lĂ€nger hinnehmen. Enzi Fuchs als Oma wagt den Protest - wieder einmal wunderbar verschmitzt und zĂ€h - und doch zerbrechlich. Potthoff spielt gewohnt schlagfertig und bietet den MĂ€nnern ringsum unbeeindruckt Paroli.Â
Doch das Drehbuch setzt dem Selbstbewusstsein ihrer Figur Grenzen. Susi wirkt nicht gerade wie die Speerspitze der Emanzipation, wenn sie im rosa Barbie-KostĂŒm in ihre neue Rolle als stellvertretende BĂŒrgermeisterin des fiktiven Dorfes in Niederbayern stöckelt. Das Klischee einer unbedarften Frau, die erst mal gar nicht so recht weiĂ, wie sie diesen Platz ausfĂŒllen soll. Beruhigend, dass sie am Ende doch Geschmack daran findet, das Sagen zu haben und ihren beruflichen Ehrgeiz entdeckt.
«Rehragout-Rendezvous» lenkt die Filmreihe in eine andere Richtung. Mehr Frauen-Power, weniger Toleranz fĂŒr MĂ€nner-AllĂŒren. Fans der dummen SprĂŒche und des Klamauks kommen dennoch auf ihre Kosten. Parodistisch ĂŒberhöhtes Macho-Gehabe und flache SpĂ€Ăe gibt es zuhauf, nicht zuletzt auf Kosten von Franz, der sich von Susis Ambitionen stark unter Druck gesetzt fĂŒhlt, bis in intimste Bereiche. Ein Umstand, der Metzger Simmerl (Stephan Zinner), Wirt Wolfi (Max Schmidt) und Flötzinger (Daniel Christensen) so umtreibt, dass sie ihm helfen wollen, seine MĂ€nnlichkeit neu zu entdecken.
Der Perspektivenwechsel tut der Geschichte tut, auch wenn manche Witze nicht mehr ganz taufrisch sind. Trotzdem taugt der Film auch als Signal an die MÀnnerwelt: Selbst im hintersten Winkel lÀsst es sich nicht mehr bequem in der Macho-Nische einnisten.
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