Trumps, Vereidigung

Vor Trumps Vereidigung: «Y.M.C.A.» schallt durch Washington

19.01.2025 - 21:27:55

Eine LGBTQ+-Hymne als Stimmungsmacher bei Trump-AnhĂ€ngern? Was paradox klingt, funktioniert ĂŒberraschend gut – der kĂŒnftige US-PrĂ€sident ist selbst ein großer Fan des Songs.

Schon am Wochenende vor der AmtseinfĂŒhrung des kĂŒnftigen US-PrĂ€sidenten Donald Trump wird der Republikaner in Washington gefeiert. Die Straßen der Hauptstadt sind trotz nasskalten Winterwetters gefĂŒllt mit AnhĂ€ngern Trumps; sie tragen rote KĂ€ppis mit seinem Slogan «Make America Great Again» (MAGA) oder sind in anderweitiger Trump-Ästhetik ausstaffiert. Und an vielen Ecken erklingt ein Song besonders hĂ€ufig: der Disco-Hit «Y.M.C.A.» der Village People.

Die Band selbst wird am Rande der Vereidigung mehrfach auftreten - unter anderem am Vorabend der Vereidigung, bei einer Veranstaltung der rechtskonservativen Organisation Turning Point Action, die Trump im Wahlkampf unterstĂŒtzte. 

LeadsĂ€nger Victor Willis verteidigte dies bei Facebook gegenĂŒber kritischen Fans: «Wir wissen, dass einige von Euch das nicht gerne hören werden, aber wir glauben, dass Musik ohne Bezug zu Politik gespielt werden sollte», schrieb er. Der Song solle helfen, das Land nach einem turbulenten Wahlkampf zu vereinen.

Ambivalente Beziehung zu Trump

Die Village People, die heute nicht mehr in ihrer ursprĂŒnglichen Besetzung auftreten, haben eine ambivalente Beziehung zu Trump: WĂ€hrend seines Wahlkampfs nutzte der Republikaner ihren weltbekannten Disco-Hit «Y.M.C.A.» und auch das Lied «Macho Man» (beide aus dem Jahr 1978) bei nahezu jeder Veranstaltung als Stimmungsmacher. 

Anfangs Ă€ußerte die Band ihren Unmut darĂŒber, dass ihre Songs ohne Genehmigung und in einem politischen Kontext gespielt wurden. SpĂ€ter nahmen sie es aber ohne weitere Kritik hin.

Inoffizielle LGBTQ+-Hymne

Wenige Lieder verbinden so viele Menschen wie der Klassiker aus den 1970er Jahren – der eingĂ€ngige Refrain und die dazugehörigen Armbewegungen, die die Buchstaben «Y.M.C.A.» in die Luft zeichnen, sind ein Tanz, den fast jeder kennt. 

Das Lied gilt aber auch als eine inoffizielle Hymne der LGBTQ+-Community. Der Text, der das Leben rund um die Young Men's Christian Association («Y.M.C.A.») beschreibt, wurde von vielen als subtiler Hinweis auf sichere RĂ€ume fĂŒr homosexuelle MĂ€nner interpretiert – ein Thema, das zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Liedes im Jahr 1978 noch stark tabuisiert war.

LeadsĂ€nger Willis hat diese Interpretation zwar in der Vergangenheit zurĂŒckgewiesen, doch die Symbolkraft hĂ€lt an. Dass das Lied nun ausgerechnet mit dem Republikaner Trump in Verbindung gebracht wird, wirkt fĂŒr viele paradox: Seine Partei vertritt vielfach Positionen, die LGBTQ+-Rechte einschrĂ€nken, und macht sich unter anderem massiv gegen die Rechte von Trans-Menschen stark.

@ dpa.de