Mohammad Rasoulof soll Oscar fĂŒr Deutschland holen
22.08.2024 - 19:40:32 | dpa.deErst vor wenigen Monaten floh er nach Deutschland - nun ist er die deutsche Oscar-Hoffnung: Der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof soll mit seinem Film «Die Saat des heiligen Feigenbaums» fĂŒr Deutschland ins Rennen um den Oscar fĂŒr den besten internationalen Film gehen, wie German Films, die Auslandsvertretung des deutschen Films, in MĂŒnchen mitteilte. Er setzte sich gegen ein Dutzend weitere Bewerberfilme durch.
Film ĂŒber die politischen Proteste im Iran
«Die Saat des heiligen Feigenbaums» erzĂ€hlt von den Auswirkungen der politischen Proteste im Iran auf eine Familie. Der Film sei «das Psychogramm der auf Gewalt und Paranoia aufgebauten Theokratie des Iran», hieĂ es in der JurybegrĂŒndung. Rasoulof erzĂ€hle «auf subtile Weise von den Rissen innerhalb einer Familie, die stellvertretend sind fĂŒr die Risse innerhalb der iranischen Gesellschaft. Ein meisterhaft inszenierter und berĂŒhrend gespielter Film, der Szenen findet, die bleiben.»
Der Film wurde hauptsĂ€chlich in Deutschland produziert und kann daher fĂŒr das Land ins Rennen gehen. «Die Saat des heiligen Feigenbaums» ist nicht nur ein politisch Ă€uĂerst relevanter, sondern auch ein spannungsgeladener und bewegender Film mit vielschichtigen Charakteren.Â
Das heimlich gedrehte Werk erzĂ€hlt von den Protesten im Iran nach dem Tod der jungen Kurdin Jina Mahsa Amini im September 2022. Die Lage im Land wird anhand der Spannungen in einer Familie erzĂ€hlt.Â
Auf der einen Seite stehen der streng glÀubige Vater namens Iman (Missagh Sareh), der seit Kurzem als Ermittler beim Islamischen Revolutionsgericht arbeitet, und seine Frau Najmeh (Soheila Golestani). Auf der anderen Seite sind ihre beiden Töchter im Teenager-Alter, die mit den Protesten sympathisieren.
Preise bei der Berlinale und in Cannes
Rasoulof, der 2020 den Goldenen BĂ€ren der Berlinale fĂŒr seinen Film «Es gibt kein Böses» erhalten hatte, gilt im Iran als Ă€uĂerst kritischer Filmemacher und wurde bereits in der Vergangenheit inhaftiert. Er wurde kĂŒrzlich in seinem Heimatland zu einer mehrjĂ€hrigen Haftstrafe verurteilt und hat das Land daraufhin im Mai heimlich verlassen.Â
Nach einigen Tagen kam er dann in Hamburg an, wo seine Tochter Medizin studiert und wo er selbst nach Angaben von Produzent Mani Tilgner schon seit 2012 hauptsĂ€chlich lebte. Von dort pendelte er regelmĂ€Ăig nach Teheran, bis er bei einer dieser Reisen an der Ausreise gehindert wurde und daraufhin einige Jahre im Iran festsaĂ.
Bei den Filmfestspielen in Cannes gewann Rasoulof den Spezialpreis der Jury. Bei seiner dortigen Premiere bekam der Regisseur im Mai die lĂ€ngsten Standing Ovations des diesjĂ€hrigen Filmfestivals - ĂŒber 12 Minuten applaudierte das begeisterte Publikum nach dem Abspann. Einige Zuschauerinnen und Zuschauer hatten TrĂ€nen in den Augen. Schon bei seiner Ankunft im Kinosaal - wenige Tage, nachdem er geflohen war - wurden der Regisseur und das restliche Filmteam minutenlang bei stehenden Ovationen bejubelt.Â
Rasoulof und Produzent reagieren erfreut
Rasoulof und die Produzenten des Films zeigten sich erfreut darĂŒber, von der Jury nun auch als Oscar-Beitrag ausgewĂ€hlt worden zu sein: «Dieser Film, der die Geschichte von UnterdrĂŒckung, aber auch von Hoffnung und Widerstand erzĂ€hlt, ist das Ergebnis einer einzigartigen Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlichster LebensrealitĂ€ten und Migrationsgeschichten. Er zeigt, wie kraftvoll der interkulturelle Austausch in einer freien und offenen Gesellschaft wirken kann», teilten sie mit.
Die Wahl des deutschen Beitrags ist nur eine von mehreren Vorstufen. Die 15 Titel umfassende Shortlist fĂŒr die Kategorie des Auslands-Oscars wird am 17. Dezember 2024 verkĂŒndet. Aus dieser Shortlist werden die fĂŒnf nominierten Filme ausgewĂ€hlt und am 17. Januar 2025 bekanntgegeben. Die Oscar-Verleihung findet dann am 2. MĂ€rz 2025 statt.
Im FrĂŒhjahr war bei der Oscar-Verleihung der fĂŒr den besten internationalen Film nominierte deutsche Beitrag «Das Lehrerzimmer» von Ilker Ăatak leer ausgegangen. In der Kategorie holte die britische Produktion «The Zone of Interest» von Jonathan Glazer den Oscar.
Vier deutsche Produktionen gewannen bislang Auslands-Oscar
Im Vorjahr hingegen hatte die deutsche Literaturverfilmung «Im Westen nichts Neues» von Regisseur Edward Berger nicht nur den Oscar als bester internationaler Film geholt, sondern auch noch drei weitere fĂŒr Kamera, Szenenbild und Filmmusik.Â
Erst vier deutsche Produktionen gewannen den Preis fĂŒr den besten internationalen Film. AuĂer «Im Westen nichts Neues» war das 2007 Florian Henckel von Donnersmarck mit dem Stasi-Drama «Das Leben der Anderen» gelungen. 1980 hatte die Romanverfilmung «Die Blechtrommel» von Volker Schlöndorff diesen Preis erhalten, 2003 «Nirgendwo in Afrika» von Caroline Link.
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