Zukunft, Kaffees

Die Zukunft des Kaffees steht auf dem Spiel: Drei Experten-Tipps, wie man nachhaltigen und fairen Kaffee erkennt

22.10.2024 - 11:44:36

Freiburg im Breisgau - Die Zukunft des Kaffees ist ungewiss - bereits jetzt können Millionen von KleinbĂ€uer*innen nicht von ihrem Einkommen leben. Obwohl Deutschland zu den grĂ¶ĂŸten KaffeekonsumlĂ€ndern in Europa gehört, werden nur 4,8 % des in Deutschland getrunkenen Kaffees fair gehandelt. Dazu kommen die Auswirkungen des Klimawandels, welche die verfĂŒgbaren AnbauflĂ€chen fĂŒr Kaffee weltweit enorm schrumpfen lassen. Mit diesen und weiteren Fakten macht die Non-Profit-Organisation Solidaridad Deutschland e.V. auf die bedrohliche Situation fĂŒr KaffeebĂ€uer*innen aufmerksam und möchte fĂŒr einen nachhaltigen Kaffeekonsum sensibilisieren: "Wenn wir in Deutschland in Zukunft unseren Kaffee trinken und genießen möchten, dann mĂŒssen wir jetzt handeln. Wir alle haben die Macht, daran etwas zu Ă€ndern, indem wir beim Kaffeekauf auf nachhaltigen und fairen Kaffee achten", sagt Melanie Rutten-SĂŒlz, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin von Solidaridad Deutschland e.V. Das internationale Solidaridad-Netzwerk arbeitet mit KaffeekleinbĂ€uer*innen in den unterschiedlichsten KaffeeanbaulĂ€ndern daran, mit guten landwirtschaftlichen Praktiken und Techniken ihre Produktion, ProduktivitĂ€t und QualitĂ€t zu verbessern.

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass der Kaffeesektor insgesamt genug Gewinne erzielt, diese jedoch nicht bei den KaffeebĂ€uer*innen ankommen (Vgl. Studie "The Grounds for Sharing", BASIC, Global Coffee Platform, IDH, Solidaridad, 2024). In 80 % der ProduktionslĂ€nder von Kaffee liegt das Durchschnittseinkommen der KleinbĂ€uer*innen unter der Armutsgrenze. Zudem schrumpfen aufgrund der Klimakrise die verfĂŒgbaren AnbauflĂ€chen weltweit: Bis 2025 werden 97 % der aktuellen Arabica-KaffeeanbauflĂ€che in Brasilien durch den Klimawandel untauglich. Steigende Temperaturen, anhaltende Trockenheit und anhaltende Starkregen fĂŒhren zunehmend zu ErnteausfĂ€llen auf den Kaffeefarmen. Laut Solidaridad Deutschland e.V. besteht ein dringender Handlungsbedarf, auf der einen Seite Kaffee nachhaltiger zu produzieren und auf der anderen Seite beim Kaffee-Kauf auf Nachhaltigkeitsaspekte zu achten.

Nachhaltiger Kaffeegenuss: Darauf sollte beim Kaffee-Kauf geachtet werden

"Meist wissen Verbraucher*innen wenig ĂŒber den Kaffee, den sie trinken. FĂŒr sie ist es schwer zu erkennen, ob der Kaffeebauer oder die KaffeebĂ€uerin fĂŒr den Kaffee fair bezahlt wurde. Auch der Geschmack verrĂ€t nicht, ob sie oder er bei der Umstellung auf nachhaltige Anbaumethoden unterstĂŒtzt wurde. Und dennoch haben Verbraucher*innen eine entscheidende Mitverantwortung. Die Wahl von fairem und nachhaltigem Kaffee kann einen Unterschied fĂŒr die BĂ€uer*innen machen", betont Melanie Rutten-SĂŒlz. Sie ist seit ĂŒber 20 Jahren in der Kaffeebranche tĂ€tig und kennt die Herausforderungen der KleinbĂ€uer*innen. Als Expertin fĂŒr nachhaltigen und fairen Kaffee empfiehlt Rutten-SĂŒlz auch folgende Dinge beim Kaffeekauf zu achten:

1. Auf fundierte Nachhaltigkeitsstrategien achten.

Ein erster Schritt ist, die Nachhaltigkeitsstrategien der großen Kaffeeröster kritisch zu betrachten. Solidaridad hat im "Kaffeebarometer 2023" die elf grĂ¶ĂŸten Röster auf ihre Nachhaltigkeitsstrategie untersucht. Das Ergebnis: Keiner der elf grĂ¶ĂŸten Kaffeeröster der Welt schneidet derzeit in Punkto nachhaltige Lieferketten wirklich gut ab. Nachhaltigkeitsstrategien gibt es zwar sehr viele, jedoch fehlt es oft an umfassenden, messbaren und zeitlich begrenzten Zielen. Nur zwei der elf weltweit grĂ¶ĂŸten Kaffeeröstereien legen ausfĂŒhrliche Nachhaltigkeitsstrategien vor. Das Kaffeebarometer 2023 kann auf der Website von Solidaridad heruntergeladen werden: https://solidaridad.de/news/kaffeebarometer-2023.

2. Auf Siegel achten.

Siegel wie Fairtrade leisten einen wichtigen Beitrag zu einer besseren und faireren Bezahlung der KleinbĂ€uer*innen. Hier erhalten KaffeebĂ€uer*innen einen festgelegten Fairtrade-Mindestpreis und eine Fairtrade-PrĂ€mie sowie die Möglichkeit, sich mit anderen BĂ€uer*innen zusammenzuschließen und durch Genossenschaften starke Netzwerke zu bilden. Der faire Handel und Fairtrade sind somit Vorreiter*innen fĂŒr fairen und nachhaltigen Kaffee. Doch auch sie können bisher nicht umfassend die Zahlung von existenzsichernden Einkommen fĂŒr alle KaffeebĂ€uer*innen garantieren. Solidaridad möchte die gesamte Kaffeebranche fairer und nachhaltiger gestalten, damit jede KaffeebĂ€uerin und jeder Kaffeebauer - und deren Familien - langfristig ein existenzsicherndes Einkommen bekommen.

3. Auf direkt gehandelten Kaffee achten.

Eine Alternative zu Siegeln bietet der direkte Handel. WĂ€hrend der Großteil des Kaffees von Großplantagen produziert und ĂŒber die Kaffeebörse zum jeweiligen Weltmarktpreis gehandelt und verkauft wird, setzt der direkte Handel auf den unmittelbaren direkten Einkauf bei kleineren Kaffeefarmen, ganz ohne ZwischenhĂ€ndler. Dadurch entstehen langfristige und enge Partnerschaften sowie transparentere Handels- und Preisstrukturen. Außerdem erhalten die KaffeebĂ€uer*innen hĂ€ufig bessere Preise, die es ihnen erlauben, z.B. in klimaresilientere Produktionstechniken zu investieren. Allerdings gilt es auch hier genau hinzuschauen und nachzufragen, denn fĂŒr den direkten Handel gibt es keine gesetzlichen Standards oder Zertifizierungen.

So unterstĂŒtzt Solidaridad KaffeekleinbĂ€uer*innen

Solidaridad setzt sich mit vielen Projekten weltweit fĂŒr nachhaltigen und fairen Kaffee ein: Die Organisation unterstĂŒtzt KleinbĂ€uer*innen beispielsweise dabei, ihre AbhĂ€ngigkeit von anorganischen DĂŒngemitteln zu reduzieren, SchattenbĂ€ume zu pflanzen und klimaresilienter zu werden. Die SchattenbĂ€ume schĂŒtzen die Kaffeepflanzen und den Boden vor höheren Temperaturen, Winderosion, starken RegenfĂ€llen und Sonneneinstrahlung. ZusĂ€tzlich absorbieren die BĂ€ume CO2 aus der Luft, das als Kohlenstoff in den BĂ€umen und im Boden gespeichert wird. Dadurch steigern die KaffeekleinbĂ€uer*innen auf zwei Arten ihr Einkommen: sie erhöhen ihre ErtrĂ€ge und diversifizieren zudem ihr Einkommen, indem sie ĂŒber CO2-Handelsplattformen fĂŒr die Speicherleistung ihrer SchattenbĂ€ume vergĂŒtet werden.

Um Verbraucher*innen auf die ungewisse Zukunft des Kaffees aufmerksam zu machen, können diese ihr Wissen ĂŒber die Zukunft des Kaffees online testen: www.solidaridad.de/kaffeequiz. Hier erfahren sie, wie sich die Klimakrise auf die AnbauflĂ€chen auswirkt und wie die KaffeebĂ€uer*innen darauf reagieren können. Und dabei gibt es auch etwas zu gewinnen: nachhaltigen Kaffee!

Über Solidaridad

Seit ĂŒber 50 Jahren setzt sich das Solidaridad-Netzwerk weltweit fĂŒr eine nachhaltige, kleinbĂ€uerliche Landwirtschaft ein. Bekannt als MitbegrĂŒnder*innen der Max Havelaar Fairtrade Bewegung in den 1980ern, hat die Organisation frĂŒh damit begonnen, KleinbĂ€uer*innen als schwĂ€chstes Glied innerhalb der Lieferketten dabei zu unterstĂŒtzen, landwirtschaftliche Produkte wie Kaffee, Kakao oder Baumwolle nachhaltig zu produzieren und auf dem globalen Markt zu vertreiben. Mit mehr als 1.300 Mitarbeitenden weltweit und Projekten in mehr als 40 LĂ€ndern gehört Solidaridad heute zu den weltweit grĂ¶ĂŸten und erfahrensten Entwicklungsorganisationen.

Pressekontakt:

Julia Hugenschmidt
Communications and Campaigning Advisor Solidaridad Deutschland
E-Mail: julia.hugenschmidt@solidaridadnetwork.org

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