Podcast, Medizin

„Die Mehrheit der Menschen wird im Gesundheitssystem benachteiligt“ – Dr. Mertcan Usluer („GynĂ€kollege“) bei „Deutschland3000“

04.03.2026 - 11:03:08 | presseportal.de

Hamburg - In der neuen Folge des N-JOY Podcasts „Deutschland3000“ trifft Eva Schulz auf Dr. Mertcan Usluer. Der GynĂ€kologe und Content Creator, der als „GynĂ€kollege“ Hunderttausende Follower auf Instagram und TikTok hat, kritisiert im GesprĂ€ch strukturelle Probleme im Gesundheitssystem. Außerdem erzĂ€hlt er, dass er seit Januar dieses Jahres wegen eines Burnouts nicht mehr im Krankenhaus praktiziert.

„Die Mehrheit der Menschen wird im Gesundheitssystem benachteiligt“ – Dr. Mertcan Usluer („GynĂ€kollege“) bei „Deutschland3000“ - Foto: presseportal.de
„Die Mehrheit der Menschen wird im Gesundheitssystem benachteiligt“ – Dr. Mertcan Usluer („GynĂ€kollege“) bei „Deutschland3000“ - Foto: presseportal.de

„Ich habe teilweise 20 Stunden gearbeitet und dann operiert“

Der Burnout sei auch durch die Klinikarbeit zustande gekommen, so Usluer. Der Wunsch anderen zu helfen, werde von Arbeitgebenden, Krankenkassen und dem Gesundheitssystem ausgenutzt. Das betreffe nicht nur Ärzte, sondern etwa auch Pfleger, Hebammen und das Reinigungspersonal. Der GynĂ€kologe erzĂ€hlt: „Ich habe teilweise 20 Stunden gearbeitet und dann kam ein Notfall und ich muss nachts noch eine Person operieren. Du kannst mir nicht sagen, dass ich top of my game bin und fit genug bin, um einen Menschen neben mir in der Hand zu haben, nachdem ich 20 Stunden nichts gegessen habe, gar nicht geschlafen habe und gerade so stehen kann.“

Usluer kritisiert im GesprĂ€ch außerdem, dass die Mehrheit der Menschen im Gesundheitssystem benachteiligt werde – etwa Frauen, queere Menschen, migrantisierte Menschen und Menschen mit Behinderungen. „Das sind alles Personengruppen, die es einfach statistisch bewiesen auch schlechter haben und schwerer haben, eine faire Gesundheitsversorgung zu bekommen.“

„Es ist peinlich, dass wir den weißen Hetero-Cis-Mann als Normkörper betitelt haben“

Der Arzt fĂŒhrt weiter aus: „Es ist peinlich, dass wir seit Jahrhunderten den weißen Hetero-Cis-Mann als Normkörper betitelt haben und sagen, okay, alles andere soll sich einfach daran orientieren. Es ist schlimm, dass Frauen dieselbe Dosis von Schlafmedikamenten zum Beispiel bekommen und dann am nĂ€chsten Tag AutounfĂ€lle passieren, weil das einfach eine zu hohe Dosis war und weil wir nie an Frauen dieses Medikament erforscht haben. Oder dass Herzinfarkte siebenmal hĂ€ufiger fehldiagnostiziert werden bei Frauen in der Notaufnahme. Oder dass schwarze MĂŒtter drei- bis viermal hĂ€ufiger unter Geburt sterben.“

„Medizin muss man nicht ĂŒber sich ergehen lassen“

Am Ende des GesprĂ€chs macht Usluer noch einmal Mut zur VerĂ€nderung: „Medizin ist nichts, was man ĂŒber sich ergehen lassen muss. Nicht mehr. Man darf das einfordern. Und man darf auch sagen: ‚Ey, das passt mir gerade nicht.‘ Man darf sich stark fĂŒr sich selber machen. In jedem Bereich, aber vor allem in der Gesundheit.“

Die neue Folge „Deutschland3000“ mit Mertcan Usluer ist ab sofort in der ARD Audiothek und ĂŒberall dort verfĂŒgbar, wo es Podcasts gibt.

Link zum Podcast „Deutschland3000 mit Eva Schulz“: https://1.ard.de/-Deutschland3000?pm

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