âDie Mehrheit der Menschen wird im Gesundheitssystem benachteiligtâ â Dr. Mertcan Usluer (âGynĂ€kollegeâ) bei âDeutschland3000â
04.03.2026 - 11:03:08 | presseportal.de
âIch habe teilweise 20 Stunden gearbeitet und dann operiertâ
Der Burnout sei auch durch die Klinikarbeit zustande gekommen, so Usluer. Der Wunsch anderen zu helfen, werde von Arbeitgebenden, Krankenkassen und dem Gesundheitssystem ausgenutzt. Das betreffe nicht nur Ărzte, sondern etwa auch Pfleger, Hebammen und das Reinigungspersonal. Der GynĂ€kologe erzĂ€hlt: âIch habe teilweise 20 Stunden gearbeitet und dann kam ein Notfall und ich muss nachts noch eine Person operieren. Du kannst mir nicht sagen, dass ich top of my game bin und fit genug bin, um einen Menschen neben mir in der Hand zu haben, nachdem ich 20 Stunden nichts gegessen habe, gar nicht geschlafen habe und gerade so stehen kann.â
Usluer kritisiert im GesprĂ€ch auĂerdem, dass die Mehrheit der Menschen im Gesundheitssystem benachteiligt werde â etwa Frauen, queere Menschen, migrantisierte Menschen und Menschen mit Behinderungen. âDas sind alles Personengruppen, die es einfach statistisch bewiesen auch schlechter haben und schwerer haben, eine faire Gesundheitsversorgung zu bekommen.â
âEs ist peinlich, dass wir den weiĂen Hetero-Cis-Mann als Normkörper betitelt habenâ
Der Arzt fĂŒhrt weiter aus: âEs ist peinlich, dass wir seit Jahrhunderten den weiĂen Hetero-Cis-Mann als Normkörper betitelt haben und sagen, okay, alles andere soll sich einfach daran orientieren. Es ist schlimm, dass Frauen dieselbe Dosis von Schlafmedikamenten zum Beispiel bekommen und dann am nĂ€chsten Tag AutounfĂ€lle passieren, weil das einfach eine zu hohe Dosis war und weil wir nie an Frauen dieses Medikament erforscht haben. Oder dass Herzinfarkte siebenmal hĂ€ufiger fehldiagnostiziert werden bei Frauen in der Notaufnahme. Oder dass schwarze MĂŒtter drei- bis viermal hĂ€ufiger unter Geburt sterben.â
âMedizin muss man nicht ĂŒber sich ergehen lassenâ
Am Ende des GesprĂ€chs macht Usluer noch einmal Mut zur VerĂ€nderung: âMedizin ist nichts, was man ĂŒber sich ergehen lassen muss. Nicht mehr. Man darf das einfordern. Und man darf auch sagen: âEy, das passt mir gerade nicht.â Man darf sich stark fĂŒr sich selber machen. In jedem Bereich, aber vor allem in der Gesundheit.â
Die neue Folge âDeutschland3000â mit Mertcan Usluer ist ab sofort in der ARD Audiothek und ĂŒberall dort verfĂŒgbar, wo es Podcasts gibt.
Link zum Podcast âDeutschland3000 mit Eva Schulzâ: https://1.ard.de/-Deutschland3000?pm
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