So viele Gewebespenden wie noch nie - eine Gemeinschaftsleistung!
01.01.2026 - 08:00:00Erstmals erreichten die DGFG mehr als 60.000 Meldungen potenzieller Gewebespender:innen aus mehr als 320 verschiedenen Einrichtungen. Ăber 12.000 AufklĂ€rungsgesprĂ€che zur Gewebespende wurden im Jahr 2025 mit An- und Zugehörigen von Verstorbenen gefĂŒhrt, wobei in 4.585 FĂ€llen eine Zustimmung zur Spende gegeben wurde. Die Zustimmungsquote lag mit 37,9 % nach einem AbwĂ€rtstrend in den vergangenen 3 Jahren mit einem Minus von 0,2 % zu 2024 nur leicht unter dem Vorjahresniveau. "Insgesamt blicken wir voller Dankbarkeit auf ein sehr Spenden-starkes Jahr 2025. Zuallererst gilt unser Dank immer den Spenderinnen und Spendern sowie ihren An- und Zugehörigen. Ihr Altruismus und ihre SolidaritĂ€t machen die Gewebemedizin erst möglich. Dass wir bei gleichbleibender Zustimmungsquote mehr Spenden realisieren konnten, ist auch dem zu verdanken, dass immer mehr Kliniken in Deutschland potenzielle Spender:innen melden und die Gewebespende in ihr SelbstverstĂ€ndnis integrieren. Das ist in einer Zeit, in der die Kliniken und ihr Personal so stark belastet sind, keine SelbstverstĂ€ndlichkeit.", sagt DGFG-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Martin Börgel.
AugenhornhÀute - am hÀufigsten gespendet, am hÀufigsten transplantiert
Von 4.188 durchgefĂŒhrten Entnahmen spendeten 4.070 Personen nach Ihrem Tod ihre AugenhornhĂ€ute. In 2025 wurden 6.370 in der Gewebebank aufbereitete Augenhornhauttransplantate zur Operation an Augenkliniken vermittelt und ermöglichten Patientinnen und Patienten ihr Augenlicht zu erhalten oder wiederzuerlangen. Das entspricht einer Steigerung um 16 % gegenĂŒber dem Vorjahr. Und trotzdem besteht weiterhin ein Mangel an AugenhornhĂ€uten und anderen Geweben.
Mangel an Herzklappen trotz gestiegener Spendezahl in 2025
Besonders eklatant ist der Mangel bei Herzklappen: Diese wurden zu 84,4 % im Rahmen einer Organspende entnommen, wenn das gesamte Herz fĂŒr eine Organtransplantation medizinisch nicht in Frage kam. Ihre Anzahl steht somit im Zusammenhang mit den in Deutschland durchgefĂŒhrten Organspenden. In diesem Jahr wurden im Netzwerk der DGFG mit einer Anzahl von 472 18,3 % mehr Herzklappen gespendet als 2024. Dennoch konnte die DGFG nur weniger als die HĂ€lfte der Anfragen bedienen, was die Wichtigkeit des Ausbaus von Spendeprogrammen nach Herz-Kreislauf-Versterben verdeutlicht.
Innovation als SchlĂŒssel zur besseren Patientenversorgung
Die DGFG arbeitet als gemeinnĂŒtzige Organisation des Gesundheitswesens kontinuierlich daran, die Versorgungssituation mit Geweben in Deutschland zu verbessern, ob im Rahmen der Spende, Aufbereitung und Vermittlung von Gewebetransplantaten im Netzwerk oder in der Entwicklung neuer Verfahren und Gewebezubereitungen. Im Jahr 2025 feierte die DGFG das JubilĂ€um des LaMEK-Transplantats, das im Dezember 2015 als vorprĂ€parierte Lamelle fĂŒr die sogenannte DMEK-Operation (Descemet Membrane Endothelial Keratoplastik) vom Paul-Ehrlich-Institut genehmigt wurde. Bei diesem Operationsverfahren wird ausschlieĂlich die geschĂ€digte Endothelschicht der Hornhaut ersetzt; das ĂŒbrige Gewebe bleibt erhalten. FĂŒr diese Technik muss das chirurgische Team im OP die lamellare Schicht der Augenhornhaut direkt vor der Transplantation prĂ€parieren - ein zeitlicher und organisatorischer Mehraufwand, der auch das Risiko des Transplantatverlusts in sich birgt. Die LaMEK bietet eine vorprĂ€parierte, standardisierte und sichere Erleichterung, da die Lamelle im OP nur noch abgezogen werden muss. So erhalten Patient:innen ein qualitĂ€tsgeprĂŒftes Transplantat und die Augenkliniken werden entlastet. Im Netzwerk der DGFG wurde die LaMEK seit 2015 4.371 -mal vermittelt, in 2025 allein 556-mal.
Gewebespende soll in der Ăffentlichkeit zunehmend sichtbarer werden
"Im Gegensatz zur Organspende ist die Gewebespende der breiten Bevölkerung oft unbekannt. Viele Menschen kennen die Option einer Spende bis ins hohe Alter und nach Herz-Kreislauf-Versterben nicht", erklĂ€rt Martin Börgel. In Deutschland wurden 88,3 % der gespendeten Gewebe nach Herz-Kreislauf-Versterben realisiert, der GroĂteil der spendenden Personen liegt in einer Altersgruppe zwischen 65 und 74 Jahren (37,1 %). 32 % der Personen, die Gewebe gespendet haben waren Ă€lter als 75. Oft wissen Angehörige nicht, wie und ob die verstorbene Person sich zur Gewebespende geĂ€uĂert hat. 69 % der Zustimmungen und 62,9 % der Ablehnungen wurden, dem Transplantationsgesetz (TPG) entsprechend, von Angehörigen nach dem mutmaĂlichen Willen der Verstorbenen entschieden. "Deshalb arbeiten wir konstant daran, die Gewebemedizin in der Ăffentlichkeit sichtbarer zu machen. FĂŒr 2026 wĂŒnschen wir uns, dass der AufklĂ€rungsgrad zur Gewebespende weiter zunimmt. Wird das Thema zu Lebzeiten mit An- und Zugehörigen besprochen, erleichtert man ihnen eine schwierige Entscheidung in einer mehr als herausfordernden Situation."
Anbindung von Gewebespendeeinrichtungen an das Organspenderegister
Ein weiteres Hilfsmittel der WillensĂ€uĂerung ist das im MĂ€rz 2024 in Betrieb genommene Organspende Register (OGR). Seitdem haben dort 448.681 Menschen ihre Zustimmung oder ihre Ablehnung zur Organ- und Gewebespende festgehalten (Quelle: www.organspende-info.de, Stand 30. Dezember 2025). Im Jahr 2026 soll nach Verabschiedung des Dritten Gesetzes zur Ănderung des Transplantationsgesetzes die rechtliche Grundlage geschaffen sein, damit auch Gewebespendeeinrichtungen auf das Register und dessen Eintragungen zugreifen können. Das Gesetzesvorhaben war im November 2024 mit dem Bruch der Regierungskoalition zunĂ€chst eingestellt, im Sommer 2025 vom Bundesgesundheitsministerium aber wieder aufgenommen worden.
Hinweis an die Redaktion: Weitere Zahlen zur Gewebespende sowie Bildmaterial zu finden unter https://gewebenetzwerk.de/presse-download/
Ăber die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Gewebetransplantation (DGFG)
Die DGFG fördert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland. Auf Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle TĂ€tigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. FĂŒr alle Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate ĂŒber eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Als unabhĂ€ngige, gemeinnĂŒtzige Gesellschaft wird die DGFG ausschlieĂlich von öffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen: Gesellschafter sind das UniversitĂ€tsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das UniversitĂ€tsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die UniversitĂ€tsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg. Die DGFG ist in ihrer Aufbaustruktur, der Freiwilligkeit der UnterstĂŒtzung durch die Netzwerkpartner:innen und ihrer UnabhĂ€ngigkeit von privaten oder kommerziellen Interessen einzigartig in Deutschland.
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