Kennedy, AnnÀherung

Kennedy: biografische AnnÀherung im Ersten und in der Mediathek

07.11.2023 - 14:03:26

Baden-Baden - SWRProduktion "Kennedy - Schicksalsjahre eines PrÀsidenten" ab 12.11. in der ARD Mediathek, am 13.11.23 um 20:15 Uhr im Ersten

Sechzig Jahre ist es her, dass SchĂŒsse in Dallas Leben und Karriere eines PrĂ€sidenten beendeten, der inzwischen zu einem Mythos geworden ist: John Fitzgerald Kennedy. Eine vierteilige Serie in der ARD Mediathek und ein einstĂŒndiger Film im Ersten erzĂ€hlen ab 12. November die Jahre, die sein Schicksal prĂ€gten. Neben amerikanischen WeggefĂ€hrt:innen und Expert:innen ordnen auf deutscher Seite u. a. Ingo Zamperoni (Moderator der "Tagesthemen") das Leben des AusnahmeprĂ€sidenten ein.

FamiliÀrer Erfolgsdruck

Kennedy ist vor allem eins: sein Leben lang krank. Und das schon als Kleinkind. Mehrfach wĂ€re er fast gestorben. Alles, was dem Image schadet, wird so gut wie möglich klein gehalten, darin sind die Kennedys meisterhaft. Die Kennedys sind so etwas wie die Kardashians ihrer Zeit: eine sehr wohlhabende Familie, die die Medien geschickt fĂŒr sich zu nutzen weiß. Alles dient einem Zweck: Ansehen und Ruhm der Familie zu mehren. Liebe und Zuneigung der Mutter dagegen, das kennen John Fitzgerald Kennedy - privat Jack genannt - und seine acht Geschwister nicht. "Sie wurden dazu erzogen, niemals zu weinen. Sie wurden jeden Abend am Esstisch dazu gedrillt, ĂŒber jedes aktuelle Ereignis Bescheid zu wissen. Rose Kennedy war keine liebevolle Mutter. Ich glaube nicht, dass sie ihre Kinder jemals umarmt hat." (Alyson Holland, Podcasterin "Kennedy Dynasty")

Zwielichtige GeschÀfte

Dass die Kennedys sehr reich sind, das verdanken sie dem Familienpatriarchen Joseph Kennedy - der hatte mit geschickten GeschĂ€ftspraktiken und dubiosen Machenschaften ein Millionenvermögen angehĂ€uft, ziemlich sicher auch unterstĂŒtzt von der Mafia. Und Joseph Kennedy ist es auch, der fĂŒr seine Familie Großes im Sinn hat: Der Ă€lteste Sohn soll PrĂ€sident werden. Gemeint ist nicht Jack, sondern Joe jr. - der Golden Boy, der Liebling der Familie, der seinen kleinen, krĂ€nklichen Bruder Jack bei jeder Gelegenheit mobbt. Aber Joe jr. kommt im Zweiten Weltkrieg um. Und so wird ganz plötzlich das Kriegsjahr 1944 zu einem Schicksalsjahr fĂŒr Jack. Als zweitĂ€ltester Sohn ist es jetzt seine Aufgabe, die TrĂ€ume des dominanten Vaters zu erfĂŒllen. Dass er in der Lage ist, trotz seiner Gesundheitsprobleme Großes zu vollbringen, das hatte er bereits im Zweiten Weltkrieg bewiesen. Nachdem sein Patrouillenboot bei einem Zusammenstoß mit einem japanischen Kriegsschiff im Pazifik gesunken war, rettete er als junger Leutnant fast die gesamte Besatzung. Er wird - auch dank geschickter Vermarktung - als Kriegsheld gefeiert und steigt mit tatkrĂ€ftiger UnterstĂŒtzung seines Vaters in die Politik ein.

Eine Ehefrau, unzÀhlige Geliebte

Diana de Vegh, eine seiner vielen AffĂ€ren ist ĂŒberzeugt: "Das hat auch etwas Trauriges an sich. Ich glaube, er war ein Mann, der die Rolle erfĂŒllte, die fĂŒr ihn vorgesehen war." Zu dieser vorgesehenen Rolle gehört eine adĂ€quate Ehefrau. 1953 wird Jacqueline Lee Bouvier dafĂŒr auserkoren. Die junge, modebewusste Journalistin aus gutem Haus passt perfekt zum Masterplan von Kennedys Vater. Aber wollte sein Sohn ĂŒberhaupt heiraten? Historikerin Barbara Perry meint: "Ich glaube, Jack Kennedy wĂ€re glĂŒcklich gewesen, wenn er fĂŒr immer Junggeselle geblieben wĂ€re. Aber sein Vater, der großen Einfluss ausĂŒbte, sagte zu ihm: 'Die Leute werden denken, du bist homosexuell, wenn du nicht heiratest.'" Nach außen gibt sich Jack als liebender Ehemann und Familienvater, aber die Ehe wird durch seine zahlreichen AffĂ€ren schwer belastet. Auch sie sei eine der Geliebten gewesen, sagt Diana de Vegh. Die damalige Studentin lernt Kennedy Ende der 1950er Jahre bei einer Wahlkampfveranstaltung kennen und beginnt eine Beziehung mit ihm, ĂŒber die sie in der Serie sehr offen spricht. Jackie will sich wegen der vielen AffĂ€ren zwischenzeitlich sogar von ihrem Mann scheiden lassen, bleibt aber dann doch - offenbar bestochen von Kennedys Vater - bei ihm.

PrÀsident mit Strahlkraft

1960 kandidiert Kennedy fĂŒr die PrĂ€sidentschaft. Sein positives Image verdankt er dabei seinem Charme und der fĂŒr die Kennedys oft so typischen medialen Inszenierung. Nach einem spektakulĂ€ren Kopf-an-Kopf-Rennen schafft er es - auch dank der vielen Millionen, die sein Vater in den Wahlkampf steckt - ins Weiße Haus. Jack erfĂŒllt seines Vaters Traum. Die Herausforderungen sind groß, die Erwartungen an den jĂŒngsten jemals gewĂ€hlten PrĂ€sidenten auch. Der Kalte Krieg spitzt sich zu und die BĂŒrgerrechtsrechtsbewegung verlangt ein Ende der Diskriminierung der afroamerikanischen Bevölkerung. Doch Kennedy geht zunĂ€chst nur zögerlich auf die Forderungen der Black Community ein. Nialah Edari, eine junge BĂŒrgerrechtsaktivistin, sieht ihn heute kritisch: "Viele afroamerikanische Familien hatten ein Bild von PrĂ€sident Kennedy, Martin Luther King und Jesus in ihrem Haus. Sie glaubten, dass Kennedy mit ihnen und der Bewegung sympathisierte, auch wenn ich und viele aus meiner Generation seine BemĂŒhungen als das absolute Minimum ansehen."

Visionen und FehleinschÀtzungen

Seine zurĂŒckhaltende Reaktion auf den Bau der Berliner Mauer bringt ihm viel Kritik ein, und die Invasion Kubas 1961 wird zum militĂ€rischen Fiasko. Erst im Laufe der Jahre wird aus dem charismatischen Lebe- ein angesehener Staatsmann. Mit HartnĂ€ckigkeit und Besonnenheit gelingt es ihm, wĂ€hrend der Kuba-Krise 1962 einen Atomkrieg zu vermeiden. Er forciert das US-Mondprogramm, ebnet dem Civil Rights Act den Weg und wird nach seiner berĂŒhmten Berlin-Rede zum Liebling der westdeutschen Bevölkerung. Der Historiker Thomas Gijswijt: "Berlin war fĂŒr Kennedy ein Höhepunkt seiner PrĂ€sidentschaft. Er hat danach im Flugzeug gesagt: ,Einen Tag wie diesen werde ich nie wieder erleben.ÂŽ"

Tragischer, ikonografischer Held

Er ist auf dem Höhepunkt seiner Macht, als vor 60 Jahren, am 22. November 1963 die SchĂŒsse in Dallas fallen und aus dem strahlenden HoffnungstrĂ€ger die Legende JFK wird. Er hinterlĂ€sst eine große LĂŒcke. "Ich denke, dass Kennedy in vielerlei Hinsicht der unvollendete Held ist. Er war kein Schauspieler. Aber ich betrachte ihn dennoch als den grĂ¶ĂŸten amerikanischen Filmstar. Die Amerikaner lieben diesen Mythos so sehr, dass sie ihn nicht aufgeben werden, egal wie sehr an ihm gekratzt wird." (John Hellmann, Medienforscher)

Produktion

"Kennedy - Schicksalsjahre eines PrĂ€sidenten" ist eine Produktion von Looks Film im Auftrag von SWR (FederfĂŒhrung) und NDR.

Weitere Informationen unter: http://swr.li/kennedy-schicksalsjahre

Fotos zum kostenlosen Herunterladen unter ARD-foto.de. Akkreditierte Journalisten können die vier Folgen der Serie im VorfĂŒhrraum Das Erste anschauen.

Newsletter: "SWR vernetzt"

Pressekontakt:

Daniela Kress, 07221 929 23800, daniela.kress@swr.de

Original-Content von: SWR - Das Erste ĂŒbermittelt durch news aktuell

http://ots.de/561cc0

@ presseportal.de