Auszeichnung, Jugendliche

Grimme-Preis 2026: Neun Nominierungen fĂŒr den WDR

22.01.2026 - 13:00:06

Köln - Neun Produktionen des WDR sind fĂŒr den 62. Grimme-Preis nominiert. Wer von den insgesamt 71 nominierten Produktionen und Einzelleistungen schließlich die Auszeichnungen gewinnt, wird im MĂ€rz bekanntgegeben.

Zwei WDR-Produktionen sind in der Kategorie Fiktion nominiert

Die Serie „naked“ (Fandango Film TV Internet Produktions/Velvet Films fĂŒr WDR, Redaktion: Caren Toennissen) ist ein spannendes und hochkarĂ€tig besetztes „Love Noir“-Psychodrama basierend auf persönlichen Erfahrungen der Headautorin Silke Eggert, von Bettina Oberli aufwĂŒhlend, emotional und eindringlich inszeniert. „naked” ist die erste deutsche Serie, die sich ehrlich mit Sexsucht und Co-AbhĂ€ngigkeit befasst und diese Tabuthemen anhand einer toxischen und dennoch mitreißenden Liebesgeschichte schonungslos aufzeigt.

Ebenfalls nominiert in der Kategorie ist der vierstĂŒndige Kinofilm „Die Ermittlung“ (Film Mischwaren fĂŒr BR/WDR/ARTE, WDR-Redaktion: Götz Vogt). Eine Adaption des TheaterstĂŒcks „Die Ermittlung. Oratorium in elf GesĂ€ngen“ von Peter Weiss, das auf persönlichen Aufzeichnungen, Zeitungsartikeln und Protokollen des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963 bis 1965) basiert. Regisseur RP Kahl hat das TheaterstĂŒck mit 60 Schauspielerinnen und Schauspielern fĂŒr die Kinoleinwand inszeniert. In unmissverstĂ€ndlich klarer Sprache zu einem lyrischen Klagegesang verdichtet und montiert, konfrontiert das StĂŒck TĂ€ter und Opfer und lĂ€sst das Grauen in Auschwitz spĂŒrbar werden.

Zwei Nominierungen in der Kategorie Information & Kultur

Die dreiteilige Doku-Serie „Der Kinderpsychiater – Die Macht des Dr. Winterhoff“ (WDR/SWR, Buch und Regie: Nicole Rosenbach, WDR-Redaktion: Jessica Briegmann) erzĂ€hlt Aufstieg und Fall des deutschlandweit bekannten Bestsellerautors und Kinderpsychiaters Michael Winterhoff. Die einzelnen Folgen beleuchten, wie er zum gefeierten Star wurde, mit welchen fragwĂŒrdigen Methoden er Kinder behandelte und warum niemand den Arzt aufhielt. Jahrelange Recherchen von Nicole Rosenbach fĂŒhrten zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und schließlich zu einer Anklage in 36 FĂ€llen wegen gefĂ€hrlicher Körperverletzung. Dem Kinderpsychiater wird vorgeworfen, Diagnosen erfunden und Kinder und Jugendliche mit Psychopharmaka ruhig gestellt zu haben. Er muss sich derzeit vor Gericht verantworten. Michael Winterhoff bestreitet die VorwĂŒrfe, alle Verschreibungen seien medizinisch begrĂŒndet gewesen.

Der Dokumentarfilm „Riefenstahl“ (Vincent productions, Sandra Maischberger fĂŒr WDR/SWR/NDR/BR, WDR-Redaktion: Christiane Hinz) decodiert eine der umstrittensten Frauen des 20. Jahrhunderts: Leni Riefenstahl. Als Regisseurin schuf sie ikonographische Bilder. Ihre ideologische NĂ€he zum NS-Regime hat sie nach dem Zweiten Weltkrieg stets zu leugnen versucht. Die Ästhetik ihrer Bilder ist prĂ€senter denn je – und damit auch ihre Botschaft? Der preisgekrönte Regisseur Andres Veiel geht dieser Frage anhand Riefenstahls Nachlass nach – privaten Filmen und Fotos, aufgenommenen Telefonaten mit engen Wegbegleitern, persönlichen Briefen. Bild fĂŒr Bild, Facette fĂŒr Facette legt er Fragmente ihrer Biografie frei und setzt sie in einen erweiterten Kontext von Geschichte und Gegenwart. Leni Riefenstahl hat nur eine Darstellung ihrer Biografie zugelassen: ihre eigene. Der Nachlass einer der umstrittensten Frauen des 20. Jahrhunderts erzĂ€hlt etwas anderes.

Vier Nominierungen in der Kategorie Kinder & Jugend Kinder

„Die Sendung mit der Maus – Felix Nussbaum“ (Trickstudio Lutterbeck fĂŒr WDR, Redaktion: Nils Wohlfarth) erzĂ€hlt die Geschichte des jĂŒdischen Malers Felix Nussbaum, an den ein Stolperstein erinnert. Clarissa CorrĂȘa da Silva folgt seinen Lebensstationen und zeigt, wie das Mausñ€‘Team gemeinsam mit dem Trickstudio Lutterbeck ein lange verschollenes Trickfilmñ€‘Drehbuch von Nussbaum und seinem Freund Michael Loewen als Animation umsetzt. Die Folge erklĂ€rt kindgerecht sein Leben, seine Verfolgung im Nationalsozialismus und seine Bedeutung anlĂ€sslich des Gedenktages fĂŒr die Opfer des NSñ€‘Regimes.

Der Film „Sieger sein!“ (DCM Pictures fĂŒr MDR/SWR/WDR, Redaktion: WDR Jens Opatz) erzĂ€hlt die berĂŒhrende Geschichte von Mona (Dileyla Agirman). Die ElfjĂ€hrige ist mit ihrer kurdischen Familie aus Syrien geflĂŒchtet und kommt auf eine Schule im Berliner Wedding. Mona spricht schlecht Deutsch, spielt dafĂŒr umso besser Fußball. Der engagierte Lehrer Herr Chepovsky (Andreas Döhler), kurz Herr Che, erkennt ihr außergewöhnliches Talent und nimmt sie in das MĂ€dchenteam auf. Mona ist eine KĂ€mpferin, merkt aber bald: Nur, wenn sie und die anderen MĂ€dchen zusammenspielen, können sie Sieger sein.

Jugend

Die zehnteilige Doku-Serie „Azubi Storys“ (i&u TV fĂŒr WDR/NDR, WDR-Redaktion: Michael Kerkmann) nimmt ganz die Perspektive der Azubis ein und zeigt ihren spannenden Berufsalltag. Manchmal geht alles schief, oft wachsen sie ĂŒber sich hinaus und meistens hilft eine Portion trockener Humor. HĂ€nderingend werden sie in Deutschland gesucht: Auszubildende wie angehende Schornsteinfeger, SchĂ€dlingsbekĂ€mpfer, Zimmerer oder Krankenpfleger. Sie stehen im Mittelpunkt der „Azubi Storys“. Die jungen Berufsstarter sind die Stars der Serie und in Situationen zu erleben, die sie prĂ€gen: wenn Leichtigkeit plötzlich dem Frust weicht – und es am Ende doch (meistens) klappt. Dabei ist die Doku immer nah dran, ohne zu kommentieren oder zu werten.

„Lutwi, der Junge aus der Nordstadt“ (Ehrenfilm fĂŒr WDR, Redaktion: Maik Bialk und Dorothee Pitz) erzĂ€hlt von Hoffnung und TrĂ€umen eines Jungen und seinen Schwierigkeiten beim Erwachsenwerden. Inmitten einer aufgeheizten Debatte ĂŒber Migration wagt der Film einen anderen Blick auf das gesellschaftliche Konfliktthema. Bereits 2017 wurde ein erster Dokumentarfilm ĂŒber Lutwi mit dem Grimme Preis ausgezeichnet. Im aktuellen Film ist Lutwi inzwischen 22 Jahre alt. Aus ihm ist ein junger Mann geworden, der zwischen mĂ€nnlichem Gang-Verhalten und dem Wunsch nach einem normalen Leben hin- und hergerissen ist. Sein Traum vom Abitur ist zerplatzt – warum? Auf diese einfache Frage sucht der Film in der Dortmunder Nordstadt vielschichtige Antworten, die einen tiefen Einblick in die Schwierigkeiten des sozialen Aufstiegs von migrantischen Jugendlichen in Deutschland geben.

Eine Nominierung in der Kategorie Unterhaltung

In „StrĂ€ters Problemzonen“ (Staffel 1) (i&u Studios fĂŒr WDR/MDR, WDR-Redaktion: Leona Frommelt) widmet sich Torsten StrĂ€ter mit gewohnt trockenem Humor genau den Dingen, fĂŒr die sich sonst keiner zustĂ€ndig fĂŒhlt: alltĂ€glichen AbsurditĂ€ten, kleinen Krisen und großen Lebensfragen. Dabei zieht er alle Register, um sein Versprechen wahr zu machen: „Ich werde nicht rasten noch ruhen, um mit meinem komplett ĂŒbermotivierten Team Ihr Leben da draußen wieder geschmeidig und ruckelfrei zu machen und jede Unwucht aus Ihrem Dasein zu schmirgeln, denn Probleme sind ja auch keine Lösung“. Zum prominenten Team, das Torsten zur Seite steht, zĂ€hlen Martina Hill, Olaf Schubert und Siegfried & Joy, die jedes vermeintlich banale Thema in ein episches Abenteuer verwandeln und versuchen, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. FĂŒr jedes Problem wird eine Lösung gefunden – manchmal lustig, manchmal hilfreich, fast immer beides.

Ab dem 31. Januar kommen in Marl die Jurys zusammen, um ĂŒber die Vergabe der 16 möglichen Grimme-Preise sowie des Preises der Marler Gruppe und des Preises der Studierendenjury zu entscheiden.

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