Anastasia Kirjanow von ZHP-Pflege: Was die Legalisierung von Cannabis fĂŒr die Schmerzbehandlung bedeutet
08.05.2024 - 11:22:41Wer ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum Schmerzmittel einnehmen muss, kennt das Problem: Der Körper entwickelt Resistenzen, die zu einer verringerten Wirksamkeit fĂŒhren. Das bedeutet, dass die Dosis allmĂ€hlich erhöht werden muss, um eine effektive Schmerzlinderung zu gewĂ€hrleisten. Eine höhere Dosis bedeutet in der Regel aber auch stĂ€rkere Nebenwirkungen. "Solche Nebenwirkungen können Appetitlosigkeit, Verstopfung und andere Symptome sein, die zu einer geringeren LebensqualitĂ€t der Schmerzpatienten fĂŒhren", sagt Anastasia Kirjanow, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin von ZHP-Pflege. "Es ist allerdings ebenso möglich, dass ernste Magen-Darm-Probleme, Nieren- oder LeberschĂ€den auftreten. Zudem kann es bei einer dauerhaften Einnahme zu Depressionen, AngstzustĂ€nden oder anderen mentalen Erkrankungen kommen. All diese Nebenwirkungen gehen oft mit einer sozialen Isolation einher, durch die sich die psychischen Leiden noch verstĂ€rken. Zudem besteht ein hohes Risiko fĂŒr eine SchmerzmittelabhĂ€ngigkeit."
"Mit alternativen Behandlungsmethoden wie medizinischem Cannabis lĂ€sst sich dieser Teufelskreis durchbrechen", fĂŒgt Anastasia Kirjanow von ZHP-Pflege hinzu. "Es besteht fĂŒr die Schmerzpatienten die Chance, den Nebenwirkungen zu entkommen, weil die Einnahme von Medikamenten deutlich reduziert oder sogar ganz eingestellt werden kann." Anastasia Kirjanow ist aufgrund ihrer TĂ€tigkeit als GeschĂ€ftsfĂŒhrerin und Pflegedienstleiterin von ZHP-Pflege mit den Problemen der Schmerztherapie bei Ă€lteren Menschen vertraut. Mit ihrem ambulanten Pflegedienst konzentriert sie sich auf eine fachgerechte und individuelle Betreuung von Senioren, die ihre gewohnte Umgebung nicht verlassen möchten. Das reicht von grundlegenden Haushaltsaufgaben bis zur medizinischen Pflege und umfasst auch emotionale UnterstĂŒtzung. Im Folgenden hat sie zusammengefasst, wie sich die Legalisierung von Cannabis auf die Schmerztherapie auswirkt und welche Hindernisse noch aus dem Weg zu rĂ€umen sind.
Die Vorteile einer Schmerztherapie mit Cannabis
Die Cannabistherapie wird von Schmerzpatienten hÀufig als erlösend und lindernd wahrgenommen. Viele Menschen kommen endlich zur Ruhe, können wieder schlafen und schöpfen allein dadurch Kraft. Es lÀsst sich oft feststellen, dass sich der Allgemeinzustand der Patienten stabilisiert. Viele Àltere Menschen, die auf Cannabis umsteigen, hatten vorher eine dauerhafte medikamentöse Therapie mit den entsprechenden Nebenwirkungen. Ihre LebensqualitÀt war beeintrÀchtigt, ohne dass die Medikamente die Schmerzen komplett beseitigten. Dabei geht es den Betroffenen neben den Schmerzen an sich auch um die eingeschrÀnkte MobilitÀt, die sie zunehmend isoliert.
Nebenwirkungen sind bei medizinischem Cannabis kaum bekannt. Ăltere Menschen mit chronischen Schmerzen bekommen es meist oral in niedriger Dosierung, wobei eine berauschende oder abhĂ€ngig machende Wirkung ausgeschlossen ist. Leber und Niere werden durch die Einnahme nicht geschĂ€digt, was zusĂ€tzlich fĂŒr den Einsatz bei Ă€lteren Menschen spricht. HĂ€ufig haben wir es auch mit einer Kombination aus Schmerzmitteln und Cannabistherapie zu tun. Der Vorteil liegt dann darin, dass die Medikamente schwach dosiert werden können.
Eine weitere StĂ€rke von Cannabis liegt in seiner VerfĂŒgbarkeit. Bei der Herstellung und Lieferung von Medikamenten kommt es immer hĂ€ufiger zu EngpĂ€ssen. Da ist im Augenblick besonders an die anhaltende Problematik um die Beschaffung von Antibiotika zu denken, die sich durchaus auf die Schmerzmittel ausdehnen könnte. Cannabis hingegen lĂ€sst sich leicht zu Hause zĂŒchten, sodass die notwendige Menge immer greifbar ist.
Das neue Gesetz
Die Verschreibung von medizinischem Cannabis ist seit 2017 erlaubt, doch bisher war es ziemlich schwierig, einen Arzt dafĂŒr zu finden. Aktuell mĂŒssen die Patienten noch immer einen Schmerztherapeuten bemĂŒhen, der die Antragstellung bei den KostentrĂ€gern ĂŒbernimmt und das Rezept ausstellt. Seit der Freigabe von medizinischem Cannabis haben Schmerzpatienten allerdings einen einfacheren Zugang zu Behandlungsoptionen. Im Besonderen sind sie nicht mehr dazu gezwungen, auf den illegalen Markt auszuweichen. Mit dem neuen Gesetz zur weitgehenden Legalisierung werden sich aber vermutlich deutlich mehr Ărzte bereit erklĂ€ren, die Therapie zu verschreiben und somit den Weg fĂŒr die Betroffenen zu ebnen. Das neue Gesetz verbessert zudem die Möglichkeit, seine Schmerzen "auf pflanzlicher Basis" zu lindern, ohne einen Arzt aufzusuchen.
Mit der Legalisierung von Cannabis in Deutschland wird der Zugang voraussichtlich ĂŒber lizenzierte Verkaufsstellen oder Apotheken erfolgen. Die Schmerzpatienten werden ihr Cannabis also wie ihre gewohnte Arznei per Rezept in jeder beliebigen Apotheke beziehen können. Aktuell ist es noch so, dass die Betroffenen oft lange Wege auf sich nehmen mĂŒssen, um an die Medizin zu kommen.
AufklÀrung ist wichtig
Eine Verbesserung bringt das neue Gesetz schon allein deshalb, weil es leichter wird, ĂŒber das "Tabu-Thema" zu sprechen: Cannabis verliert seine Verbindung zur IllegalitĂ€t. Eine offene Kommunikation zwischen Ărzten, Schmerzpatienten und Angehörigen wird sich positiv auf die Beratung auswirken. NatĂŒrlich gibt es auch Fachliteratur, die Basiswissen liefert und erste Fragen beantwortet, doch eine endgĂŒltige Entscheidung möchten die meisten lieber gemeinsam mit einem Arzt treffen, dem sie voll und ganz vertrauen.
Die Regierung könnte im Ăbrigen ihren Teil zur StĂ€rkung des Vertrauens beitragen, indem sie das Antragsverfahren deutlich vereinfacht oder ganz abschafft. Die Antragstellung ist heute ein langwieriger, bĂŒrokratischer Prozess, der bis zu sechs Monate zur Genehmigung erfordert und von den Ărzten nicht abgerechnet werden kann. Es dĂŒrfte klar sein, dass ein unbezahltes Antragsverfahren kaum die Bereitschaft der Ărzte fördert, sich mit der Cannabistherapie zu beschĂ€ftigen.
Im Idealfall sollte KrankenhĂ€usern, Rehakliniken, Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen und anderen Einrichtungen, in denen Schmerzpatienten zusammenkommen, Informationen ĂŒber die Cannabistherapie zur VerfĂŒgung gestellt werden: Eine sachliche AufklĂ€rung wĂŒrde vielen Menschen helfen, eine bessere LebensqualitĂ€t zu erreichen.
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