Kunstmuseum, Liechtenstein

Kunstmuseum Liechtenstein zeigt die bisher umfangreichste Ausstellung von Ana Lupas

31.10.2024 - 11:00:33

Liechtenstein - Experimentell, zutiefst spirituell und radikal humanistisch - Ana Lupas (*1940 in Cluj, RumĂ€nien) ist seit den 1960er-Jahren eine herausragende Figur in der Kunst Osteuropas. Mit Intimate Space - Open Gaze (1. November 2024 - 16. MĂ€rz 2025) widmet ihr das Kunstmuseum Liechtenstein die bislang umfangreichste Einzelausstellung, die Arbeiten aus verschiedenen Schaffensperioden von den 1960er-Jahren bis heute zeigt. Ana Lupas' Karriere legt eindrucksvoll Zeugnis ab von ihrer Resilienz und ihrem unerschĂŒtterlichen Engagement fĂŒr die Kunst inmitten schwieriger politischer UmstĂ€nde.

In einem von Unfreiheit und UnterdrĂŒckung geprĂ€gten Umfeld schuf Lupas, die ihre rumĂ€nische Heimatstadt nie verlassen hat, ein ebenso beeindruckendes wie radikales Oeuvre. Das ĂŒber vier Jahrzehnte herrschende kommunistische Regime (1945-1989) vereinnahmte die Kunst fĂŒr seine entmenschlichende totalitĂ€re Ideologie, wodurch freies Experimentieren und Ausstellen massiv erschwert wurde. Ana Lupas ging dennoch unbeirrt und konsequent ihren eigenen Weg.

Ihr frĂŒhes, experimentelles Werk umfasst Textilobjekte, Skulpturen, Environments, Installationen und Aktionskunst. Oft bedient sie sich dabei einfach zu beschaffender Materialien wie Korn, Wolle, Wachs oder Textilien und lĂ€sst sich von der Folklore und jahrhundertealten Traditionen inspirieren. Aus westeuropĂ€ischer Sicht sind Ähnlichkeiten zu den Avantgarde-Bewegungen des spĂ€ten 20. Jahrhunderts, zur Konzeptkunst sowie zur Land Art erkennbar. Obwohl Ana Lupas immer wieder gezwungen war, im Verborgenen zu arbeiten, gelang es ihr, gross angelegte partizipative Projekte mit lokalen Bewohner:innen zu realisieren und die lokale KĂŒnstlercommunity zu fördern.

Die Ausstellung im Kunstmuseum Liechtenstein legt den Fokus auf zwei bislang unveröffentlichte Werkserien: Eyes (1974-1991) und Self-Portrait (2000). Die skulpturalen Porzellanaugen verweisen auf das Klima der Überwachung in der rumĂ€nischen Gesellschaft sowie in allen totalitĂ€ren Regimen, sind aber auch losgelöst von diesem Kontext zu erfahren. In Vaduz lenken mehr als 20 Augen ihren Blick auf Werke aus der Sammlung des Kunstmuseums, die von Ana Lupas ausgewĂ€hlt wurden. Letizia Ragaglia, Direktorin und Kuratorin der Ausstellung: "Diese höchst fragilen Plastiken wurden von der KĂŒnstlerin bislang sorgsam in ihrem Atelier in Cluj gehĂŒtet. Umso mehr freut es uns, dass wir als erste Institution die Werkgruppe der Augen im Kunstmuseum Liechtenstein der Öffentlichkeit prĂ€sentieren dĂŒrfen."

In der Serie Self-Portrait richten sich die Augen der KĂŒnstlerin selbst auf den Ausstellungsraum und das Publikum. Die Serie besteht aus 200 Plakaten, die 1998 zur Bewerbung ihrer Ausstellung in SzĂ©kesfehĂ©rvĂĄr (Ungarn) entstanden sind und auf denen ein Siebdruck von Lupas' PortrĂ€t zu sehen ist. Wie TagebucheintrĂ€ge bearbeitet und ĂŒbermalt Lupas nachtrĂ€glich fast tĂ€glich eines dieser Plakate. Die SelbstportrĂ€ts zeigen nicht nur den anhaltenden und beinahe obsessiven Dialog der KĂŒnstlerin mit sich selbst, sondern auch ihren Willen, eine staatlich vorgegebene Standardisierung durch IndividualitĂ€t zu ĂŒberwinden.

Die Ausstellung Ana Lupas. Intimate Space - Open Gaze wurde vom Kunstmuseum Liechtenstein in enger Zusammenarbeit mit der KĂŒnstlerin entwickelt und ist eine Koproduktion mit dem Stedelijk Museum Amsterdam.

Kuratiert fĂŒr das Kunstmuseum Liechtenstein von Letizia Ragaglia.

Publikation

Begleitend zur Ausstellung ist eine umfassende Publikation erhÀltlich, die Texte von Tanja Boon, Leontine Coelewij, Marina Lupas, Ramona Novicov, Letizia Ragaglia, Christian Rattemeyer und Mechtild Widrich enthÀlt. Verlag der Buchhandlung Walther König, 2024, Köln. Deutsch/Englisch, Preis: CHF 35,-

Kurzbiografie

Ana Lupas (*1940 in Cluj, RumĂ€nien) studierte an der Academy of Plastic Arts Ioan Andreescu (heute: Art and Design University), Cluj. Sie initiierte und leitete das Avantgarde-Kollektiv Atelier 35, das von 1980 bis 1989 einen prĂ€genden und nachhaltigen Einfluss auf die junge Generation rumĂ€nischer KĂŒnstler:innen ausĂŒbte. Ihr Werk erfĂ€hrt grosse Anerkennung von renommierten Museen wie der Tate Modern London, dem Centre Pompidou Paris, dem Walker Art Center, Minneapolis, oder dem Museion in Bozen. Sie lebt und arbeitet weiterhin in Cluj, wo sie in derselben Strasse wohnt, in der sie auch geboren wurde.

Pressekontakt:

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Barbara Wagner (Leitung)
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