Pionierin der performativen Selbstinszenierung / Das Kunstmuseum Liechtenstein zeigt ab 27. MĂ€rz die erste Retrospektive von Eleanor Antin in Europa
25.03.2026 - 13:01:06 | presseportal.de
Seit ĂŒber 50 Jahren zĂ€hlt Eleanor Antin (geb. 1935 in New York) zu den wegweisenden Stimmen ihrer Generation. Als Pionierin der kĂŒnstlerischen Selbstinszenierung erschafft sie fiktive Figuren und stellt zentrale Fragen nach IdentitĂ€t, Geschichte und ReprĂ€sentation. Dabei verbindet ihr Werk tiefgrĂŒndigen Humor mit feinsinniger ErzĂ€hlkunst. Antins medienĂŒbergreifende Praxis - Fotografie, Film, Text, Performance, Skulptur und Installation - lĂ€dt dazu ein, vertraute Narrative neu zu betrachten und verblĂŒffende Perspektiven auf unser individuelles und gesellschaftliches SelbstverstĂ€ndnis zu entdecken.
Diese Retrospektive - die erste ĂŒberhaupt in Europa - beleuchtet von 27. MĂ€rz bis 29. September 2026 die Vielschichtigkeit von Antins Oeuvre und macht deutlich, wie aktuell ihre Arbeit bis heute ist. Die Ausstellung spannt den Bogen von Antins frĂŒhen performativen Arbeiten der 1960er-Jahre bis zu jĂŒngsten Werken.
Zu den frĂŒhen ikonischen Arbeiten der KĂŒnstlerin zĂ€hlen die legendĂ€re Aktion und Postkartenserie 100 Boots (1971-1973) - eine abenteuerliche, inszenierte Reise von hundert schwarzen Gummistiefeln von Kalifornien nach New York - sowie die Fotoarbeit CARVING: A Traditional Sculpture (1972). In dieser formt und protokolliert sie ihren eigenen Körper ĂŒber 37 Tage hinweg im Sinne einer Bildhauerin und hinterfragt dabei radikal Vorstellungen von Selbstbestimmung und Körperlichkeit.
Antins Personas: König, Ballerina, Krankenschwester
Im Zentrum ihres Schaffens steht die performative Selbstinszenierung, mit der Antin seit den spĂ€ten 1960er-Jahren die fluide Existenz des Selbst erkundet. Sie schlĂŒpft in verschiedene Rollen - den König, die Ballerina oder die Krankenschwester -, die verschiedene IdentitĂ€ten, historische BezĂŒge und innere WidersprĂŒche in sich tragen. So untersucht sie gesellschaftliche Rollen, Machtstrukturen und kulturelle Zuschreibungen. Ambivalenz, Fiktion und Inszenierung nutzt sie bewusst als kĂŒnstlerische Mittel.
"Der König kam zuerst, als ich herausfinden wollte, wie mein mĂ€nnliches Selbst sein wĂŒrde", erklĂ€rt Antin. Die Ballerina tritt erstmals 1973 auf: Fotos zeigen sie als ideale Primaballerina, wĂ€hrend ein Making-of-Video die inszenierten Posen entlarvt. Die Krankenschwester, Antins drittes Alter Ego, ist ihre ambivalenteste Figur: VerfĂŒhrerin und VerfĂŒhrte zugleich, zwischen Ausgeliefertsein und Handlungsmacht oszillierend.
Historische Referenzen und bewusste Theatralik
In spĂ€teren Arbeiten setzt sich Antin, deren Eltern von Polen in die USA migriert waren, explizit mit ihrem jĂŒdisch-kulturellen Erbe auseinander: mit The Man Without a World (1991), einem Stummfilm in SpielfilmlĂ€nge, der sich als Werk des fiktiven sowjetisch-jĂŒdischen Regisseurs Yevgeny Antinov ausgibt, oder in der imposanten, raumgreifenden Installation Vilna Nights (1993-1997/2025). Wie eine Theaterkulisse lĂ€sst diese die Betrachtenden in eine Welt eintauchen, die nicht mehr existiert.
Im SpĂ€twerk wird die KĂŒnstlerin zur Regisseurin, die ihre Schauspieler:innen in sorgfĂ€ltig inszenierte Rollen fĂŒhrt. Die Historical Takes (2004-2008), hollywoodeske Bilder einer ĂŒberzeichneten griechisch-römischen Antike, zeigen dekadente Exzesse und thematisieren den Niedergang von Imperien.
Kuratiert fĂŒr das Kunstmuseum Liechtenstein von Christiane Meyer-Stoll mit Henrik Utermöhle.
Die Ausstellung wurde vom Mudam Luxembourg - MusĂ©e d'Art Moderne Grand-Duc Jean initiiert und organisiert. Nach Vaduz wandert sie an das MOCAK - Museum fĂŒr Gegenwartskunst in Krakau.
Zur Ausstellung erscheint die bislang umfassendste Monografie ĂŒber die KĂŒnstlerin, Eleanor Antin. Works 1965-2017, sowie die Edition 2 Boots (after Eleanor Antin) (2026) von Manfred Naescher.
Pressekontakt:
Franziska Hilbe
+423 235 03 17 · franziska.hilbe@kunstmuseum.li
Barbara Wagner
+41 78 236 34 84 · barbara.wagner@kunstmuseum.li
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