Bundesregierung, Bundeskanzler

ZDF-Politbarometer Dezember 2025 / Mehrheit gegen stÀrkere Einmischung der USA in Politik europÀischer LÀnder / Ukrainekrieg: Erhebliche Zweifel an Putins Interesse an Waffenruhe

12.12.2025 - 09:18:02

Mainz - Die US-Regierung hat ihre neue nationale Sicherheitsstrategie vorgestellt und dabei angekĂŒndigt, sich zukĂŒnftig stĂ€rker in die Politik europĂ€ischer LĂ€nder einmischen zu wollen. Lediglich 8 Prozent der Befragten finden das in Ordnung, 90 Prozent finden das nicht in Ordnung (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils "weiß nicht"). Zudem gibt es – Ă€hnlich wie vor rund fĂŒnfeinhalb Jahren in Trumps erster Amtszeit – eine große Skepsis gegenĂŒber der VerlĂ€sslichkeit der Vereinigten Staaten: Mit 84 Prozent (Juni 2020: 89 Prozent) meint der Großteil der Befragten, dass die USA unter PrĂ€sident Trump kein verlĂ€sslicher Partner fĂŒr die Sicherheit Europas sind, 13 Prozent (Juni 2020: 8 Prozent) sind gegenteiliger Ansicht.

Ukrainekrieg

Russland hat im Krieg gegen die Ukraine Teile des ukrainischen Staatsgebiets besetzt. 44 Prozent der Deutschen sind der Meinung, die Ukraine sollte einen Verzicht dieser Gebiete akzeptieren, wenn dadurch der Krieg beendet werden kann. Fast genauso viele (42 Prozent) sagen, die Ukraine sollte weiter fĂŒr die Befreiung dieser Gebiete kĂ€mpfen. Dass der russische PrĂ€sident Putin ĂŒberhaupt ernsthaftes Interesse an einer dauerhaften Waffenruhe hat, wird von 78 Prozent bezweifelt. Nur 16 Prozent, darunter mit 53 Prozent weit ĂŒberdurchschnittlich viele AfD-AnhĂ€nger, sprechen Putin ein solches Interesse zu.

Projektion

Wenn am nĂ€chsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wĂ€re, wĂŒrde sich die CDU/CSU mit 26 Prozent (minus 1) leicht verschlechtern. Auch die AfD hĂ€tte Einbußen und kĂ€me noch auf 25 Prozent (minus 2). Die SPD bliebe bei 14 Prozent und die GrĂŒnen bei 12 Prozent (beide unverĂ€ndert). Die Linke könnte sich auf 11 Prozent (plus 2) verbessern, alle anderen Parteien – inklusive BSW und FDP – bekĂ€men zusammen 12 Prozent (plus 1), darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erzielen wĂŒrde. Mit diesem Ergebnis hĂ€tte Schwarz-Rot weiterhin keine parlamentarische Mehrheit.

Top Ten

Bei der Beurteilung von Politikerinnen und Politikern nach Sympathie und Leistung ("Was halten Sie von?") liegt Verteidigungsminister Boris Pistorius nach wie vor auf Platz eins. Er wird auf der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 1,8 (hier und im Folgenden Vergleichswert von Ende November: 1,7) bewertet. Mit großem Abstand folgen Johann Wadephul mit 0,6 (0,2) und Lars Klingbeil mit 0,2 (0,0). Danach kommen BĂ€rbel Bas, die mit minus 0,3 (0,1) zum ersten Mal negativ bewertet wird, Alexander Dobrindt mit minus 0,4 (minus 0,4), Markus Söder mit minus 0,5 (minus 0,4), Friedrich Merz mit minus 0,6 (minus 0,5) und Katherina Reiche mit minus 0,7 (minus 0,7). Auf den RĂ€ngen neun und zehn stehen wieder Sahra Wagenknecht mit minus 1,8 (minus 2,1) und Alice Weidel mit minus 2,6 (minus 2,2).

Bundesregierung und Bundeskanzler

Eine Mehrheit der Befragten ist weiterhin unzufrieden mit der Bundesregierung: 53 Prozent bewerten die Arbeit von Schwarz-Rot eher schlecht, 41 Prozent eher gut. Ähnlich negativ fĂ€llt das Urteil ĂŒber den Bundeskanzler aus: FĂŒr 56 Prozent macht Friedrich Merz eher schlechte Arbeit, 40 Prozent sind mit seinen Leistungen als Regierungschef zufrieden.

ZukĂŒnftige Finanzierung der Renten

Das Rentenpaket der Bundesregierung wurde vergangene Woche vom Bundestag verabschiedet. In der Bevölkerung herrscht aber weiter eine spĂŒrbare Ratlosigkeit, wenn es um die zukĂŒnftige Finanzierung der Renten geht: Knapp ein Drittel (32 Prozent) der Deutschen – und damit außergewöhnlich viele – können oder wollen sich dazu nicht Ă€ußern, 14 Prozent sind fĂŒr höhere RentenbeitrĂ€ge fĂŒr BerufstĂ€tige, 18 Prozent fĂŒr ein spĂ€teres Renteneintrittsalter und 36 Prozent fĂŒr langsamer steigende Renten.

BĂŒrgergeld und Verbrenner-Aus

Die PlĂ€ne der Bundesregierung zum BĂŒrgergeld treffen auf große UnterstĂŒtzung: Rund drei Viertel (74 Prozent) der Befragten und klare Mehrheiten in den AnhĂ€ngerschaften von CDU/CSU (93 Prozent), AfD (93 Prozent) und SPD (77 Prozent) sprechen sich fĂŒr schĂ€rfere Regelungen beim BĂŒrgergeld aus, insgesamt 23 Prozent sind dagegen. Beim Thema Verbrenner-Aus haben die Deutschen ebenfalls eine klare Haltung: 63 Prozent sind der Meinung, dass auch ab 2035 noch Autos mit Verbrennungsmotoren wie Benziner oder Diesel neu zugelassen werden sollen. 32 Prozent, darunter 81 Prozent der GrĂŒnen- und 60 Prozent der Linken-AnhĂ€nger, sind gegen die Neuzulassung solcher Fahrzeuge ab 2035.

CDU-Beschlusslage: Keine Zusammenarbeit mit AfD und Linke

Die CDU lehnt eine politische Zusammenarbeit sowohl mit der AfD als auch mit der Linken grundsĂ€tzlich ab. Mit Blick auf die AfD gibt es fĂŒr diesen Beschluss in der Bevölkerung viel Zustimmung: Rund zwei Drittel (65 Prozent) aller Befragten und 79 Prozent der UnionsanhĂ€nger befĂŒrworten es, dass die CDU nicht mit der AfD kooperiert. Insgesamt 32 Prozent (CDU/CSU-AnhĂ€nger: 18 Prozent) finden das nicht richtig. Das "Nein" der CDU zur Zusammenarbeit mit der Linke wird hingegen von 58 Prozent, darunter auch 42 Prozent der CDU/CSU-AnhĂ€nger, kritisiert, nur 34 Prozent halten diese Abgrenzung fĂŒr richtig (CDU/CSU-AnhĂ€nger: 50 Prozent).

Jahreswechsel

Zum Jahresabschluss ziehen die Befragten fĂŒr sich persönlich eine ĂŒberwiegend positive Bilanz: FĂŒr 65 Prozent war 2025 persönlich ein eher gutes und fĂŒr 29 Prozent ein eher schlechtes Jahr. Was das kommende Jahr angeht, erwarten mit 60 Prozent die meisten fĂŒr sich persönlich keine großen VerĂ€nderungen, 26 Prozent glauben, dass 2026 fĂŒr sie eher besser wird und 12 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung im Vergleich zu 2025.

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgefĂŒhrt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 9. bis zum 11. Dezember 2025 bei 1.295 zufĂ€llig ausgewĂ€hlten Wahlberechtigten telefonisch und online erhoben. Dabei wurden sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern berĂŒcksichtigt. Die Befragung ist reprĂ€sentativ fĂŒr die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich betrĂ€gt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent rund +/-zwei Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU 29 Prozent, AfD 18 Prozent, SPD 15 Prozent, GrĂŒne 15 Prozent, Linke 13 Prozent. Das nĂ€chste Politbarometer sendet das ZDF am Freitag, 16. Januar 2026.

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- Hier finden Sie das "ZDF-Politbarometer" im Web und in der App des ZDF.

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