ZDF-Politbarometer, GedÀmpfte

ZDF-Politbarometer April 2025 / GedĂ€mpfte Erwartungen an zukĂŒnftige Bundesregierung / Projektion: Union nur noch knapp vor AfD

11.04.2025 - 09:15:53

Mainz - Nachdem sich CDU/CSU und SPD am Mittwoch auf einen Koalitionsvertrag geeinigt haben, sind die Erwartungen hinsichtlich der Leistungen der zukĂŒnftigen Bundesregierung eher zwiespĂ€ltig: 46 Prozent der Befragten glauben, dass Schwarz-Rot einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Probleme in Deutschland leisten wird, gut die HĂ€lfte (51 Prozent) bezweifelt das (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils "weiß nicht"). Wenig Optimismus gibt es mit Blick auf die Wirtschaft: Nur 35 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich mit einer Regierung aus CDU/CSU und SPD die wirtschaftliche Lage in Deutschland verbessern wird, 19 Prozent prognostizieren eine Verschlechterung und mit 44 Prozent meinen die meisten, dass sich mit Schwarz-Rot an der ökonomischen Situation bei uns nur wenig Ă€ndern wird. Ähnlich fĂ€llt die EinschĂ€tzung beim Thema Migration aus: Zwar unterstĂŒtzt eine klare Mehrheit von 70 Prozent die geplanten VerschĂ€rfungen in der Migrationspolitik (dagegen: 24 Prozent), aber nur knapp ein Drittel (30 Prozent) erwartet, dass mit einem BĂŒndnis aus CDU/CSU und SPD die Probleme im Bereich FlĂŒchtlinge und Asyl besser gelöst werden. 12 Prozent sagen "schlechter" und fĂŒr mehr als die HĂ€lfte (54 Prozent) wird es da mit der neuen Regierung keine großen VerĂ€nderungen geben.

Positive Grundeinstellung gegenĂŒber Schwarz-Rot

Trotz dieser ambivalenten Erwartungshaltung stehen die Deutschen der zukĂŒnftigen Bundesregierung mehrheitlich positiv gegenĂŒber: 55 Prozent der Befragten finden es gut, wenn es zu einer schwarz-roten Koalition kommt, 29 Prozent finden das schlecht und 11 Prozent ist das egal. Zudem erwarten 56 Prozent, dass eine Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD gut zusammenarbeiten wird, 37 Prozent rechnen nicht damit.

Große Zweifel an angekĂŒndigtem Politikwechsel

Was die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen betrifft, sehen die Befragten keinen der beiden Koalitionspartner klar im Vorteil: FĂŒr 39 Prozent hat sich die CDU/CSU bei den GesprĂ€chen stĂ€rker durchgesetzt, fĂŒr 36 Prozent die SPD. Vor drei Wochen, als noch verhandelt wurde, glaubten 68 Prozent, die CDU/CSU werde mit ihren Positionen stĂ€rker punkten, und 24 Prozent die SPD.

Vor diesem Hintergrund sind 64 Prozent, darunter auch gut ein Drittel (34 Prozent) der CDU/CSU-AnhÀnger/innen, der Meinung, dass Merz und die Union den von ihnen versprochenen Politikwechsel in einer Regierung mit der SPD nicht umsetzen können (umsetzen: 30 Prozent).

Unzufriedenheit als Ursache fĂŒr die StĂ€rke der AfD

Ein Großteil der Deutschen (85 Prozent) geht davon aus, dass die StĂ€rke der AfD vor allem an der Unzufriedenheit mit den anderen Parteien liegt. Nur 12 Prozent erklĂ€ren den hohen Zuspruch zur AfD mit der Politik dieser Partei. Auch in der AfD-AnhĂ€ngerschaft fĂŒhrt dies eine klare Mehrheit (64 Prozent) auf die Unzufriedenheit mit den anderen Akteuren zurĂŒck (eigene Politik: 33 Prozent).

Projektion: AfD auf Rekordniveau

Wenn am nĂ€chsten Sonntag Bundestagswahl wĂ€re, wĂŒrde sich die CDU/CSU auf 26 Prozent (minus 1) verschlechtern, die AfD wĂŒrde einen Rekordwert von 24 Prozent (plus 2) erreichen. Die SPD kĂ€me nur noch auf 15 Prozent (minus 1), die GrĂŒnen stĂŒnden bei 12 Prozent (unverĂ€ndert). Die Linke könnte mit 10 Prozent rechnen, das BSW mit 3 Prozent und die FDP mit 4 Prozent (alle unverĂ€ndert). Die anderen Parteien erhielten zusammen weiterhin 6 Prozent, darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erzielen wĂŒrde. Mit diesem Ergebnis hĂ€tte ein BĂŒndnis aus CDU/CSU und SPD erneut keine Mehrheit.

Top Ten: Merz fÀllt auf Tiefstwert

Bei der Beurteilung von Politikerinnen und Politikern nach Sympathie und Leistung ("Was halten Sie von?") steht Verteidigungsminister Boris Pistorius nach wie vor mit Abstand auf Platz eins. Er wird auf der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 1,9 (hier und im Folgenden Vergleichswert aus MÀrz II: 2,0) eingestuft. Auf den PlÀtzen zwei bis vier liegen Gregor Gysi mit 0,9 (1,1), Lars Klingbeil mit 0,5 (0,7) und Robert Habeck mit minus 0,1 (minus 0,2). Es folgen Markus Söder mit minus 0,6 (minus 0,6), Annalena Baerbock ebenfalls mit minus 0,6 (minus 0,5) und Friedrich Merz, der mit minus 0,8 (minus 0,5) auf seinen Tiefstwert fÀllt. Achter ist Olaf Scholz mit minus 0,9 (minus 0,7), danach kommt Sarah Wagenknecht mit minus 1,7 (minus 1,4) und Schlusslicht bleibt Alice Weidel mit minus 2,4 (minus 2,5).

US-Zollpolitik: Mehrheit befĂŒrchtet Weltwirtschaftskrise

Die Erhöhung der US-Zölle auf europĂ€ische Produkte schadet der deutschen Wirtschaft nach Ansicht von 80 Prozent der Befragten sehr stark oder stark, 17 Prozent prognostizieren einen geringen oder gar keinen Schaden. Zudem meinen 58 Prozent, dass Trumps Wirtschafts- und Zollpolitik zu einer weltweiten Wirtschaftskrise fĂŒhren wird, 35 Prozent bezweifeln das. Als Reaktion der EU auf die US-Zölle befĂŒrworten 33 Prozent hohe Gegenzölle, 62 Prozent sprechen sich fĂŒr Verhandlungen mit US-PrĂ€sident Trump aus.

Wirtschaftsbeziehungen der EU

In Deutschland gibt es die Erwartung, dass sich die EU ökonomisch eher von den USA weg- und zu China hinwenden wird: FĂŒr 39 Prozent werden die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und den USA zukĂŒnftig weniger wichtig sein (wichtiger: 15 Prozent, keine VerĂ€nderungen: 39 Prozent). Dagegen sagen 49 Prozent, dass in Zukunft China fĂŒr die EU ökonomisch an Relevanz gewinnen wird (weniger wichtig: 7 Prozent, keine VerĂ€nderung: 38 Prozent).

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgefĂŒhrt. HierfĂŒr wurden 1.322 Interviews in der Zeit vom 8. bis zum 10. April 2025 erhoben. ZusĂ€tzlich wurde ein Politbarometer-Extra am 9. und 10. April 2025 mit 1.133 Interviews realisiert. In beiden Umfragen wurden jeweils zufĂ€llig ausgewĂ€hlte Wahlberechtigte befragt. Dabei wurden jeweils sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern berĂŒcksichtigt. Die Befragungen sind reprĂ€sentativ fĂŒr die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich betrĂ€gt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent rund +/-zwei Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU 24 Prozent, AfD 22 Prozent, SPD 16 Prozent, GrĂŒne 17 Prozent, Linke 11 Prozent, BSW 2 Prozent, FDP 4 Prozent. Das nĂ€chste Politbarometer sendet das ZDF am Freitag, 2. Mai 2025.

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- Informationen zur Methodik der Umfrage und zu den genauen Frageformulierungen finden Sie auch auf https://forschungsgruppe.de.

- Hier finden Sie das "ZDF-Politbarometer" im Web und in der App des ZDF.

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