Spanien, Niederlande

Streit in Spanien um Hantavirus-Schiff

06.05.2026 - 12:26:20 | dpa.de

Nach mehreren Hantavirus-FÀllen und drei Todesopfern soll das Kreuzfahrtschiff «Hondius» einen Hafen auf den Kanaren anlaufen. Aber auf den Inseln regt sich Widerstand.

  • Gesundheitspersonal kam am Dienstag an Bord des unter niederlĂ€ndischer Flagge fahrenden Schiffes. - Foto: Qasem Elhato/AP/dpa
    Gesundheitspersonal kam am Dienstag an Bord des unter niederlÀndischer Flagge fahrenden Schiffes. - Foto: Qasem Elhato/AP/dpa
  • Das betroffene Schiff liegt im Hafen von Praia, Kap Verde. - Foto: Arilson Almeida/AP/dpa
    Das betroffene Schiff liegt im Hafen von Praia, Kap Verde. - Foto: Arilson Almeida/AP/dpa
  • Nach einem Hantavirus-Ausbruch sind drei Passagiere der MV «Hondius» gestorben. - Foto: Qasem Elhato/AP/dpa
    Nach einem Hantavirus-Ausbruch sind drei Passagiere der MV «Hondius» gestorben. - Foto: Qasem Elhato/AP/dpa
Gesundheitspersonal kam am Dienstag an Bord des unter niederlÀndischer Flagge fahrenden Schiffes. - Foto: Qasem Elhato/AP/dpa Das betroffene Schiff liegt im Hafen von Praia, Kap Verde. - Foto: Arilson Almeida/AP/dpa Nach einem Hantavirus-Ausbruch sind drei Passagiere der MV «Hondius» gestorben. - Foto: Qasem Elhato/AP/dpa

Der geplante Anlauf eines von Hantavirus-FĂ€llen betroffenen Kreuzfahrtschiffs auf den Kanarischen Inseln sorgt in Spanien fĂŒr Aufregung und politischen Streit. Der PrĂ€sident der Kanaren, Fernando Clavijo, wehrt sich gegen das Vorhaben der spanischen Zentralregierung und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Er beklagt «fehlende Transparenz» und fordert ein «dringendes Treffen» mit Spaniens Regierungschef Pedro SĂĄnchez.

«Wir haben (von der Zentralregierung) bislang keinerlei Informationen erhalten, und auch keinen offiziellen Antrag fĂŒr das Anlaufen auf den Kanaren», sagte Clavijo im Interview des staatlichen TV-Senders RTVE. Er habe SĂĄnchez und Gesundheitsministerin MĂłnica GarcĂ­a per Whatsapp um GesprĂ€che gebeten. Bisher stĂŒtze sich seine Regierung ausschließlich auf Medienberichte.

Das spanische Gesundheitsministerium hatte am Dienstagabend mitgeteilt, die Entscheidung, dass das Schiff die Kanaren anlaufen soll, sei in Abstimmung mit der WHO und der EU gemĂ€ĂŸ internationalem Recht und humanitĂ€ren Prinzipien getroffen worden. Das betroffene kleine Kreuzfahrtschiff mit insgesamt knapp 150 Menschen an Bord war vom SĂŒden Argentiniens aufgebrochen und ankert derzeit im Atlantik vor Kap Verde vor der WestkĂŒste Afrikas.

Teneriffa hat eine auf Epidemien spezialisierte Klinik

Bislang sind drei Passagiere der unter niederlĂ€ndischer Flagge fahrenden «Hondius» gestorben, ein Ă€lteres niederlĂ€ndisches Ehepaar und eine Person aus Deutschland, bei der es sich nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide Expeditions um eine Frau handelt. An Bord befanden sich demnach zuletzt insgesamt 149 Menschen: 88 Passagiere (darunter ein Todesfall) und 61 Crewmitglieder. Die grĂ¶ĂŸte NationalitĂ€tsgruppe stellen Briten (19) und US-Amerikaner (17), gefolgt von Spaniern (14).

Nach spanischen Medienberichten soll das Schiff die bei Touristen sehr beliebte Insel Teneriffa anlaufen, wo es mit dem Hospital Candelaria eine auf Epidemien spezialisierte Klinik gibt. Zudem solle der infizierte Schiffsarzt mit einem medizinisch ausgestatteten Flugzeug auf die Kanaren ausgeflogen werden, berichteten Medien unter Berufung auf das Gesundheitsministerium in Madrid.

Bei zwei untersuchten Passagieren wurde nach Angaben des sĂŒdafrikanischen Gesundheitsministeriums ein Typ des Hantavirus festgestellt, bei dem Infektionen zwischen Menschen bei engem, lĂ€nger andauerndem Kontakt möglich sind.

«Die Gefahr ist real»

Clavijo forderte Klarheit ĂŒber die Entscheidungsgrundlage. «Wenn das Risiko wie behauptet gering ist, verstehen wir nicht, warum die Passagiere drei Tage bis zu einem kanarischen Hafen weiterfahren mĂŒssen, wenn sie auch von einem Flughafen in Praia (Kap Verde) aus evakuiert werden könnten», sagte er. Es spreche nichts dagegen, die Reisenden direkt in die Niederlande auszufliegen - dort habe die Reederei ja ihren Sitz.

Auf die Frage, ob er sich einem Anlaufen auf den Kanaren widersetzen wĂŒrde, ging der RegionalprĂ€sident nicht direkt ein. «Wir brauchen mehr Informationen.» Angesichts der fehlenden Transparenz «können weder die Bevölkerung auf den Kanaren noch die Regionalregierung beruhigt sein, denn die Gefahr ist real». Von Medien befragte spanische Experten entgegneten, das Risiko fĂŒr die Bevölkerung des Archipels im Atlantik sei gering. «Sogar Null, oder kleiner als Null, wĂŒrde ich sagen», betonte der Epidemiologe Amos GarcĂ­a in RTVE.

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